Fluorose

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Eine Fluorose entsteht durch zu hohe Fluoridzufuhr. Man unterscheidet akute und chronische (Skelettfluorose und Dental- bzw. Zahnfluorose) Formen, wobei manche Autoren den Begriff Fluorose auf chronische Formen beschränkt anwenden und die akute Fluoridvergiftung isoliert betrachten.[1]

Akute Fluorose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Symptome einer akuten Fluoridvergiftung sind unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Parästhesie.

Als wahrscheinlich toxische Dosis (Probably Toxic Dose; PTD) wird ein Wert von 5 mg Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht angegeben. Dies entspricht bei einer erwachsenen Person, die 70 kg wiegt, 350 mg Fluorid (in etwa 3–4 Zahnpasta-Tuben, bzw. einer Tube Dentalgel wie elmex gelée). Die sicher toxische Dosis (Certainly Toxic Dose; CTD) liegt bei 32–64 mg Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht.

Akute Fluoridvergiftungen (gelegentlich mit tödlichem Ausgang) wurden auch bei Kindern beobachtet, vor allem nach unbeaufsichtigter Einnahme von Fluoridtabletten oder durch Verschlucken (statt Spülen und Ausspucken) von in der Zahnarztpraxis applizierten hochkonzentrierten Fluoridgelen.[2][3]

Chronische Fluorose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine über einen längeren Zeitraum überhöhte Fluorid-Exposition kann zu einer chronischen Fluorose führen, die mit diversen Krankheitserscheinungen an Haut und Magen-Darm-Trakt, evtl. auch weiteren Organen (z. B. Nieren), einhergeht.[4][5][6][7][8][9][10][11] [12][13][14] Während derartige Symptome nicht spezifisch für eine chronische Fluorid-Vergiftung sind (d. h. nicht nur bei Fluoridvergiftung auftreten), gibt es für Skelettfluorose und Zahnfluorose typische diagnostische Kriterien. Als Quellen chronischer Fluoridvergiftung kommen nicht nur zahnmedizinisch relevante Produkte in Betracht, sondern auch natürlich fluoridreichere Lebensmittel und Getränke (schwarzer Tee, manche Mineralwässer, das Leitungswasser in manchen Regionen) und Fluorid-Exposition am Arbeitsplatz.

Knochenfluorose (Skelettfluorose)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klassifikation nach ICD-10
M85.1 Skelettfluorose
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Werden chronisch mehr als 20 mg pro Tag aufgenommen, reagieren die Knochen mit Ausbildungen einer verhärteten und verdichteten Spongiosa und teilweise Verdickung der Kortikalis (äußere Knochenschicht). Durch diese Knochenvermehrung geht Elastizität verloren und der Knochen wird weniger belastbar und brüchiger. Unter Umständen versteifen die Gelenke durch die Knochenvermehrung. Auch die Wirbelsäule kann ankylosieren (versteifen). Beobachtet wurde dieses Krankheitsbild zuerst bei Rindern, die sich von Grünfutter mit Staubablagerungen aus Schornsteinen fluoridverarbeitender Fabriken ernährten, dann (1932) auch an Arbeitern in der Kryolithverarbeitung (bspw. in der Aluminiumherstellung). Erst die fünfte Verordnung über Ausdehnung der Unfallversicherung auf Berufskrankheiten nach dem Stand vom 16. Juli 1952 nahm unter Ziffer 31 die Erkrankungen der Knochen, Gelenke und Bänder durch Fluorverbindungen (Fluorose) in die Reihe der entschädigungspflichtigen Berufskrankheiten auf.[15][16] In einem späteren System wurden unter Bk Nr. 13 08 Schädigungen durch Fluor und seine Verbindungen zusammengefasst, bei denen es sich „akut um lokale Verätzungen der Haut sowie Reizungen der Luftwege und evtl. Affektionen des Magen-Darm-Traktes“ handelt. Chronisch beruflich stehen weiterhin Auswirkungen am Knochensystem (Osteosklerose, Osteoporose) im Vordergrund.[17]

Seit den späten dreißiger Jahren wurde Skelettfluorose auch in Indien und in Bahrein beschrieben, in Orten deren Trinkwasser 1 mg Fluorid je Liter (und mehr) enthält. Das Phänomen tritt hier wegen des höheren Wasserkonsums (klimabedingt) schon bei relativ niedrigen Fluoridkonzentrationen des Wassers auf.[18]

Zahnfluorose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leichte Form der Zahnfluorose
Hauptartikel: Zahnfluorose

Zahnfluorose, auch Dentalfluorose genannt, ist das einzig sichtbare Symptom, das aus einer zu hohen Fluoridaufnahme während der Zahnentwicklung resultiert.

Historie der Fluorose-Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frederick Sumner McKay forschte 30 Jahre lang, um die Ursache der Zahnfluorose (Dentalfluorose) herauszufinden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. D.C. Maplesdon et al.: Fluorosis – a review and field observations, Canad. J. Comp. Med. 21 (Dec. 1958) 427-32
  2. Akute Vergiftung mit Fluoridtabletten
  3. Akute Vergiftung mit Fluoridgel
  4. J.E. Butler, M. Satam, J. Ekstrand: Fluoride: an adjuvant for mucosal and systemic immunity, Immunology Letters 26 (1990) 217–220
  5. S. Dasarathi et al.: Gastroduodenal manifestations in patients with skeletal fluorosis, J Gastroeneterol 31 (1996)333–337
  6. B. Spittle: Allergy and hypersensitivity to fluoride, Fluoride 26:4 (1993) 267–273
  7. E. Epstein: Effect of fluorides in acne vulgaris, Stanford Medical Bulletin 9 (1951) 243–244
  8. I. Andermann: Zur Kenntnis der Fluorakne, Dermatol Wschr 133 (1956) 225–227
  9. A. A. Fisher et al.: Pustular Patch Test Reactions, A.M.A. Arch Dermatol 80 (1959) 742–752
  10. O. J. Stone, C. J. Willis: Enhancement of inflammation by fluorides, Texas Rep Biol Med 25:4 (1967) 601–606
  11. idem: The effect of stannous fluoride and stannous chloride on inflammation, Toxicol appl Pharmacol 13 (1968) 332–338
  12. J. R. Mellette: Fluoride toothpaste: a cause of perioral dermatitis, Arch Dermatol 112 (1976) 730–731
  13. E.J. Essman, W.B. Essman, E. Valderrama: Histaminergic mediation of the response of rat skin to topical fluorides, Arch Dermatol Res 271 (1981) 325–340
  14. D. A. Bovenmyer: Aggravation of dermatitis herpetiformis by dental fluoride treatments, J Am Acad Dermatol 12:4 (1985) 719–720
  15. zit. n. G. Fischer: Zur Verwendung von Fluoriden in Medizin und Industrie unter besonderer Berücksichtigung der Zahnkaries, Med. Diss., Universität Bonn 1956, S.45
  16. M. Bauer: Die entschädigungspflichtigen Berufskrankheiten, in Arbeit und Gesundheit. Sozialmedizinische Schriftenreihe aus dem Gebiete des Bundesministeriums für Arbeit, Neue Folge Heft 50, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1953
  17. H. Valentin et al.: Arbeitsmedizin. Band 2. Berufskrankheiten, Thieme Verlag, Stuttgart 1979, S.93
  18. Carl Joachim Wirth, Ludwig Zichner: Orthopädie und orthopädische Chirurgie.. Georg Thieme Verlag, 2003, ISBN 978-3-13-126171-7, S. 154–.
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