Euchologion

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Euchologion (Eὐχολόγιον) nennt man das liturgische Buch verschiedener Ostkirchen, das sämtliche oder einen Teil jener Gebete umfasst, die Bischöfe und Presbyter als Vorsteher von Gottesdiensten zu sprechen haben. Im Abendland entspricht ihm das Sakramentar. Der Form nach handelt es sich entweder um einen Kodex oder eine Reihe von Buchrollen (Rotulus, Kontakion).

Ein Μικρὸν Eὐχολόγιον („Kleines Euchologion“) enthält die Texte für die Feier der Sakramente außer der Eucharistie. Es entspricht dem abendländischen Rituale.

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Alten Kirche sind nur wenige vollständige Euchologien bekannt, insbesondere eine Sammlung des 4. Jahrhunderts aus Ägypten, die dem Bischof Serapion von Thmuis zugeschrieben wird, das sogenannte „Serapion-Euchologion“ (Codex unicus: Athos, Kloster Megisti Lavra 149). Spätantike Fragmente finden sich in größerer Anzahl.

Das älteste erhaltene Euchologion der byzantinischen Liturgie ist das sog. „Euchologium Barberinum S. Marci“, die Handschrift Barberinus Graecus 336 (vormals: III 55) der Biblioteca Apostolica Vaticana. Ein ähnlich altes, doch fragmentiertes griechisches Euchologion wurde 1975 im Sinai-Kloster entdeckt: Codex Sinaiticus NE MΓ 53.[1]

Beim „Barberinum S. Marci“ handelt es sich um die süditalienische Kopie eines um nahöstliche Materialien erweiterten Konstantinopolitaner Patriarchal-Euchologions aus dem 8. Jahrhundert. Es taucht erstmals wieder auf als Teil der Bücherkäufe des Niccolò Niccoli († 1437), gelangte mit dessen Nachlass in die Bibliothek des Dominikanerklosters San Marco in Florenz und von dort 1639 zu Kardinal Francesco Barberini nach Rom. Dort fand es bei der - 1645 ergebnislos abgebrochenen - Vorbereitung eines von König Philipp IV. für das byzantinische Süditalien gewünschten Euchologion-Drucks Verwendung.[2]

Älteste bekannte Handschrift eines Euchologions der Hagia Sophia zu Konstantinopel ist der Codex Paris, BnF, Coislin 213 (v. J. 1027). Ein palästinisches Euchologion (vor 1030) führte Simeon von Trier mit sich.

Das älteste slawische Euchologion ist das Euchologium Sinaiticum (Sinaiticus slav. 37/O+1/N) in glagolitischer Schrift aus dem 11. Jahrhundert.

Der erste Druck eines griechisch-byzantinischen Euchologions für gottesdienstliche Zwecke erschien 1545 (nicht 1526) in Venedig (zahlreiche venezianische Nachdrucke bis in das 19. Jh.). Eine erste katholische Druckausgabe besorgte 1754 in Rom Papst Benedikt XIV.; über ihre mehrjährige Redaktionsgeschichte und nicht wenigen Änderungen gegenüber orthodoxem Brauch unterrichtet Benedikts Enzyklika Ex quo.

Älteste, lange Zeit einzige und noch heute nützliche wissenschaftliche Ausgabe (mit lateinischer Übersetzung und Kommentar) ist die Veröffentlichung durch Jacques Goar OP.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maxwell E. Johnson: The prayers of Sarapion of Thmuis; Orientalia Christiana Analecta 249; Rom: Pont. Ist. Orientale, 1995; ISBN 88-7210-307-X. (Deutsche Übersetzung)
  • Stefano Parenti, Elena Velkovska: L’Eucologio Barberini gr. 336; Bibl. Eph. Lit. Subs. 80; C.L.V.; Rom: Ed. Liturgiche, 20002; ISBN 88-85918-99-9. 3. Auflage: Евхологий Барберини гр. 336. Издание текста, предисловие и примечания Елены Велковской – Стефано Паренти. Omsk: Golovanov 2011. 512 S. ISBN 978-5-9902610-5-1.
  • Stefano Parenti: L’eucologio slavo del Sinai nella storia dell’eucologio bizantino; Filologia Slava 2; Rom: Seminario del Dipartimento di Studi Slavi e dell’Europa centro-orientale. Università di Roma „La Sapienza“, 1997; Ohne ISBN.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C.Kanavas: L'Eucologio MG 53 (Sec. IX) del Monastero di S. Caterina del Sinai. Diss. masch. Rom (PIO) 2013.
  2. André Jacob: De Florence à Rome: le dernier voyage de l'Euchologe Barberini. In: Νέα ΄Ρώμη 11. 2014, 445–454.