Fluorose

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Eine Fluorose entsteht durch zu hohe Fluoridzufuhr. Man unterscheidet akute und chronische (Skelettfluorose und Dental- bzw. Zahnfluorose) Formen.

Akute Fluorose[Bearbeiten]

Symptome einer akuten Fluoridvergiftung sind unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Parästhesie.

Als möglich toxische Dosis (Probably Toxic Dose; PTD) wird ein Wert von 5 mg Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht angegeben. Die PTD ist die Fluoridkonzentration welche Vergiftungssymptome erzeugen kann. Dies entspricht bei einer Person, die 70 kg wiegt, 350 mg Fluorid (in etwa 3–4 Zahnpasta-Tuben, bzw. einer Tube Dentalgel wie elmex gelée). Die sichere toxische Dosis (Certainly Toxic Dose; CTD) liegt bei 32–64 mg Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht.

Akute Fluoridvergiftungen (gelegentlich mit tödlichem Ausgang) wurden bei Kindern beobachtet, vor allem nach unbeaufsichtigter Einnahme von Fluoridtabletten oder durch Verschlucken (statt Spülen und Ausspucken) von in der Zahnarztpraxis applizierten hochkonzentrierten Fluoridgelen.[1][2][3]

Knochenfluorose (Skelettfluorose)[Bearbeiten]

Klassifikation nach ICD-10
M85.1 Skelettfluorose
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Werden chronisch mehr als 20 mg pro Tag aufgenommen, reagieren auch die Knochen mit Ausbildungen einer verhärteten und verdichteten Spongiosa und teilweise Verdickung der Kortikalis (äußere Knochenschicht). Durch diese Knochenvermehrung geht Elastizität verloren und der Knochen wird weniger belastbar und brüchiger. Unter Umständen versteifen die Gelenke durch die Knochenvermehrung. Auch die Wirbelsäule kann ankylosieren (versteifen). Beobachtet wurde dieses Krankheitsbild zuerst bei Rindern, die sich von Grünfutter mit Staubablagerungen aus Schornsteinen fluoridverarbeitender Fabriken ernährten, dann (1932) auch an Arbeitern in der Kryolithverarbeitung (bspw. in der Aluminiumherstellung). Erst die fünfte Verordnung über Ausdehnung der Unfallversicherung auf Berufskrankheiten nach dem Stand vom 16. Juli 1952 nahm unter Ziffer 31 die Erkrankungen der Knochen, Gelenke und Bänder durch Fluorverbindungen (Fluorose) in die Reihe der entschädigungspflichtigen Berufskrankheiten auf.[4][5] In einem späteren System wurden unter Bk Nr. 13 08 Schädigungen durch Fluor und seine Verbindungen zusammengefasst, bei denen es sich „akut um lokale Verätzungen der Haut sowie Reizungen der Luftwege und evtl. Affektionen des Magen-Darm-Traktes“ handelt. Chronisch beruflich stehen weiterhin Auswirkungen am Knochensystem (Osteosklerose, Osteoprose) im Vordergrund.[6]

Seit den späten dreißiger Jahren wurde Skelettfluorose auch in Indien und in Bahrein beschrieben, in Orten deren Trinkwasser 1 mg Fluorid je Liter (und mehr) enthält. Das Phänomen tritt hier wegen des höheren Wasserkonsums (klimabedingt) schon bei relativ niedrigen Fluoridkonzentrationen des Wassers auf.[7]

Zahnfluorose[Bearbeiten]

leichte Formen der Zahnfluorose

Zahnfluorose, auch Dentalfluorose genannt, entsteht durch zu hohe Fluoridzufuhr während der Zahnentwicklung.

Während Fluorid in einer Dosierung von ca. 1 mg/Tag als ein wirksames Mittel zur Kariesprophylaxe (Fluoridierung) angesehen wird, erzeugt es in höheren Dosen die Zahnfluorose, bei der sich weiße bis braune Verfärbungen in Form von Flecken oder Streifen auf der Zahnschmelzoberfläche bilden. Gelegentlich ist die gesamte Zahnoberfläche kreideweiß (matt) verfärbt und von braunen Verfärbungen durchsetzt („Colorado Brown Stain“ oder „Texas Teeth“). In stärkerer Ausprägung ist dies nicht nur kosmetisch störend, sondern auch schädlich für die Zähne, da die Zahnschmelzoberfläche dadurch weniger widerstandsfähig wird.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zahnfluorose
  2. Akute Vergiftung mit Fluoridtabletten
  3. Akute Vergiftung mit Fluoridgel
  4. zit. n. G. Fischer: Zur Verwendung von Fluoriden in Medizin und Industrie unter besonderer Berücksichtigung der Zahnkaries, Med. Diss., Universität Bonn 1956, S.45
  5. M. Bauer: Die entschädigungspflichtigen Berufskrankheiten, in Arbeit und Gesundheit. Sozialmedizinische Schriftenreihe aus dem Gebiete des Bundesministeriums für Arbeit, Neue Folge Heft 50, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1953
  6. H. Valentin et al.: Arbeitsmedizin. Band 2. Berufskrankheiten, Thieme Verlag, Stuttgart 1979, S.93
  7. Orthopädie und orthopädische Chirurgie.. Georg Thieme Verlag, 2003, ISBN 978-3-13-126171-7, S. 154–.
  8. Karies: Wissenschaft und Klinische Praxis.. Georg Thieme Verlag, 5 September 2012, ISBN 978-3-13-169321-1, S. 200–.
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