Goethe-Gymnasium Kassel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Goethe-Gymnasium Kassel
20130901 Schulhof-Ysenburgstrasse-GG-Kassel-01.jpg
Schulform Gymnasium
Gründung 1889
Adresse

Ysenburgstraße 41

Ort Kassel
Land Hessen
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 19′ 21″ N, 9° 30′ 40″ OKoordinaten: 51° 19′ 21″ N, 9° 30′ 40″ O
Träger Stadt Kassel
Schüler 1260 (Stand: 2007/08)
Lehrkräfte 108 (Stand: 2007/08)
Leitung Joachim Bollmann-Engler (seit 2017)
Website www.goethegymnasium-kassel.de

Das Goethe-Gymnasium Kassel ist ein Gymnasium im Kasseler Stadtteil Wesertor. Der Unterricht findet an zwei Standorten statt: In der Zweigstelle Schützenstraße sind die Jahrgangsstufen 5–8 untergebracht, während im Hauptgebäude in der Ysenburgstraße die Jahrgangsstufe 9 sowie die Oberstufe unterrichtet werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Bombenangriff verursachte Zerstörungen am Gebäude in der Ysenburgstraße (November 1943)

Als erste Vorläuferin des Goethe-Gymnasiums gilt die am 13. April 1889 gegründete Neue Realschule zu Cassel. Sie bildete sich aus den C-Klassen der Realschule in der Hedwigstraße 1 und bezog das Schulhaus der Königlichen Gewerbe- und Handelsschule am Friedrich-Wilhelmplatz 6, deren verbleibende Schüler sie ebenfalls übernahm.

1898 zog die Schule erneut in das Schulgebäude in der Hedwigstraße 1 ein. Das Gebäude war frei geworden, weil die Oberrealschule, die aus der früheren Realschule hervorgegangen war, ein neu errichtetes Gebäude in der Kölnischen Straße 89 bezogen hatte.

Nach stetigem Wachstum folgte 1906 die Umwandlung zur Oberrealschule II im Entstehen (OR i.E.). Auf diese Zeit geht auch der im Kasseler Volksmund verbreitete Spitzname „im Eimer“ (für i. E.) zurück. 1909 konnte sich die Schule endgültig Oberrealschule II nennen.

Am 14. Oktober 1913 bezog die Schule das neu errichtete Schulgebäude in der Ysenburgstraße 41. Während des Ersten Weltkriegs fand kein reguläres Abitur mehr statt.

1938 wurde die Schule in Hermann-Göring-Schule umbenannt.

Am 14. Januar 1946 begann mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung erstmals wieder der Unterricht. Die Schule erhielt den neuen Namen Realgymnasium Wesertor für Jungen, Kassel.

1956 folgte die Umbenennung in Goetheschule, Gymnasium für Jungen. Mit Einführung der Koedukation 1961 wurde der Name in Goetheschule Kassel Gymnasium abgeändert.

Aus Raumnot wurde 1969 die Zweigstelle in der Wimmelstraße 5 gegründet. Sie beherbergt die Klassen der Unter- und Mittelstufe.

1983 zog die Zweigstelle in die Josephstraße 18 um. 1988 kehrte die Zweigstelle zurück in die Wimmelstraße und Schützenstraße.

Im Februar 2003 beschloss die Kasseler Stadtverordnetenversammlung auf Antrag der Schulkonferenz die Umbenennung in Goethe-Gymnasium Kassel mit Wirkung zum 1. Juni.

Schwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Englisch-bilingualer Zweig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab der siebten Jahrgangsstufe wird eine bilinguale Klasse angeboten. In der Einführungsphase (ehemals Jahrgangsstufe 11) ist ein Quereinstieg in den bilingualen Zweig möglich, außerordentlich nach Rücksprache auch in anderen Jahrgangsstufen. In der Sekundarstufe I werden die Fächer Geschichte, Chemie, Musik, Erdkunde und Biologie in unterschiedlichem Ausmaß in englischer Sprache unterrichtet.

Die Sekundarstufe II beginnt mit der Einführungsphase, in der die Fächer Geschichte, Politik und Wirtschaft, Chemie und Biologie als bilinguale Fächer belegt werden müssen. Auch hier variiert der Englischanteil fächerabhängig. Freiwillig ist die Teilnahme am Wahlpflichtfach Erdkunde (Stand: August 2012).

In der Qualifikationsphase müssen mindestens zwei bilinguale Fächer durchgängig belegt werden, um mit dem Abitur ein „Certificate of Achievement“ zu erhalten. Eine Abiturprüfung in den belegten Fächern ist nicht verpflichtend.

Zusätzlich zum normalen Unterricht bietet die Schule Oberstufenschülern einen Vorbereitungskurs zum Erwerb eines Cambridge CAE-Zertifikats und einen Business-English-Kurs an. Da neben dem normalen Französischunterricht auch Vorbereitungskurse für DELF/DALF-Prüfungen angeboten werden, können die Schüler am Ende der Schulzeit ein CertiLingua erwerben.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Goethe-Gymnasium ist Partnerschule des Leistungssports und unterhält ein Schulsportzentrum. Eine ab der fünften Jahrgangsstufe angebotene Sportklasse richtet sich an sportlich hochbegabte Schüler. In der Oberstufe bietet die Schule Sportleistungskurse an.

Naturwissenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schulleitung strebt an, den Schülern in allen drei Naturwissenschaften (Biologie, Physik, Chemie) ein durchgängiges Angebot anbieten zu können, das an den Grundschulunterricht anknüpft. Bislang ist dieses Ziel jedoch einzig im Chemie-Fachbereich verwirklicht. Vor dem regulären Unterricht, der in der siebten Jahrgangsstufe beginnt, können die Schüler in den Jahrgangsstufen 5 und 6 an zwei Chemie-Arbeitsgemeinschaften teilnehmen.[1]

In den Jahrgangsstufen 8 und 9 werden in allen Naturwissenschaften Wahlpflichtkurse angeboten, die oft auch auf die Teilnahme an außerschulischen Wettbewerben, wie z. B. dem Kasseler Solar Cup, vorbereiten.

In der Qualifikationsphase 3 (ehemals 13.1) bietet die Schule zudem einen fachübergreifenden Energiekurs an, der die technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekte der Energieumwandlung als Thema hat.

Unterricht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Unterricht richtet sich nach den Lehrplänen des Hessischen Kultusministeriums. Die im Schuljahr 2005/06 eingeführte verkürzte Schulzeit von acht Jahren (G8) wurde mit Beginn des Schuljahres 2014/15 wieder rückgängig gemacht.[2][3]

Fremdsprachenangebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Englisch ist als erste Fremdsprache ab der Jahrgangsstufe 5 verpflichtend. Ab der sechsten Klasse besteht die Wahl zwischen Französisch, Russisch und Latein als zweiter Fremdsprache. Als dritte Fremdsprache kann Latein ab der achten Jahrgangsstufe auch im Rahmen eines Wahlpflichtunterrichts belegt werden.

Medienkunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als einziges Kasseler Gymnasium bietet die Schule in der Qualifikationsphase (ehemals Jahrgangsstufen 12 und 13) die Möglichkeit, einen Medienkundekurs zu belegen. Der Kurs befasst sich mit medienspezifischen Aspekten und kann alternativ zu den Grundkursen Deutsch und Kunst gewählt werden.

Arbeitsgemeinschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulzeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 1948 erschien mit der ersten Ausgabe des Wesertor-Boten die erste Schulzeitung des damaligen Realgymnasiums Wesertor. Nach der Umbenennung in Goetheschule nannte sich die Zeitung ab 1957 Die Pause. 1977 löste sich die Pause-Redaktion auf und im Folgejahr erschien noch unter dem Titel Ohne Titel die erste Ausgabe der neuen Zeitung mit dem Namen UMLAUF. Mitbegründer des UMLAUF und bis ins Jahr 2010 beratender Lehrer war Ulrich Eichler. Seit dem 28. Oktober 1996 verfügt die Schulzeitung mit der Seite umlauf.de auch über einen Online-Auftritt. Der UMLAUF wurde mit zahlreichen Auszeichnungen prämiert, wie z. B. dem vom Spiegel verliehenen Titel Beste Schülerzeitung des Jahres 1997/98.

Ruderverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Ruderverein des Goethe-Gymnasiums Kassel e. V. setzt die Tradition des im Sommer 1908 an der Oberrealschule II gegründeten Schüler-Rudervereins fort.

Bis ins Jahr 1927 hatte der Verein auf dem Grundstück des Gärtners Schilling einen Bootsschuppen. Als dieser geräumt werden musste, fand der Verein beim Ruderverein Cassel (RVC) in der Mühlengasse Unterschlupf.

Nach der Auflösung des Realgymnasiums II am 31. Mai 1935 übernahm die Oberrealschule II dessen Bootshaus am Auedamm und die Ruderabteilungen der beiden Schulen vereinigten sich samt Bootsmaterial. Dieses Bootshaus wurde 1942 bei einem Bombenangriff getroffen, wobei das Haus und alle Boote komplett vernichtet wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Nutzungsrecht für das Bootshaus der ehemaligen Oberrealschule I in der Giesenallee 11 auf das neu gegründete Realgymnasium Wesertor über. 1951 stellte sich die neu gegründete Ruderabteilung des Realgymnasiums Wesertor zunächst unter die Obhut des Rudervereins Cassel (RVC), der im Krieg sein Bootshaus verloren hatte und Ende 1946 im Bootshaus der ehemaligen Oberrealschule I wieder seine Ruderarbeit aufgenommen hatte.

Im September 1952 wurde ein selbstständiger Schüler-Ruderverein gegründet und der RVC zog Anfang 1953 in das neu erbaute Haus der Jugend an der Fuldabrücke um.

Von 1989 bis 1991 siegte der Vierer mit Steuermann (Jungen) jeweils im Bundesfinale von Jugend trainiert für Olympia.

Ehemalige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Reuber (1906–1944), Arzt, ev. Pfarrer und bildender Künstler, bekannt durch die Stalingradmadonna
  • Karl Branner (1910–1997), SPD-Politiker und Oberbürgermeister der Stadt Kassel (1963–1975)
  • Alfred Nemeczek (1933–2016), Autor, Kunsthistoriker und Kunstjournalist
  • Jörg Schönbohm (* 1937), CDU-Politiker und Generalleutnant a. D. des Heeres der Bundeswehr
  • Jochen Lengemann (* 1938), Jurist und CDU-Politiker
  • Holmar Knörzer (* 1942), Journalist und Autor
  • Heinrich Sattler (* 1945), Bürgermeister von Hofgeismar (1997–2014)
  • Otto Bertermann (* 1946), Mediziner und FDP-Politiker
  • Manfred Siebald (* 1948), christlicher Liedermacher und Professor für Amerikanistik (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
  • Helmut Reitze (* 1952), Journalist und seit Januar 2003 Intendant des Hessischen Rundfunks
  • Michael Hischer (* 1955), Bildhauer, Freier Künstler
  • Mo Asumang (* 1963), Schauspielerin, Sängerin, Fernsehmoderatorin, Regisseurin und Synchronsprecherin
  • Dennis Satin (* 1968), Filmregisseur und Drehbuchautor
  • Matthias Berninger (* 1971), Politiker (Bündnis 90/Die Grünen)
  • Danja Müsch (* 1971), ehemalige Volleyball- und Beachvolleyballspielerin
  • Christoph René Holler (* 1973), CDU-Politiker und Abgeordneter des hessischen Landtags (2003–2008)
  • Lars Klöhn (* 1976), Jurist und Mitherausgeber der Zeitschrift für Bankrecht und Bankwirtschaft
  • Yunus Mallı (* 1992), Fußballspieler, besuchte die Schule bis zur Mittelstufe
  • Tim Knipping (* 1992), Fußballspieler
  • Marc Stendera (* 1995), Fußballspieler

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Goetheschule Kassel (Hrsg.): 75 Jahre Ruderverein Goetheschule Kassel 1908–1983. Kassel, 1983.
  • Goetheschule Kassel (Hrsg.): 100 Jahre Goetheschule Kassel 1889–1989. Kassel, 1989.
  • Dr. Michael von Rüden (Hrsg.): UMLAUF-Sonderausgabe Nr. 6/20 – Herbst 1998: 50 Jahre Schulzeitung 20 Jahre UMLAUF. Kassel, Oktober 1998.
  • Margitta Thümer (Hrsg.): Goethe-Gymnasium Kassel moderne Schule mit Tradition seit 1889; kleiner historischer Rückblick. Kassel, 2004.
  • Monika Göbel (Hrsg.): 100 Jahre Ruderverein des Goethe-Gymnasiums Kassel 1908–2008. Kassel, 2008.
  • Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Naturwissenschaften. In: Schulprogramm (PDF). S. 14, abgerufen am 12. September 2013.
  2. HNA: Kasseler Gymnasien weg vom Turbo-Abi. Auf: www.hna.de, abgerufen am 12. September 2013.
  3. HNA: Drei Gymnasien kehren zu G 9 zurück. Auf: www.hna.de, abgerufen am 10. Oktober 2013.