Flohpelz

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Junge Frau mit Flohpelz (1530–1535), Gemälde von Parmigianino

Ein Flohpelz oder Flohpelzchen, aus dem Italienischen auch Zibellino („Zobelchen“), war ein kleiner Pelz aus Hermelinfell, Zobelfell, Iltisfell oder Marderfell mit ausgearbeitetem Kopf, Schwanz und Pfoten, häufig mit edlen Steinen verziert, der im Spätmittelalter und insbesondere in der Renaissance in europäischen Adelskreisen und beim sehr wohlhabendem Bürgertum in Mode kam. Er wurde über die Schulter gehängt getragen oder gelegentlich auch an einem Kettchen am Gürtel. Dorothee Backhaus nennt als weitere Bezeichnung für den Flohpelz die „Contenance“.[1]

Angeblich sollte die Funktion des Flohpelzes sein, lästige Insekten wie zum Beispiel Flöhe anzuziehen und vom Körper des Trägers abzulenken. Da die Flöhe auf Körperwärme und nicht auf Haare reagieren, spricht einiges dafür, dass dem vornehmlich in der Hand zu tragenden Pelz die Wirkung als Flohfalle erst nachträglich zugesprochen wurde.[2]

Wann die ersten mit Ornamenten versehenen Pelzkolliers entstanden sind ist unsicher. Die Idee muss von einem Goldschmied ausgegangen sein, der für die Königshöfe im späten 14. und frühen 15. Jahrhundert gearbeitet hat und die „prächtigen und fantastischen“ Juwelen schuf, die in den Inventarverzeichnissen wie des Hauses Burgund und des Französischen Königshauses verzeichnet sind.[3]

Die edelsten Exemplare wurden aus ganzen Fellen in Tierform über der Kleidung getragen, oft mit zusätzlichem Schmuck versehen. Bereits 1467 wird der Flohpelz im Inventar von Karl dem Kühnen von Burgund erwähnt.[4] Ein Gemälde von Parmigianino zeigt eine italienische Patrizierin um 1540 mit einem Zibellino über der Schulter; insgesamt sind über dreißig Abbildungen bekannt. Auch wenn sich in der Inventaraufnahme nach dem Tod Edwards VI. zwei Zobelkolliers befanden,[3] so scheint doch keine Abbildung mit einem Mann mit Flohpelz zu geben.[5] Die Herzogin von Ferrara besaß einen Zobel mit goldenem Kopf mit 12 Rubinen, 3 Diamanten, 3 Smaragden und 4 Perlen. Im Nachlass der Katharina von Polen befand sich ein ähnlicher Pelz, dessen Wert auf 750 Taler geschätzt wurde. Philippine Welser besaß eine Garnitur, die aus einem goldenen Zobelkopf mitsamt den vier Tatzen bestand, daran 5 Rubine und 5 Smaragde, die Augen waren Granaten, im Maul befand sich eine Perle, an den Tatzen Rubine und Smaragde.[4]

Maria Stuart (1542–1587) besaß neben anderen ein Hermelinkollier mit Köpfen und Füßen aus emailliertem Gold, als einen zusätzlich mit Edelsteinen und Perlen verziertem Kragen. Vermutlich wurden das Kollier aus mehreren, der sonst eigentlich dafür zu kleinen, Felle zusammengesetzt. Das war nicht immer notwendig, da die Schmuckpelze nicht nur um den Hals gelegt als Kragen dienten, sondern oft lediglich am Gürtel hingen oder als Fächer, Fliegenwedel oder einfach als Spielzeug in müßigen Momenten benutzt wurden. Maria, die schottische Königin, besaß mehrere dieser Hermeline, mit Köpfen verschiedener wertvoller Materialien. Sie besaß Kolliers aus Marderfell und aus Wolfsfell, aber auch eines aus Seidenplüsch oder Samt. Bei diesem dürfte es sich um eine Tierimitation gehandelt haben. Der Kopf war aus Gagat (Pechkohle) geschnitzt, dekoriert war es mit Gold und mit einer schwarz emaillierten Kette. Einer der Köpfe der echten Pelzkolliers war dagegen aus Kristall gefertigt.[3]

Die Mode der sogenannten „Pelzkolliers“ mit ausgearbeiteten Köpfen und am Fell belassenen Pfoten und Schwänzen war, ohne den Hintergedanken an den Flohfang, im neunzehnten Jahrhunderts sehr stark verbreitet und wird seitdem immer wieder aufgegriffen. Bis in die 1960er Jahre war für einfellige Kolliers noch der Begriff Würger im Gebrauch.[6]

Eine andere Deutung ist ein Zusammenhang des Gebrauchs der Flohfelle mit der griechischen Mythologie.[2] Ikonographisch wurde dies der schwierigen Geburt des Herkules als illegitimem Sohnes des Zeus zugeordnet. Die Magd der Alkmene, Galanthis, hatte mit einer Lüge entgegen dem Willen der Hera die Wehen der Mutter des Helden verkürzt. Sie wurde deswegen von Eileithyia in ein Wiesel verwandelt und dazu verdammt, ihre Kinder aus dem Mund zu gebären und im Ohr zu empfangen. Die Darstellungen von Frauen mit Flohfellen sind dementsprechend oft mit der Geburt eines Kindes von hohem Rang verbunden[2] und entbehren, laut Julia V. Emberley, nicht einer gewissen Koketterie mit weiblicher Macht und Unabhängigkeit.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Flohpelze und Pelzkolliers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dorothee Backhaus: Brevier der Pelze. Keysersche Verlagsbuchhandlung Heidelberg - München, 1958, S. 28 (→ Inhaltsverzeichnis).
  2. a b c Tawny Sherrill: Fleas, Fur, and Fashion: „Zibellini“ as Luxury Accessories of the Renaissance. In: Robin Netherton, Gale R. Owen-Crocker (Hrsg.): Medieval clothing and textiles. Band 2. Boydell Press, Woodbridge u. a. 2006, ISBN 1-84383-203-8, S. 121–150 (englisch).
  3. a b c John Hunt: Jewelled Neck Furs and »Flohpelze«. In: Pantheon - Internationale Zeitschrift für Kunst, Mai/Juni 1963, Bruckmann München, S. 150-157.
  4. a b Ohne Autorenangabe: Das „Flohpelzchen“. In: Der Rauchwarenmarkt, Leipzig 3. Dezember 1937, S. 3.
  5. Francis Weiss: Der Flohpelz – eine kitzlige Sache. In: Pelz International. 32. Jg., April 1979, ISSN 0171-533X, S. 178, 180, 182.
  6. Alexander Tuma: Pelz-Lexikon. Pelz- und Rauhwarenkunde. Band 21: Rauhwarenhandel – Zyperkatze. Verlag Alexander Tuma, Wien 1951, Suchwort: Würger.
  7. Julia V. Emberley: Venus and furs. The cultural politics of fur. I. B. Tauris, London 1998, ISBN 1-86064-230-6.