Friedrich Wilhelm Hesse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Friedrich W. Hesse

Friedrich Wilhelm Hesse (* 1948 in Geseke) ist ein deutscher Psychologe. Er ist Gründungsdirektor des Leibniz-Instituts für Wissensmedien in Tübingen und Leiter der Arbeitsgruppe „Wissensaustausch“.[1] Zudem ist er Wissenschaftlicher Vizepräsident der Leibniz-Gemeinschaft.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Psychologiestudium an den Universitäten von Marburg und Düsseldorf arbeitete er zwischen 1976 und 1982 als Wissenschaftlicher Assistent an den Instituten für Psychologie der Universität Düsseldorf und der RWTH Aachen. An der RWTH Aachen promovierte er 1979 zum Dr. phil[3]. Von 1982 bis 1983 war er als Research Fellow am Learning Research and Development Center (LRDC) der Universität Pittsburgh und an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh (USA). Von 1983 bis 1990 lehrte er als Akademischer Rat am Institut für Psychologie der Universität Göttingen, wo er sich auch habilitierte (Dr. rer. nat. habil.).

Seit 1990 ist er Professor an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Von 1993 bis 2000 war er Leiter der Abteilung für Angewandte Kognitionspsychologie am Deutschen Institut für Fernstudienforschung (DIFF) in Tübingen, welches 2000 geschlossen wurde. In der Zeit von 1995 bis 1997 war er zusätzlich Direktor des Europäischen Laborverbands LERANT (Laboratoire Européen de Recherche sur les Apprentisages et les Nouvelles Téchnologies). Seit 1999 hat er den Lehrstuhl für Angewandte Kognitionspsychologie und Medienpsychologie im Fachbereich Psychologie an der Universität Tübingen[4] inne. 2001 wurde unter seiner Leitung das Leibniz-Institut für Wissensmedien gegründet, dessen Direktor er von 2001 bis 2016 war.[5]

Forschungsinitiativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hesse initiierte zahlreiche interdisziplinäre Forschungsverbünde zur empirischen Bildungsforschung am Standort Tübingen. Von 1999 bis 2008 war Hesse Initiator und Sprecher des ersten von der DFG geförderten virtuellen Graduiertenkollegs[6] und von 2001 bis 2006 des DFG-Schwerpunktprogramms „Netzbasierte Wissenskommunikation in Gruppen“.[7] Seit 2006 ist er Sprecher der DFG-Forschergruppe „Orchestrierung computerunterstützter Lehr-Lern-Prozesse“.

2009 initiierte er den bundesweit ersten WissenschaftsCampus, den WissenschaftsCampus „Bildung in Informationsumwelten“ in Tübingen, deren Sprecher er ist[8]. Hesse ist außerdem Mitglied im Lenkungskreis der Graduiertenschule „Learning, Educational Achievement, and Life Course Development: An Integrated Research and Training Program (LEAD)“ im Rahmen der Exzellenz-Initiative des Bundes.

Beratungstätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hesse ist Mitglied in verschiedenen Kommissionen und Beiräten zu Bildungsthemen. Unter anderem ist er Präsidiumsbeauftragter der Leibniz-Gemeinschaft für Fragen der Bildungsforschung und zu Hochschulkooperationen und Vorsitzender des Senatsausschusses Wettbewerb der Leibniz-Gemeinschaft. Er ist Mitglied der ständigen Kommission für Neue Medien und Wissenstransfer der Hochschulrektorenkonferenz, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Alexander von Humboldt-Instituts für Internet und Gesellschaft i. G. (HIIG), Berlin[9] sowie Mitglied der Senatskommission zum Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum der Universität Tübingen. Ferner ist Hesse Mitglied im Advisory Board des Swiss Leading House on Technologies for Vocational Training im Scientific Advisory Board des Center for e-Learning Technology (CelTech, Saarbrücken) und im Committee for Research, Strategy and Coordination der Universität Tübingen. Von 2006 bis 2007 war er Vorsitzender der Expertenkommission „eLearning an den Hochschulen“ im Auftrag des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Hesse ist Associate Editor der Fachzeitschrift IEEE – Transactions on Learning Technologies[10], Mitherausgeber der Zeitschrift für Psychologie/Journal of Psychology sowie Mitglied in den Editorial Boards weiterer internationaler Fachzeitschriften (u. a. Journal of Computer Assisted Learning[11]).

Wissenschaftliche Schwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hesses Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich des Lernens mit digitalen Medien, insbesondere der netzbasierten Wissenskommunikation und des computer-unterstützten kollaborativen Lernens (computer-supported collaborative learning, CSCL). Er befasst sich damit, wie digitale Medien eingesetzt werden können, um die Interaktion von Gruppen zu fördern. Besonderes Augenmerk richtet er dabei auf die Frage, ob digitale Werkzeuge in der Lage sind, Verzerrungen der Informationsverarbeitung (z. B. Majoritäteneinfluss, Bestätigungsfehler) entgegenzuwirken. Ebenso widmet er sich der Frage, wie verschiedene Group Awareness Ansätze zu einer verbesserten computerunterstützten Zusammenarbeit beitragen können, und interessiert sich für die Einflüsse neuer digitaler Tools auf das kollaborative Lernen im Schulunterricht. Seit 2010 arbeitet Hesse verstärkt zu der Frage, wie Gruppen lernen können, deren Zusammenarbeit durch den Einsatz von Multi-Touch-Screens unterstützt wird. Viele der Forschungsarbeiten Hesses befassen sich mit dem informellen Lernen von Gruppen, z. B. beim Einsatz von digitalen Medien in Museen, in Bibliotheken, oder im Web 2.0.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dehler, J., Bodemer, D., Buder, J., & Hesse, F. W. (2011). Guiding knowledge communication in CSCL via group knowledge awareness. Computers in Human Behavior, 27, 1068–1078.
  • Engelmann, T., & Hesse, F.W. (2010). How digital concept maps about the collaborators’ knowledge and information influence computer-supported collaborative problem-solving. International Journal of Computer-Supported Collaborative Learning, 5(3), 299-320.
  • Kimmerle, J., Cress, U., & Hesse, F. W. (2007). An interactional perspective on group awareness: Alleviating the information-exchange dilemma (for everybody?). International Journal of Human-Computer Studies, 65, 899-910.
  • Krauskopf, K., Zahn, C. & Hesse, F.W. (2012). Leveraging the affordances of YouTube: The role of pedagogical knowledge and mental models of technology functions for lesson planning with technology. Computers and Education, 58 (2012).1194-1206.
  • Ray, D., Neugebauer, J., Sassenberg, K., Buder, J., & Hesse, F. W. (2013). Motivated shortcomings in explanation: The role of comparative self-evaluation and awareness of explanation recipient knowledge. Journal of Experimental Psychology: General, 142, 445-457.
  • Zahn, C., Krauskopf, K., Hesse, F. W., & Pea, R. (2012). How to improve collaborative learning with video tools in the classroom? Social vs. cognitive guidance for student teams. International Journal of Computer-Supported Collaborative Learning, 7(2), 259-284.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Leibniz-Institut fuer Wissensmedien: IWM ma.html. In: www.iwm-tuebingen.de. Abgerufen am 13. Januar 2017.
  2. leibniz-gemeinschaft.de
  3. iwm-kmrc.de
  4. uni-tuebingen.de
  5. iwm-kmrc.de@1@2Vorlage:Toter Link/www.iwm-kmrc.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. vgk.de
  7. wissenskommunikation.de (Memento des Originals vom 27. Februar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wissenskommunikation.de
  8. wissenschaftscampus-tuebingen.de@1@2Vorlage:Toter Link/www.wissenschaftscampus-tuebingen.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. hiig.de
  10. computer.org (englisch)
  11. onlinelibrary.wiley.com (englisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedrich Wilhelm Hesse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien