Ferdinand Möller

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Ferdinand Möller (* 15. Oktober 1882 in Münster (Westfalen); † 12. Januar 1956 in Köln) war ein deutscher Kunsthändler.

Leben[Bearbeiten]

Ferdinand Möller war der älteste Sohn des gleichnamigen Baumeisters Ferdinand Möller in Münster. Er erhielt zunächst eine Ausbildung als Buchhändler. 1912 heiratete er die Malerin Maria, geb. Garny. Nach dem Besuch der Sonderbund-Ausstellung 1912 fasste er den Entschluss, Kunsthändler zu werden. Er wurde Mitarbeiter der Galerie Ernst Arnold in Dresden und übernahm 1913 deren Filiale in Breslau. Ab 1917 führte er eine eigene Galerie in Breslau.

1918 wurde er Geschäftsführer der Freien Secession in Berlin und eröffnete eine Galerie in der Potsdamer Straße 134 c. 1919 kam der Verlag der Galerie Ferdinand Möller hinzu. Die Breslauer Galerie wurde 1920 geschlossen.

1923 organisierte Möller gemeinsam mit Wilhelm Reinhold Valentiner eine Ausstellung deutscher Gegenwartskunst in den Anderson Galleries in New York City. 1924 zog er mit Familie, Galerie und Verlag nach Potsdam in die Wollner Str. 14 (heute: Otto Nagel Str. 14). Ab 1927 gab es wieder eine Galerie im Zentrum Berlins, Schöneberger Ufer 38 (heute: Schöneberger Ufer 78). Hier gab es 1929 die Ausstellung Die Blaue Vier mit Werken von Paul Klee, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky und Alexej Jawlensky. Möller war zu einem der wichtigsten Kunsthändler für die deutsche Moderne in den 1920er Jahren geworden.[1] 1932 zog die Galerie ans Lützowufer 3 und 1935 an das Groß-Admiral-von-Köster-Ufer 39 (heute: Schöneberger Ufer 79).

1937 beendete Möller seine Ausstellungstätigkeit, blieb jedoch weiterhin als Händler moderner und älterer Kunst aktiv. 1937/1938 ließ er sich in Zermützel, heute ein Ortsteil von Neuruppin, ein Landhaus bauen, für das er Hans Scharoun als Architekten gewinnen konnte.

Im Rahmen der NS-Aktion Entartete Kunst wurde Ferdinand Möller ab 1938 zusammen mit Karl Buchholz, Hildebrand Gurlitt und Bernhard A. Böhmer mit der Verwertung der beschlagnahmten Kunstwerke beauftragt. Für Ferdinand Möller ist belegt, dass er entgegen den Vorgaben der Nationalsozialisten etliche entartete Kunstwerke nicht aus dem Reichsgebiet verbrachte und an Dritte Inländer verkaufte oder selbst erwarb. Die kunstrechtliche Literatur unterstellte den anderen beteiligten Kunsthändlern schon seit längerem entsprechende Handlungsweisen.[2]

Im Zuge des Zweiten Weltkriegs brachte Möller die ihm anvertrauten Kunstwerke sowie seine Familie nach Zermützel vor den Luftangriffen in Sicherheit.

1946 veranstaltete er mit dem Volksbildungsamt Neuruppin die Ausstellung Freie deutsche Kunst in Neuruppin, siedelte jedoch 1949 nach Köln über. Hier eröffnete er 1951 seine Galerie neu, die nach seinem Tod 1956 aufgelöst wurde.

Ähnlich wie bei Bernhard A. Böhmer ist eine historische Bewertung Möllers sehr zwiespältig.[3]

Ferdinand-Möller-Stiftung[Bearbeiten]

Ab 1994 kam es zu Restitutionen von vier Gemälden in der Staatlichen Galerie Moritzburg Halle an die Tochter Angelika Fessler-Möller (1919–2002). 1995 gründete sie gemeinsam mit dem Kunsthändler Wolfgang Wittrock (* 1947) die Ferdinand-Möller-Stiftung.

„Als Kapitalstock für die Arbeit der Ferdinand-Möller-Stiftung dient unter anderem der Verkaufserlös restituierter Gemälde aus dem Besitz des Kunsthändlers Möller: „Mädchen im Strandwald“ und „Atelierecke“ von Ernst Ludwig Kirchner sowie der „Dom zu Halle“ von Lyonel Feininger. Mit dem erwirtschafteten Kapitalertrag fördert die Stiftung Forschungen auf dem Gebiet des Expressionismus sowie zur nationalsozialistischen Kunst- und Kulturpolitik und unterstützt die Dokumentation der im Jahr 1937 als „entartet" aus deutschen Museen entfernten Kunstgegenstände.“

Gründung und Aufgaben[4]

Ein Aufgabenschwerpunkt der Ferdinand-Möller-Stiftung ist die Drittmittel-Finanzierung der seit 2003 an der Freien Universität Berlin angesiedelten Forschungsstelle „Entartete Kunst“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Eberhard Roters: Galerie Ferdinand Möller. Die Geschichte einer Galerie für moderne Kunst in Deutschland 1917–1956. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1984, ISBN 3-7861-1181-2
  • Wolfgang Schöddert: Vom Geist der Kunst und dem Ungeist der Zeit. Spuren der Galerie Ferdinand Möller aus den Jahren 1937 bis 1945. In: Maike Steinkamp, Ute Haug (Hrsg.): Werke und Werte. Über das Handeln und Sammeln von Kunst im Nationalsozialismus. Akademie-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-05-004497-2, S. 61–82.
  • Von Otto Mueller bis Max Kaus. Graphische Einzeldrucke und Mappenwerke aus dem Ferdinand-Möller-Verlag. Eine Ausstellung des Potsdam Museums Culturcon Medien, Berlin 2010, ISBN 978-3-941092-52-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heidi Jäger: Dem Vergessen entrissen. Potsdam Museum erinnert an den Kunsthändler Ferdinand Möller: „Von Otto Mueller bis Max Kaus“., Potsdamer Neueste Nachrichten vom 16. Oktober 201, abgerufen am 3. November 2013
  2. Hans Henning Kunze: Restitution "Entarteter Kunst": Sachenrecht und Internationales Privatrecht, Walter de Gruyter, Berlin 2000, S. 46.
  3. Siehe etwa Der lange Arm des Ferdinand Möller, Berliner Zeitung vom 27. November 1997, abgerufen am 3. November 2013
  4. Festschrift 2010 (PDF; 63 kB)