Friedenhain-Přešťovice

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Friedenhain-Přešťovice ist eine archäologische Fundgruppe des 5. Jahrhunderts in Böhmen und Bayern. Benannt wurde sie nach zwei ihrer zahlreichen Brandgräberfelder - Friedenhain bei Straubing (Bayern) und Přešťovice (dt. Prestowitz) an der Otava (dt. Wottawa) in Tschechien.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erkennbar ist die Friedenhain-Prestovice-Kultur allein durch ihre spezifische Keramik, welche von Stil und Art der Herstellung dem sogenannten elbgermanischen Kreis zugeordnet wird, und ab etwa 400 n. Chr. entlang der Donau zwischen Passau und Neuburg auftritt. Während die Beigabe dieser Keramik in den Gräberfeldern von Přešťovice und anderswo in Tschechien im frühen 5. Jahrhundert abbricht, erweitert sich ihre Präsenz entlang der Donau bis Linz (Oberösterreich), bis hinauf ins Tal der Altmühl, und bis zur Wertach in Schwaben (ehemaliges Kastell am Goldberg bei Türkheim).

Das elbgermanische Fundgut der Archäologen ist gerade im westlichen Bayern häufig vermischt mit Dingen alemannischer Herkunft. Manchmal geht dies mit Ortsnamen einher, die sich vom Namen der Thüringer ableiten (Thürheim, Türkheim). Ob es sich bei den Hinterlassern dieser elbgermanischen Fundstücke um Friedenhainer oder Thüringer handelt, ist meist kaum zu klären.

Zusammenhang mit dem Stamm der Baiern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Friedenhainer siedelten zunächst nur außerhalb der römischen Grenzen und jenseits der Donau. In der Folgezeit übernahmen sie - vermutlich als Föderaten - auch Kastelle der Römer (z.B. Regensburg). Sie wanderten ungefähr in derselben Zeit zu, in der Vandalen und Sueben ihre Siedlungsgebiete verließen und gemeinsam mit den Alanen ihren großen Wanderungszug entlang der Donau nach Gallien und Spanien antraten (406 Überquerung des Rheins).

Schriftliche Zeugnisse über sie gibt es nicht. Eugippius, der in seiner Biographie des Severin von Noricum aus eigenem Erleben über das Leben an der Donau zur Frühzeit der Völkerwanderung schreibt, benennt nur „Barbaren“ oder auch elbgermanische „Thüringer“, welche allein sich sowohl zeitlich als auch geografisch mit den Friedenhainern in Verbindung bringen ließen.

Für die Stammesbildung der Bayern wird den Friedenhainern seit ihrer Entdeckung große Bedeutung zugemessen. Bei der Deutung der Etymologie des Namens der Baiern wird diese Fundgruppe als der Namen gebende Bevölkerungsanteil - als "Männer aus Böhmen" - gedeutet.

Alles das ist jedoch reine Spekulation ohne jede konkrete Grundlage in Quellen oder archäologischen Befunden und wird in der neuesten Forschung bereits wieder in Zweifel gezogen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karlheinz Fuchs: Die Alamannen. Theiss, Stuttgart 1997, ISBN 3-8062-1302-X (Katalog der gleichnamigen Ausstellung vom 14. Juni bis 14. September 1997 im SüdwestLB-Forum Stuttgart).
  • Wilfried Menghin: Frühgeschichte Bayerns. Römer und Germanen, Baiern und Schwaben, Franken und Slawen. Theiss, Stuttgart 1990, ISBN 3-8062-0598-1.
  • Th. Fischer, H. Geisler in: Die Bajuwaren. Von Severin bis Tassilo, 488-788. Rosenheim/Mattsee, 1988 (Katalog der gleichnamigen bayerischen Landesausstellung vom 19. Mai bis 6. November 1988).