Esperantujo

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Esperantujo (oder auch Esperantio) ist die Eigenbezeichnung der Sprecher der Sprache Esperanto für die Esperanto-Sprachgemeinschaft einschließlich der zugehörigen Esperanto-Kultur und -Institutionen. Manchmal wird im Deutschen und Englischen auch von Esperantoland gesprochen[1], die wörtliche Übersetzung von Esperantujo.

Nach verschiedenen Schätzungen dürfte es in über 100 Ländern insgesamt einige hunderttausend aktive Esperanto-Sprecher geben – also Personen, die im Laufe eines Jahres in irgendeiner Weise Esperanto nutzen. Insgesamt haben laut Schätzungen seit 1887 einige Millionen Menschen Esperanto gelernt; es gibt weiterhin ein- bis zweitausend Esperanto-Muttersprachler.[2] Nach einer Probandenbefragung von 1995 erlernt der überwiegende Teil der Sprecher Esperanto in der Jugend oder nach Beendigung der Berufstätigkeit, [3] was Hinweise auf ein Generationenproblem der Esperanto-Sprecher gibt.

Abgrenzung zur Esperanto-Bewegung

Gelegentlich wird für die Sprachgemeinschaft aller Esperanto-Sprecher der Begriff Esperanto-Bewegung benutzt, unabhängig davon, ob die Sprecher sich für Ziele der Esperanto-Bewegung einsetzen oder nicht.

Entstehung 1887[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vorwort zu seinem ersten Esperanto-Lehrbuch Internationale Sprache schrieb Ludwik Zamenhof 1887, dass seine Sprache so sein solle, dass jeder, der diese Sprache erlernt hat, „sie sofort zum Verkehr mit anderen Nationalitäten benutzen können“ muss, „ganz abgesehen davon in wie fern diese Sprache von der Welt anerkannt wird, ob sie viele, wenige oder gar keine Anhänger hat“[4]; dies legte die Grundlage für die Ausbildung der Esperanto-Sprachgemeinschaft.

Esperanto-Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Esperanto-Sprachgemeinschaft hat zum einen Kulturgüter aus anderen Sprachgemeinschaften übernommen, zum anderen eigene Kulturgüter geschaffen. Schon im ersten Lehrbuch von 1887 veröffentlichte Zamenhof eine Gedicht-Übersetzung (aus dem 'Buch der Lieder' von Heinrich Heine) sowie zwei eigene Gedichte (Mia penso und Ho, mia kor' ).[5]

Mittlerweile sind etwa zehntausend Esperanto-Bücher veröffentlicht worden, jährlich kommen etwa 120 weitere hinzu.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The American Scholar. Arika Okrent: A Visit to Esperantoland
  2. Esperanto-Sprecher: Josef Fliegner zitiert Zahlen zwischen 100.000 und 3 Millionen Esperanto-Sprechern. „Weltweit 100.000 Sprecher vermutet die Encyclopaedia Britannica und ca. 3 Mill. Benutzer nennt der Fischer Almanach von 1986 (S. 910).“ Josef Fliegner: Eine verwandte Fremdsprache. Esperanto aus deutscher Sicht. In: Holger Burckhart (Hrsg.): Sprache der Didaktik – Didaktik der Sprache. Festschrift für Hans Messelken. Königshausen & Neumann, Würzburg 2003 ISBN 3-8260-2553-9, S. 196–221, hier: S. 198.
    Esperanto-Lerner: Der Fischer Weltalmanach ’84, Frankfurt/Main 1983 (ähnlich in anderen Jahren) schreibt, dass es „3–16 Millionen“ zweitsprachliche Esperanto-Sprecher gebe.
    Muttersprachler: Renato Corsetti. A mother tongue spoken mainly by fathers. In: Language Problems and Language Planning 20 (1996): 3, 263–273. Auch: Sabine Fiedler. The Esperanto denaskulo: The status of the native speaker of Esperanto within and beyond the planned language community. In: Language Problems and Language Planning 36 (2012): 1, 69–84.
  3. Sabine Fiedler. Zu Merkmalen der Esperanto-Sprachgemeinschaft (Ergebnisse einer Probandenbefragung). In: Interlinguistische Informationen, Beiheft 4, 7. GIL-Tagung: Soziokulturelle Aspekte von Plansprache. Berlin 1998, S. 24.
  4. Ziele: L. Zamenhof.: Internationale Sprache. Warschau 1887. S. 8
  5. Gedichte in Esperanto: L. Zamenhof. Internationale Sprache. Warschau. 1887. S. 23–25