GGK

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Die GGK ist eine Werbeagentur, die 1959 von Karl Gerstner und Markus Kutter als Werbeatelier Gerstner + Kutter in Basel gegründet wurde. Nachdem Paul Gredinger 1962 als dritter Gesellschafter hinzustieß, wurde die Agentur in Gerstner, Gredinger + Kutter (GGK) umfirmiert. Wachstum und Internationalisierung in den 1970er Jahren folgten massive Kundenverluste in den 1980er Jahren, was dazu führte, dass das Netzwerk 1990 mit der Trimedia Group verschmolzen wurde; später wurden Teile an das TBWA-Network verkauft. Heute existieren nur noch die Büros GGK Zürich und Lowe/GGK Wien als eigenständige Unternehmen ohne gegenseitige Beteiligungen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grafiker Karl Gerstner und der damalige Werbeleiter der Ciba-Geigy AG, Markus Kutter, kannten sich von ihrer Arbeit in der Werbeabteilung des Basler Pharmaunternehmens. Mit dem Auftrag, eine Jubiläumsbroschüre zum 200-jährigen Bestehen der Geigy AG[1] zu erstellen, machten sich die beiden in Basel als Gerstner + Kutter selbstständig. Im Jahr 1962 stieß Paul Gredinger als dritter Teilhaber hinzu. Als eine der ersten Agenturen in Europa kennzeichnete GGK, wie sie sich fortan nannte, mit diesem Kürzel Anzeigen und Plakate. Die Agentur verfolgte nun einen strategischen Wachstumskurs und eröffnete im Jahr 1968 für den Kunden Ford ihr erstes Deutschlandbüro in Köln, das aber nach dem Verlust dieses Etats nach Düsseldorf umzog und sich zur größten Niederlassung der Gruppe entwickelte. Ab den frühen 1970er Jahren folgten Ausgründungen in Italien, Frankreich, Österreich, den Niederlanden, Großbritannien, Brasilien und den USA (Lois/GGK New York). Im Jahr 1988 umfasste das GGK-Netzwerk 20 Dependancen und gehörte damit zu einer der größten inhabergeführten Werbeagenturgruppe weltweit. Unter Führung von GGK Wien wurden nach der Öffnung der ehemaligen Ostblockstaaten Niederlassungen in Warschau, Prag, Budapest und Moskau gegründet, die später in das Lowe-Netzwerk integriert wurden. Verluste der größten Agenturkunden Volkswagen und IBM führten Anfang der 1990er Jahre zu einer wirtschaftlichen Krise und zur Schrumpfung bzw. zum Teilverkauf der Agenturgruppe und dem Ausscheiden des letzten in der Holding verbliebenen Gründers, Paul Gredinger. Mit der Fusion zur Trimedia Holding verschwand der Name GGK als internationales Netzwerk. Lediglich die Büros in Wien und Zürich wurden unter dem alten Agenturnamen weitergeführt, nachdem sich die damaligen Geschäftsführer aus der Holding herausgekauft hatten.

Die Gründer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Gerstner (* 2. Juli 1930 in Basel, † 1. Januar 2017 in Basel) studierte an der Basler Kunstgewerbeschule und arbeitete ab 1950 im Werbestudio von Fritz Bühler. Der dortige Studioleiter Max Schmid wurde später Chefgrafiker von Geigy und holte Gerstner ins Unternehmen. Im Jahr 1959 gründete Gerstner mit Markus Kutter, dem damaligen Werbeleiter der Ciba-Geigy AG das Werbebüro Gerstner + Kutter in Basel, aus dem die Agenturgruppe GGK hervorging. Im Jahr 1970 stieg Gerstner bei GGK aus und übernahm Aufträge als freier Berater, z. B. für das Design des Wirtschaftsmagazins „Capital“ und im Jahr 1980 für das Magazin „impulse“. Neben seiner Grafiktätigkeit beschäftigte sich Gerstner mit ungegenständlicher Malerei und entwickelte Gestaltungsprogramme auf Basis des Quadrats. In den Jahren 1964 und 1968 nahm Gerstner an der Documenta III und Documenta IV teil.

Markus Kutter (* 9. Oktober 1925 in Beggingen; † 26. Juli 2005 in Basel), promovierter Historiker, begann ab 1953 in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Ciba-Geigy AG zu arbeiten und lernte dort Karl Gerstner kennen. Kutter schrieb Aufsätze, Romane und Beiträge für Zeitungen. In der Agentur GGK prägte er den unorthodox-intellektuellen Stil des Textens und Konzipierens. Neben seiner Tätigkeit bei GGK wurde Kutter – zusammen mit Friedrich Dürrenmatt – im Jahr 1969 Miteigentümer und Herausgeber der Zürcher Woche. Im Jahr 1975 schied er aus dem Unternehmen aus und widmete sich der Politik und Zeitgeschichte.

Paul Gredinger (* 27. Juli 1927 in Chur; † 6. Oktober 2013 in Thalwil) studierte Architektur und engagierte sich nach dem Studienabschluss 1954 in der elektronischen Musik (Studio für elektronische Musik des Westdeutschen Rundfunks (Köln) / K.-H. Stockhausen und Herbert Eimert). Ende der 1950er Jahre lernte er Karl Gerstner und Markus Kutter kennen. Im Jahr 1962 wurde er deren Partner. Fortan firmierte die Agentur als Gerstner, Gredinger + Kutter (GGK). Nach dem Ausscheiden Gerstners und Kutters übernahm Gredinger 1975 deren Anteile und baute die Agentur zu einem internationalen Netzwerk mit bis zu 20 Filialen aus. Im Jahr 1990 verkaufte er seine Anteile an die schweizerische Trimedia Group.

Frühe Jahre zwischen Grafik und Werbung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in den 1920er Jahren entwickelte Schweizer Typografik (Müller-Brockmann, R. P. Lohse) mit strengen Gestaltungsrastern und reduzierter Typografie war auch für die Schweizerische Werbung der 1950er Jahre stilbildend. Der Grafiker Karl Gerstner entwickelte die Typografik zu einem integralen Bild-Text-Kontinuum weiter. Durch die Zusammenarbeit mit dem Historiker und Autor Markus Kutter entwickelte sich eine neue Werbesprache, die auf das Zusammenwirken eigenständiger, ungewöhnlicher Sprache und Grafik bzw. Bildaussagen setzte. Das Büro Gerstner + Kutter erarbeitete in den Anfangsjahren vor allem Broschüren und Plakate.

Aufstieg zur kreativen Lead-Agentur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Eintritt von Paul Gredinger verfolgte die Agentur eine stärker strategisch-werbliche Richtung. Für Kunden wie VW, Ford, Oetker, IBM und Swissair wurden nicht mehr nur Broschüren, sondern Anzeigenkampagnen für den deutschsprachigen Raum in den damaligen Leitmedien (Der Spiegel, FAZ, Stern, NZZ) entwickelt. Der ungewöhnliche Stil vieler Anzeigen (Audi-Anzeige mit lateinischem Text, Anzeigen ohne Text oder ohne Bild) begründete frühzeitig den Ruf der GGK als kreativster Agentur im deutschsprachigen Raum.[2] Nachdem deutsche Unternehmen wie Lufthansa, Oetker und Volkswagen zunächst von Basel aus betreut wurden, verstärkte die Agentur mit der Gründung der Düsseldorfer Filiale im Jahr 1968 ihre Präsenz auf dem deutschen Markt und gewann zahlreiche neue Kunden hinzu, die bereit waren, den unangepassten Stil der Agentur als Wettbewerbsvorteil zu sehen.[3] Bereits im Jahr 1962 erhielten die Schweizer ein Übernahmeangebot der New Yorker Agentur Doyle Dane Bernbach (DDB). Der Kauf kam zwar nicht zustande, aber dafür gelang es DDB-Chef Bill Bernbach, den soeben bei GGK neu eingestiegenen vierten Gesellschafter Helmut Schmitz abzuwerben, den er als Werbeleiter der Volkswagen USA kannte und unter dessen Leitung 1962 die DDB-Niederlassung in Düsseldorf gegründet wurde. In den Jahren 1968 bis 1988 gehörte die Agenturgruppe GGK zu den am häufigsten ausgezeichneten Agenturen Deutschlands und Europas. Nachdem Gerstner im Jahr 1970 und Kutter im Jahr 1975 aus dem operativen Geschäft ausgestiegen waren, forcierte Gredinger die Internationalisierung der Agenturgruppe. Der amerikanische Werbeguru George Lois wurde Partner von GGK in New York. Neben der bereits seit 1966 bestehenden Filiale in Mailand (vorher Turin), den Fusionen mit bestehenden Agenturen in Wien und Amsterdam wurden Büros in Rio de Janeiro, London und Paris eröffnet. In Deutschland gab es zeitweise fünf Büros, in Österreich zwei. In der Schweiz entstand neben dem Stammhaus Basel in Zürich eine weitere Niederlassung.

Ende der „alten“ GGK[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1984 berichtete der Spiegel über wirtschaftliche Turbulenzen bei GGK.[4] Ende der 1980er Jahre machten sich viele Topkreative und ehemalige GGK-Geschäftsführer mit Agenturen selbständig und nahmen Kunden mit. Gleichzeitig schien sich der „GGK-Stil“ in der Kreation überlebt zu haben.[5] Die Agenturgruppe geriet in wirtschaftliche Probleme und fusionierte im Jahr 1990 mit der Schweizerischen Trimedia Holding. Heute firmieren unter dem alten Namen die österreichische Lowe/GGK-Gruppe als eigenständiges Agenturnetwork und die davon unabhängige Zürcher Agentur GGK.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Arbeiten der Anfangsjahre waren einerseits vom Grafikdesign der Schweizer Schule geprägt, andererseits stark vom intellektuellen Text- und Werbestil der aufstrebenden New Yorker Agenturen Doyle Dane Bernbach, Carl Ally und Papert Koenig Lois beeinflusst (George Lois sollte Mitte der 1980er Jahre der US-Partner von GGK werden). In den 1970er Jahren entwickelte GGK einen eigenen Werbestil und erregte Aufsehen mit ungewöhnlichen Kampagnen wie z.B. für den Kräuterlikör Jägermeister (Slogan: "Ich trinke Jägermeister, weil..."), wo mehr als 5.000 Testimonialanzeigen nur jeweils ein einziges Mal geschaltet wurden. Neben den Agenturen DDB, Young & Rubicam und TEAM/BBDO wurde in Deutschland in den Jahren zwischen 1965 und 1985 kaum eine Agentur für ihre kreative Leistung von der Branche so gefeiert wie GGK. Gleichzeitig wurde die Agentur wegen ihrer vordergründig auf reine Aufmerksamkeit zielenden und oft wenig markenfördernden Kampagnen von vielen werbetreibenden Unternehmen kontrovers gesehen.[6][7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The designer as programmer. In: eyemagazine.com. 2002, abgerufen am 7. Januar 2017 (englisch).
  2. AGENTUREN: Vergnügen dabei. In: Der Spiegel. Nr. 46, 1965 (online).
  3. Caspers, Markus: Werbung – Ein Schnellkurs. Köln 2010 (Dumont), S. 56f., 105f.
  4. Werbung: Das jüngste Gericht. In: Der Spiegel. Nr. 12, 1984 (online).
  5. DIE LEGENDEN DES EHRENMITGLIEDS 2003 UND IHRE BEZIEHUNG ZUR WIRKLICHKEIT. – Der geniale Legenden-Spinner (Memento vom 2. Juli 2007 im Internet Archive)
  6. 25 Jahre Art Directors Club für Deutschland. Eine Auswahl der Arbeiten, die der ADC in 25 Jahren ausgezeichnet hat. Art Directors Club Deutschland (Hrsg.) Art Directors Club Verlag GmbH, 1989.
  7. Graphis #238, August 1985 (Volume 41) S. 8–25.