Francisco Correa Netto

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Francisco Correa Netto (17. Jahrhundert in Portugal) war ein portugiesischer Küster, dessen schwule Liebesbriefe die ersten erhaltenen Briefe offen homosexueller Liebe in einer modernen Sprache sind. Sein Fall ist exemplarisch für einen einfachen Menschen der Spätrenaissance.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Francisco Correa Netto wirkte zeit seines Lebens als Küster an der Kathedrale der Stadt Silves. Dort wirkte auch sein Freund, der Musiker und Instrumentenbauer Manuel Viegas. Während Netto jedoch homosexuell war, wird Viegas als bisexuell beschrieben. Beide hatten ein Verhältnis und tauschten jeweils mehrere Briefe mit zum Teil sehr öbszönem und offenem homosexuellem Inhalt aus. Fünf dieser Briefe sind bis heute erhalten geblieben. Während der Regierungszeit von König Alfons VI. gab es in Lissabon eine lebhafte Homosexuellenszene, die sich durch Geheimtreffen und eine frühe Art der Travestie auszeichnete. Francisco Correa Netto war dort offensichtlich sehr bekannt, da man seinen szenetypischen Namen "Francisquinha" (Der kleine Francisco) überliefert hat. König Afonso VI. war überdies selbst homosexuell. Auch schrieb Correa Netto Liebesbriefe an den Marquês de Vilhena, Dom João Pacheco. Über diese Liebschaft ist aber nur wenig bekannt.

Aus Eifersucht, weil sich Correa Netto angeblich mit einer Frau verloben wollte, überreichte sein ehemaliger Geliebter die Briefe dem Vikar von Silves. Dieser übergab die Briefe am 29. März 1664 der Inquisition in Évora. Diverse Zeugen bezeugten, dass Correa Netto "Sodomiter" sei und der Inhalt der Briefe, der ziemlich eindeutig war und auch vor sexuellen Öbszönitäten nicht zurückschreckte, wurde als Beweis angeführt. Doch die Inquisition zeigte sich hier in ungewohnter Weise offen: Correa Netto wurde weder verhaftet noch vorgeladen, geschweige denn zur Strafe geführt. Man meinte, Briefe alleine bezeugten noch gar nichts, solange kein analer Akt nachgewiesen werden könne. Damit wurde die Akte Correa Netto ohne weitere Konsequenzen für immer geschlossen.

Die Briefe, die bis heute erhalten sind, zeichnen ein offenes, auf Genitalität und Sexualakt bestimmtes Denken homophiler Liebe. Die Verführung des anderen Mannes wird ebenso angestrebt wie eine Grundtendenz zur platonischen Liebe, die in Portugal in der damaligen Zeit eine große Blüte zeigte.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]