Erzwungene Schwangerschaft

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Unter einer erzwungenen Schwangerschaft versteht man eine solche Schwangerschaft, die der Mutter aufgezwungen wurde, etwa im Rahmen von Sklaverei, einer Zwangsheirat oder eines Genozids. Erzwungene Schwangerschaften können im Völkerstrafrecht als Kriegsverbrechen[1], Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Völkermord strafbar sein.

Sklaverei[Bearbeiten]

Die so genannte „Sklavenzucht“ gehörte zu den Praktiken der Sklavenhalter. Sklavinnen wurden Schwangerschaften durch Vergewaltigung aufgezwungen, um deren Kinder gewinnbringend verkaufen oder zur Arbeit einsetzen zu können.[2] Den Sklaven wurden dabei Personenrechte abgesprochen und sie galten als Sache und Besitz des Sklavenhalters.[3]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

Die Ex-Sklavin Maggie Stenhouse berichtete über ihre Erfahrungen in den USA:

„Während der Zeit der Sklaverei gab es ‚Zuchtmänner‘. Diese wurden gewogen und auf ihre Kraft getestet. Ein Sklavenhalter konnte einen Zuchtmann mieten und ihn mit der jungen Frau, von der er Kinder wünschte, in einen Raum sperren [und sie zum Geschlechtsverkehr zwingen].“[4]

Genozid[Bearbeiten]

Erzwungene Schwangerschaften werden auch als eine Waffe des Genozids eingesetzt. Erzwungene Schwangerschaften in Konfliktzonen entstehen oft aufgrund einer rechtsgerichteten Ideologie, die die Ausrottung der als unwürdig empfundenen Gruppe und deren ethnische oder genetische angebliche Minderwertigkeit propagiert. Vergewaltigungen werden als Mittel propagiert, deren Frauen Nachwuchs der eigenen Gruppe aufzuzwingen. Dies wurde zum Beispiel im Rahmen des Völkermordes in Burundi, der Massaker von Sabra und Schatila im Libanon und des Völkermordes in Ruanda berichtet.[5]

Demokratische Republik Kongo[Bearbeiten]

Es wird berichtet, dass es im Rahmen des Bürgerkrieges in der Demokratischen Republik Kongo zu circa 400.000 Vergewaltigungen, welche oft in einer Schwangerschaft endeten, kam.[6]

Ruanda[Bearbeiten]

In den späteren Stadien der Hutu-Power-Bewegung wurden die Tutsi als minderwertige Menschen angesehen. Ehen zwischen Hutu und Tutsi wurden abgelehnt, Vergewaltigungen von Tutsi Frauen jedoch propagiert. Befragungen zeigten, dass die Mehrheit der über zwölfjährigen weiblichen Überlebenden des Völkermordes in Ruanda vergewaltigt worden war.[7]

Kroatien und Bosnien-Herzegowina[Bearbeiten]

Im Jahr 2003 besuchte die Anwältin Feryal Gharahi im Namen von Equality Now Kroatien und Bosnien-Herzegowina und befragte Zeitzeugen über den Kosovo-Krieg. Sie berichtete:

„Es gab Vergewaltigungslager (Rape Camps) im ganzen Lande. [...] Frauen erzählten mir Geschichten voller Scheußlichkeit - davon wie sie in einem Raum festgehalten wurden, wieder und wieder vergewaltigt wurden und ihnen gesagt wurde, dies würde so lange geschehen bis sie serbische Kinder gebären würden.“[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siobhan K. Fisher. 1996. Occupation of the womb: Forced impregnation as genocide. Duke Law Journal. S. 91–133
  2. Marable, Manning. 2000. How capitalism underdeveloped Black America: problems in race, political economy, and society. South End Press. S. 72
  3. Eddie Donoghue. 2008 Black Breeding Machines: The Breeding of Negro Slaves in the Diaspora. AuthorHouse. S. 134-36.
  4. Work Projects Administration, Slave Narratives. 2004. A Folk History of Slavery in the United States from Interviews with Former Slaves, Arkansas Narratives, Part 6, Kessinger Publishing. S. 154.
  5. Charli Carpenter. 2007. Born of War: Protecting Children of Sexual Violence Survivors in Conflict Zones. Kumarian. S. 40–52
  6. Poloni-Staudinger, Lori; Candice D. Ortbals. 2012. "Rape as a Weapon of War and Genocide". Terrorism and Violent Conflict: Women's Agency, Leadership, and Responses. Springer.
  7. Walsh, Annelotte. 201). The Girl Child. In: Lisa Yarwood. Women and Transitional Justice: The Experience of Women as Participants. Routledge. S. 59
  8. Equality Now. 1993. Mass Rape, Forced Pregnancy, Genocide