Floßauge

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Floßaugen oder Wiedlöcher nach Karl Friedrich Viktor Jägerschmid (1828) zur Floßholzbindung, d. h. dem Einbinden von Bauholz in Flöße
Historischer Löffelbohrer

Ein Floßauge oder Wiedloch ist ein in einen Baumstamm oder Bauholzbalken eingearbeitetes Loch, das dem Einbinden von Baumstämmen und Bauholz in Flöße dient. In Orten, in denen die Balken mit Flößen angeliefert wurden, sind diese Löcher oft auch heute noch vielerorts in alten Dachstühlen zu finden, zum Beispiel im Dachstuhl der Tübinger Stiftskirche.[1][2][3][4]

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oft handelt es sich um bis zu drei dreieckig oder viereckig-oval mit der Axt vorgekerbte und mit einem Löffelbohrer über Eck gebohrte Löcher an den Stamm- oder Balkenenden. Zwei der ösenartigen Wiedlöcher wurden zum Einbinden der meist zwei- oder dreiseitig behauenen Stämme in die einzelnen Floßsegmente angefertigt, die sogenannten Gestöre, und das dritte diente zum Verbinden der Gestöre zu Flößen. Als flexible, äußerst zugfeste Bindeseile oder Wieden wurden junge Baumschösslinge zumeist von Nadelbäumen aufbereitet.[5]

Außerdem wurden an manchen Floßhölzern paarweise, nahezu parallel zur Holzkante und senkrecht zur Stammmitte geführte Sacklöcher eingebohrt, die die Stämme nicht vollständig durchdringen. In ihnen waren kurze Wieden eingekeilt, mit denen quer auf den Floßhölzern verlegte Querhölzer über Wieden verkeilt werden konnten. Diese dienten beispielsweise an Main und Donau zur eigentlichen Floßbindung. Am oberen Neckar wurden sie vermutlich als Stabilisierung von Gestören oder als Unterbau für mitgeführte Lasten verwendet, da sie nur in Kombination mit den über Eck gebohrten Wiedlöchern auftreten.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tilmann Marstaller und Andreas Stiene: Die Dachwerke über Chor und Langhaus der Tübinger Stiftskirche.
  2. Geschichtsfenster im Rathaus Eglosheim. (Memento des Originals vom 16. Oktober 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.historischer-verein-eglosheim.de
  3. Datenbank Bauforschung/Restaurierung: Wohnhaus, Hospitalgasse 6, Mosbach.
  4. Von "Staffelgiebelbekröntem", "Floßaugen" und "Gestören". Teckbote, 25. Juli 2007.
  5. a b Tilmann Marstaller: Zu Lande und zu Wasser. Bauholzimporte des 12.–17. Jahrhunderts im mittleren Neckarraum.