Externalismus und Internalismus

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Die Begriffe Externalismus und Internalismus sind philosophische Fachbegriffe, die aus den englischen Begriffen externalism und internalism in das Deutsche übertragen worden sind. Sie haben je nach Teilgebiet der Philosophie eine eigenständige Bedeutung. Ihre Anwendung findet sich in der Ethik, in der Wissenschaftstheorie, in der Erkenntnistheorie, in der Sprachphilosophie bzw. Semantik sowie in der Philosophie des Geistes. Die Begriffe treten jeweils als Paar auf, mit dem gegensätzliche philosophische Positionen gekennzeichnet werden. Beim Externalismus erhält die jeweils diskutierte Erklärung eines Sachverhalts eine Information oder einen Impuls, der von außen kommt, also nicht in dem Sachverhalt selbst liegt. Umgekehrt bezeichnet der Internalismus etwas, was in der Sache oder dem Untersuchungsgegenstand selbst liegt.

Ethik[Bearbeiten]

In der Moralphilosophie dienen die Begriffe zur Unterscheidung, ob die Gründe für eine Handlung im Willen oder Überzeugungen der handelnden Person liegen (Internalismus) oder ob diese Gründe sich aus Normen ergeben, die den äußeren Rahmen für die Motivation der handelnden Person abgeben (Externalismus). Dabei ist die Quelle der auferlegten Normen (Gesetz, Religion, Philosophie) unerheblich. So ist eine Vernunftethik, nach der aus Überzeugung gehandelt wird, intern in den Überzeugungen des Handelnden begründet, während das Befolgen von öffentlich aufgestellten Geboten externe Ursache hat.

Wissenschaftstheorie[Bearbeiten]

In der Wissenschaftstheorie ist strittig, ob es Theorien geben kann, deren Gehalt sich allein aus der Sache selbst begründet (Internalismus), oder ob jede Theorie zumindest in einigen Faktoren durch Kultur und soziale Verhältnisse, also nicht im Gegenstand liegende Interessen bestimmt ist (Externalismus). Bekannte Beispiele für die Auseinandersetzungen zu diesem Thema sind der Werturteilsstreit oder der Positivismusstreit.

Erkenntnistheorie[Bearbeiten]

In der Erkenntnistheorie wird gegenübergestellt, ob die Rechtfertigung einer Aussage auf Gründen beruht, die der Person, die diese Begründung abgibt, vollständig zu eigen sind (Internalismus), oder ob die Person eine Instanz, ihren Lehrer oder Gott, als ausreichenden Maßstab betrachtet, die den Grund manifestiert (Externalismus). Die Korrespondenztheorie der Wahrheit entspricht einem Externalismus, da es außerhalb des Subjekts liegende Maßstäbe für die Erkenntnis der Wahrheit gibt. Ein Argument für den Externalismus ist das Gettier-Problem.

Sprachphilosophie[Bearbeiten]

In der Sprachphilosophie ist der Begriff Externalismus eng mit dem semantischen Externalismus von Hilary Putnam verbunden. Dieser hatte in dem Aufsatz „Die Bedeutung der Bedeutung“ (The Meaning of ‚Meaning’) die These entwickelt, dass Bedeutung nicht nur im Kopf erzeugt wird und dieses Argument anhand des Gedankenexperiments einer Zwillingserde erläutert.

Philosophie des Geistes[Bearbeiten]

In der Philosophie des Geistes wird das Gegensatzpaar in den letzten Jahren unter dem Stichwort Erweiterter Geist diskutiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Marcus Birke: Wenn nicht im Kopf, wo dann?: der Externalismus als Problem in der Philosophie des Geistes, Lit, Münster 2001, ISBN 978-3-82584893-4
  • Sandra Dellantonio : Die interne Dimension der Bedeutung: Externalismus, Internalismus und semantische Kompetenz, Lang, Frankfurt 2007, ISBN 978-3-63156512-4
  • Hilary Kornblith (Hrsg.): Epistemology: Internalism and Externalism, Blackwell, Oxford 2001

Weblinks[Bearbeiten]