Evangelische Forschungsakademie

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Die Evangelische Forschungsakademie ist eine Einrichtung der Union Evangelischer Kirchen.

Sie ist eine Arbeitsgemeinschaft von Wissenschaftlern und Künstlern unterschiedlicher Disziplinen. Sie stellt sich den Fragen, die sich aus dem Zusammenhang von wissenschaftlicher Arbeit in Forschung und Lehre und dem christlichen Lebensverständnis ergeben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 1948 wurde in Ilsenburg (Harz) die Evangelische Forschungsakademie gegründet. Ziel war, in Deutschland nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft eine Neubesinnung für das menschliche Leben und damit auch für die wissenschaftliche Arbeit zu fördern. Oskar Söhngen, der Begründer und erste Leiter (1948–1961), zitierte bei der Eröffnung der ersten Ilsenburger Tagung aus einer Denkschrift der Evangelischen Akademie Bad Boll u. a.: „Es genügt nicht, den modernen Menschen das Fundament eines persönlichen Glaubenslebens zu vermitteln. Eine evangelische Akademie muss aufzeigen, wie die einzelnen Gebiete des weltlichen Lebens und Denkens sachgemäß auf diesem Fundament gegründet werden können.“

Seit Januar 1949 steht dem Direktor ein wissenschaftlicher Sekretär und ein Kuratorium zur Seite. Es finden seither regelmäßig Jahrestagungen statt: Januartagungen seit 2009 im Zentrum am Hauptbahnhof der Berliner Stadtmission und Pfingsttagungen seit 2001 mit wenigen Ausnahmen im Evangelischen Zentrum Kloster Drübeck.

Direktoren der Evangelischen Forschungsakademie waren von 1948 bis 1961 Oskar Söhngen (1900–1983), von 1961 bis 1972 Präsident Franz-Reinhold Hildebrandt (1906–1991), von 1972 bis 2000 Bischof Joachim Rogge (1929–2000) und von 2001 bis 2007 Rüdiger Lux. Seit November 2007 ist Andreas Lindemann Direktor der Forschungsakademie.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit ihrer Gründung setzte sich die Forschungsakademie zum Ziel, Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen zusammenzuführen, um die jeweils neuesten Erkenntnisse und Entwicklungen in Wissenschaft und Gesellschaft zu diskutieren. In den Jahrzehnten der Teilung Deutschlands hat die Akademie Wissenschaftler aus Ost und West ins Gespräch gebracht, um über die Grenzen hinweg einen Austausch unterschiedlicher Positionen von Welt- und Glaubensanschauungen zu ermöglichen. Seit der deutschen Einheit im Jahre 1990 stellt sie sich den neuen globalen Herausforderungen im Prozess einer fortschreitenden Säkularisierung. Im Vordergrund steht die Suche nach Zielen und Strategien zur Gestaltung von Lehre, Bildung und Forschung in christlich-ethischer Verantwortung.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Forschungsakademie wird von einem Kuratorium geleitet, dem ein Direktor vorsteht. Der Akademie gehören berufene Mitglieder und ständige Gäste an.

Tagungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zweimal im Jahr (Januar und Pfingsten) finden nicht-öffentliche Tagungen statt, zu denen die Mitglieder und Gäste eingeladen werden. Die Tagungen im Januar sind einem speziellen Thema gewidmet, das interdisziplinär behandelt wird. Auf der Pfingsttagung stellen die Akademiemitglieder ihre Forschungsergebnisse zur Diskussion.[1]

  • Themen ausgewählter Januartagungen
    • 1954: Der Wirklichkeitsbegriff
    • 1956: Theorie des objektiven Geistes
    • 1958: Der Symbolbegriff
    • 1964: Das Problem der Sprache
    • 1968/1969/1970: Ethik
    • 1974: Wandel der Gottesvorstellung
    • 1976: Verantwortung der Wissenschaft heute
    • 1982: Komplementarität und Wirklichkeit
    • 1989: Bedrohung und Geborgenheit
    • 1995: Grundfragen zu Tod und Leben des Menschen
    • 1999: Die Zukunft der Menschheit im Horizont verantwortlichen Handelns
    • 2002: Mensch und Bild
    • 2004: Heimat und Fremde – Herausforderungen im Zeitalter von Migration und Globalisierung
    • 2007: Bioethik – Menschliche Identität in Grenzbereichen
    • 2009: Die Würde des Menschen
    • 2010: Widerfahrnis und Erkenntnis
    • 2012: Hirnforschung und Menschenbild
    • 2015: Rechtliche Verantwortlichkeit im Konflikt
    • 2016: Kultur und Identität
    • 2017: Impulsgeber der Moderne? – Kontexte und Wirkungen der Reformation
    • 2018: Das menschliche Maß – Gesellschaftlicher Wandel zwischen Selbstoptimierung und Selbstbescheidung

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Tagungsbände erscheinen in zeitlichem Abstand.