Ernst Haffner

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Ernst Haffner (* um 1900; † nach 1938) war ein Berliner Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Haffner ist bislang nur wenig bekannt. Zwischen 1925 und 1933 arbeitete er in Berlin als Sozialarbeiter und Journalist. Nach der Machtergreifung durch die NSDAP wurde er 1938 noch einmal zur Reichsschrifttumskammer zitiert, danach verliert sich seine Spur.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Haffner ist nur ein einziges Buch bekannt, der 1932 in einer Auflage von 5000 Stück im Verlag von Bruno Cassirer erschienene Roman Jugend auf der Landstraße Berlin. Der Roman wurde namentlich von Siegfried Kracauer in der Frankfurter Zeitung gelobt.

Der Roman beschreibt authentisch das Leben von Berliner obdachlosen Jugendlichen, die ums nackte Überleben kämpfen, und bietet damit einen Einblick in eine Welt, die damals bis auf wenige Ausnahmen nicht Gegenstand von Literatur war. Eine größere Rolle spielt im Buch die Angst vor oder die Flucht aus einer Erziehungsanstalt, der „Fürsorge“, die von Haffner aus seiner Kenntnis und Perspektive als Sozialarbeiter als repressiver Ort beschrieben wird. Auffällig ist die Abwesenheit der parteipolitischen Straßenkämpfe im Berlin der Zeit nach der Weltwirtschaftskrise.[1] Nach Ansicht des Verlegers Peter Graf wollten die obdachlosen Jugendlichen „einfach nur überleben“.[2] In der Beschreibung der Flucht eines der Protagonisten auf der Achse eines D-Zuges auf der Strecke vom Rheinland bis nach Berlin spielt Haffner auf die Vagabundenbewegung an, die sich als anarchistische Bewegung von Landstreichern und Vagabunden nach 1929 international formiert hatte. Auf die „Gegenseitige Hilfe“ als wichtiges Prinzip der Vagabundenbewegung spielt im Buch auch der Spitzname „Ewige Hilfe“ für eine Berliner Obdachlosenunterkunft an.

Das Buch fiel 1933 der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten zum Opfer.[3] Es wurde 2013 im Metrolit Verlag[4] und 2015 im Aufbau Verlag unter dem Titel Blutsbrüder[5] neu aufgelegt. Ähnliche Romane aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind Hans Falladas Jeder stirbt für sich allein und Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin.

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater-Fassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Almut Konsek: Ein Berliner Cliquenroman. In: Metamorphosen, Neue Folge 5, Heft 35, S. 56–58.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Guardian, abgerufen am 5. Januar 2015[1]
  2. The Guardian, abgerufen am 5. Januar 2015[2]
  3. Ulrich Gutmair: Die Punks der Weimarer Republik, in: taz, 19. August 2013, abgerufen am 10. September 2013
  4. Zeit Literatur Nr. 41, September 2013, S. 33.
  5. Blutsbrüder. Abgerufen am 9. Mai 2017 (englisch).
  6. Gegen den Geschmack des Kurfürstendamms. In: FAZ vom 31. August 2013, S. 33.