Gebrauchsanmaßung

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Die Gebrauchsanmaßung (lat. furtum usus, von furtum, Diebstahl und usus, Gebrauch) bezeichnet eine vorübergehende eigenmächtige (und damit unberechtigte) Nutzung von beweglichen Sachen unter zeitweiliger Brechung fremden Gewahrsams.

Gemeint ist, dass die Sache zwar unberechtigt benutzt, dem Berechtigten später aber zurückgebracht wird. Der Täter beabsichtigt nicht, sich die Sache zuzueignen, sonst lägen Diebstahl oder Unterschlagung vor, sondern nach Gebrauch in die Hände des Eigentümers beziehungsweise des rechtmäßigen Besitzers zurückzuspielen. Bereits zum Zeitpunkt der Wegnahme liegt subjektiv mithin der Rückgabewille vor.

Da objektiv die Enteignungskomponente fehlt, die den Diebstahl und die Unterschlagung kennzeichnen, ist die Gebrauchsanmaßung grundsätzlich straflos. Aufgrund des entgegenstehenden Willens des Berechtigten, ist die Gebrauchsanmaßung zivilrechtlich stets als rechtswidrige Eigentumsverletzung gemäß der §§ 903, 823 Abs.1 BGB zu betrachten und führt entsprechend zu Herausgabe-, gegebenenfalls zu Schadenersatzansprüchen.

Ausnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinsichtlich der grundsätzlichen Straflosigkeit der Gebrauchsanmaßung macht das deutsche Strafgesetzbuch (StGB) jedoch zwei Ausnahmen. So sind der unbefugte Gebrauch von Fahrzeugen (§ 248b StGB), der mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft wird, ebenso strafbar, wie die Gebrauchsanmaßung bei Pfandsachen durch öffentliche Pfandleiher eine (§ 290 StGB). § 248b StGB ordnet in seinem Absatz 2 gar die Versuchsstrafbarkeit an.

Strafbarkeit liegt ebenfalls dann vor, wenn einer Sache der (komplette) Substanz- oder Sachwert entzogen wird, beispielsweise bei der Benutzung von Toilettenpapier. Geschieht dies unberechtigt, so liegt kein furtum usus, sondern entweder Diebstahl, Unterschlagung oder Sachbeschädigung vor. Vergleichbar ist der Fall, dass eine neue Batterie mitgenommen und später „verbraucht“ zurückgebracht wird, was in diesem Fall durch die Entziehung elektrischer Energie nach § 248c StGB strafbar ist.

Einen weiteren Ausnahmefall stellt die Rubrik alt für neu dar: Abgeschwächt zum Vorbeispiel nimmt hier jemand beispielsweise aus der Buchhandlung ein neues Buch aus dem Regal mit, um es danach „durchgelesen“ zurückzubringen. Das Buch hat für den Buchhändler nur noch gebrauchten Wert. Auch hier liegt strafbares Verhalten vor.

Letztlich muss die Einbuße nicht zwingend rein wirtschaftlichen Wertverlust bedeuten. Auch eine wirtschaftlich-zeitliche Entwertung kann Strafbarkeit auslösen. Beispiel: A nimmt B im Frühjahr den Rasenmäher weg, den er ihm im Spätherbst wiedergibt.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Rechtslage in Österreich siehe Dauernde Sachentziehung.

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