Freie Kameradschaft Dresden

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Die Freie Kameradschaft Dresden (FKD) ist eine kriminelle rechtsextremistische Vereinigung in Sachsen.

Hintergrund und Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freie Kameradschaft Dresden wurde im Juli 2015 in der Grunaer Sportsbar Pfefferminze bei einer Versammlung von ca. 20 bis 30 Rechtsextremisten gegründet.[1][2] Die Mitglieder verhalten sich konspirativ. Laut Staatsanwaltschaft und dem Kulturbüro Sachsen war die Gruppe zwischen Juli 2015 und Januar 2016 in wechselnden Zusammensetzungen an Ausschreitungen u. a. in Heidenau (August 2015) und in Leipzig-Connewitz (Januar 2016) beteiligt. Die FKD hatte Ausländer, Flüchtlingsunterkünfte und Wohnungen von Andersdenkenden und einen linken Politiker angegriffen.[3] Gemeinsam mit der rechtsterroristischen Gruppe Freital überfiel die FKD das alternative Wohnprojekt „Mangelwirtschaft“ in Dresden-Übigau.[1]

Die Kameradschaft soll dem Vorbild der „Freien Kräfte Dresden“ folgend als parteiunabhängige Gruppierung gegründet worden sein. Ziel war die Vernetzung rechtsradikaler Akteure im Raum Dresden: „Hauptziel dieser Gruppe ist es die Nationalen Kräfte in und um Dresden zu bündeln, um gemeinsam und als eine geschlossene Gruppe Veranstaltungen zu planen, spontane Aktionen, Zielführend umzusetzen und andere Nationale Bündnisse zu unterstützen“,[2] (Fehler im Original) hieß es im Selbstverständnis der Gruppe. Die Idee zur Gründung der FKD soll laut Kulturbüro Dresden vom damaligen NPD-Politiker René Despang gekommen sein, der selbst Mitglied wurde.[2]

Taten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. August 2015 hatten sich der Anführer der Gruppe Benjamin Z., sowie Maik K., Michel K., Nick F. und Franz R. an den organisierten Ausschreitungen vor der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Heidenau beteiligt haben. Im Prozess wurde ihnen zur Last gelegt, mit Böllern, Steinen, Flaschen und Baustellengegenständen Polizisten beworfen zu haben. Mindestens neun weitere der FKD zuzurechnende Personen sollen ebenfalls anwesend gewesen sein.[2] Bei den Angriffen wurden mehr als 30 Polizisten verletzt.[4]

Zeitgleich zu einem Aufmarsch der fremdenfeindlichen Legida-Bewegung in der Leipziger Innenstadt überfielen am 1. November 2016 mehr als 250 Neonazis den alternativ geprägten Leipziger Stadtteil Connewitz, darunter die genannten fünf FKD-Mitglieder.[4] Drei Menschen wurden verletzt und zahlreiche Autos und Gebäude beschädigt; der Sachschaden liegt bei rund 120.000 Euro. Auf der Facebook-Seite der FKD war schon vier Tage vor dem Angriff ein Aufruf veröffentlicht worden, nach Leipzig zu kommen.[2]

Ende Februar 2016 löste sich die FKD formal auf, angeblich wegen interner Streitigkeiten und Festnahmen. Danach machten am 20. und 21. August 2016 ca. 20 bis 30 Vermummte gezielt „Jagd auf Flüchtlinge“ auf dem Dresdner Stadtfest. Mehrere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Neben dem FKD-Mitglied Robert S. sollen auch Maik K. und Benjamin Z. unter den Angreifern gewesen sein.[2][1]

Prozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Landgericht Dresden verhandelte ab September 2017 gegen fünf Männer und eine Frau, damals im Alter von 22 bis 29 Jahren unter anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruchs und Herbeiführens von Sprengstoffexplosionen.[3] Dabei soll der inhaftierte mutmaßliche Anführer der FKD aus dem Gefängnis heraus versucht haben, sein Gerichtsverfahren zu beeinflussen und eine Affäre mit einer Schöffin des Verfahrens gehabt haben.[5][6]

Das Landgericht Dresden verurteilte die Angeklagten im August 2018 unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu Jugendstrafen. Der Bundesgerichtshof (BGH) wies am 13. Mai 2019 die Revisionen der Angeklagten zurück.[7]

Im Januar 2020 wurden vom Landgericht Dresden die endgültigen Urteile gegen sechs Mitglieder der rechtsextremen Freien Kameradschaft Dresden (FKD) gefällt. Die Straftaten reichten von der Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, schwerem Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung bis hin zum Herbeiführen von Sprengstoffexplosionen. Der Anführer Benjamin Z. wurde zu vier Jahre und vier Monate Haft, die weiteren fünf Männer sowie eine Frau zu Haftstrafen zwischen zwei Jahren und zehn Monaten sowie sechs Jahren verurteilt.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Razzia bei mutmaßlichen Mitgliedern der „Freien Kameradschaft Dresden“. In: Sächsische Zeitung. (online auf sächsische.de [abgerufen am 14. Dezember 2018]).
  2. a b c d e f Monitorium 1. Kulturbüro Sachsen, 2018, abgerufen am 14. Dezember 2018.
  3. a b Alexander Schneider: Halbherzige Geständnisse. In: Sächsische Zeitung. (online auf sächsische.de [abgerufen am 14. Dezember 2018]).
  4. a b c Johann Stephanowitz, dpa, AFP: "Freie Kameradschaft Dresden": Landgericht Dresden verhängt Haftstrafen gegen Rechtsextremisten. In: Die Zeit. 17. Januar 2020, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 24. Januar 2020]).
  5. Manipulation und eine angebliche Affäre: Prozess gegen „Freie Kameradschaft Dresden“ gefährdet. In: Dresdner Neueste Nachrichten online. 7. November 2018, abgerufen am 14. November 2018.
  6. Verhältnis einer Schöffin zu einem Angeklagten im "Freie Kameradschaft Dresden"-Prozess bestätigt. In: exakt. Mitteldeutscher Rundfunk, 8. November 2018, abgerufen am 14. November 2018.
  7. BGH, Pressemitteilung: Urteil wegen Mitgliedschaft in der "Freien Kameradschaft Dresden" rechtskräftig. Abgerufen am 13. Mai 2019 (deutsch).