Gaius Iulius Hyginus

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Gaius Iulius Hyginus (* um 60 v. Chr.; † nach 4 n. Chr.) war ein antiker römischer Gelehrter und Schriftsteller.

Sueton bietet zwei Versionen seiner Herkunft:[1] Er wurde entweder in Hispanien oder in Alexandria geboren, kam dementsprechend als Kriegsgefangener nach der Einnahme Alexandrias im Jahr 47 v. Chr. durch Gaius Iulius Caesar oder als Sklave nach Rom. Kaiser Augustus schenkte ihm die Freiheit, weswegen er dessen Vornamen und Gentilnamen übernahm. Seine genaueren Lebensdaten sind unbekannt, Hieronymus setzte seine Blüte in das Jahr 9 v. Chr.[2]

Sueton zufolge, dem die meisten der erhaltenen Informationen zum Leben des Gaius Iulius Hyginus zu verdanken sind, wurde er von Kaiser Augustus zum Leiter der 28 v. Chr. eingerichteten Palatinischen Bibliothek ernannt.[3] Er gilt zusammen mit Marcus Verrius Flaccus als Erzieher der Urenkel des Augustus.

Hyginus war Schüler des Alexander Polyhistor und mit Ovid sowie dem Suffektkonsul des Jahres 4, Gaius Clodius Licinus, befreundet. Nach seinem Ausscheiden aus der Bibliotheksleitung wurde er von Clodius Licinus unterstützt. Aus Ovids Anrede im 10 n. Chr. verfassten Schlussgedicht zum dritten Buch der Tristien glaubte man schließen zu können, Gaius Iulius Hyginus hätte um diese Zeit noch die Leitung der Bibliothek, aus der die Werke Ovids verbannt worden waren, innegehabt.[4] Dem wird das Zeugnis des Clodius Licinus entgegengehalten, nach dem Hyginus im Alter ohne Amt und verarmt war, Ovid sich mithin an dessen Nachfolger gewandt haben müsse.[5]

Er verfasste landwirtschaftliche Schriften, die bereits bei Columella zitiert wurden, Werke über die Topographie Italiens, über die Eigenschaften der Götter und über Penaten. Auch eine Sammlung von Exempla, das heißt Literaturgattungen, sowie Kommentare zu Vergil und Gaius Helvius Cinna gehören zu seinen Schriften, des Weiteren wenigstens ein Buch über berühmte Männer. Von seinen Werken sind nur Fragmente überliefert.

In der neueren Forschung wird bisweilen die Position vertreten, dass zwei mythographische Handbücher, die im Allgemeinen einem unbekannten Autor, dem „Hyginus Mythographus“, zugeschrieben werden, von Gaius Iulius Hyginus stammen. Das eine heißt Genealogiae und ist auch unter dem Titel Fabulae bekannt, das andere ist astronomisch-mythographischen Inhalts und trägt den Titel De astronomia.[6]

Der Mondkrater Hyginus ist nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sueton, De grammaticis 20.
  2. Hieronymus, chronicum Eusebii ab Hieronymo retractatum ad annum Abrahae 2395 zum Jahr 2008 (= 9 v. Chr.): C. Iulius Hyginus cognomento Polyhistor grammaticus habetur inlustris.
  3. Sueton, De grammaticis 20.
  4. Ovid, Tristia 3, 14.
  5. Zur Diskussion Barbara M. Levick, Timothy J. Cornell: C. Julius Hyginus. In: Timothy J. Cornell (Hrsg.): The Fragments of the Roman Historians. Band 1: Introduction. Oxford University Press, Oxford 2013, ISBN 978-0-19927-703-2, S. 475.
  6. Peter Lebrecht Schmidt, Helmuth Schneider: Hyginus, C. Iulius. In: Der Neue Pauly (DNP), Bd. 5, Stuttgart 1998, Sp. 778 f.; André Le Bœuffle (Hrsg.): Hygin: L'astronomie, Paris 1983, S. XXXI–XXXVIII; Jean-Yves Boriaud (Hrsg.): Hygin: Fables, Paris 1997, S. VII–XIII; Mariagrazia F. Vitobello (Hrsg.): C. Giulio Igino: L'astronomia, Bari 1988, S. VII–XI; ablehnend und an einer Datierung der Werke in das 2. Jahrhundert festhaltend: Robert A. Kaster: C. Suetonii Tranquilli de vita Caesarum libri VIII et de grammaticis et rhetoribus liber. Clarendon Press, Oxford 1995, S. 208; Marc Huys: Euripides and the ‘Tales from Euripides’: Sources of the Fabulae of Ps.-Hyginus? In: Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete. Band 42, 1996, S. 168–178, hier: S. 169; Marc Huys: Review: Hygin. Fables; texte établi et traduit par Jean-Yves Boriaud. In: Mnemosyne. Band 53, 2000, S. 615–620, hier: S. 616; Alan Cameron: Greek Mythography in the Roman World (= American Classical Studies. Band 48). Oxford University Press, Oxford/New York 2004, S. 11 mit Anm. 36; Patrizia Mascoli: Igino bibliotecario e gli Pseudo-Igini. In: Invigilata lucerni. Band 24, 2002, S. 119–125 geht davon aus, dass das unter dem Namen Hyginus kursierende Corpus Werke von mindestens zwei gleichnamigen Autoren umfasst.