Besitz

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Habe ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum österreichischen Journalisten, Schriftsteller und Drehbuchautor siehe Hans Habe.
Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Begriff Besitz. Zur gleichnamigen Gemeinde im Landkreis Ludwigslust-Parchim siehe Besitz (Mecklenburg).

In der juristischen Fachsprache bezeichnet der Begriff Besitz (lat. possessio) die tatsächliche Herrschaft über eine Sache, auch wenn diese Herrschaft gegebenenfalls nicht rechtmäßig besteht.[1] „Besitz“ bedeutet also, dass jemand über eine Sache verfügt, sie in seiner Gewalt hat, unabhängig davon, ob die Sache sein Eigentum ist oder nicht, also beispielsweise auch, wenn die Sache gemietet oder unrechtmäßig angeeignet ist. In der juristischen Fachsprache bedeutet der Begriff Besitz oft zusätzlich den Willen, „diese Sache für sich zu behalten“ (Eigenbesitzwillen, lat. animus rem sibi habendi).

Juristisch kann man das so ausdrücken, dass der Begriff Besitz einen tatsächlichen Zustand, eine „gewollte Sachherrschaft“ über eine Sache bezeichnet. Der Besitzer muss dabei einerseits ein Naheverhältnis zu einer Sache haben, diese also in seiner Macht oder Gewahrsam haben, d. h. „tatsächliche Gewalt über die Sache“ (corpus) haben.[2] Andererseits muss der Besitzer auch einen Besitzwillen, das heißt den Willen haben, die Sache als die seinige zu behalten (animus possidendi, animus rem sibi habendi). Auf einen Rechtsgrund kommt es hierbei nicht an. Auch der Dieb einer Sache ist nach dieser Definition ihr Besitzer. Der Besitz ist kein subjektives Recht.

Diese Definition ist notwendig, um zwischen Besitz und Eigentum unterscheiden zu können, da Eigentum abstrakt, mittels eines gesellschaftlichen Herrschaftsanspruches, d. h. durch ein Gewaltmonopol mittels eines Rechts, z. B. durch einen Vertrag, die Verfügungsgewalt eines Eigentümers zu irgendeinem Objekt auch ohne direkten Bezug zwischen Person und Sache zuschreibt und andere von der freien Verfügung ausschließt. Wenn beispielsweise jemand in Europa lebt und ein Reisfeld in Japan kauft, ist dieses Feld nicht sein Besitz, sondern lediglich sein Eigentum.

Man spricht in diesem Zusammenhang auch von "mittelbarem Besitz" bzw. einem "Besitzmittlungsverhältnis"; in vorangegangenem Beispiel wäre ein Bauer, der das japanische Feld bewirtschaftet unmittelbarer Besitzer und der Eigentümer des Reisfelds in Europa mittelbarer Besitzer.

Andere Bedeutungen[Bearbeiten]

Umgangssprachlich und wissenschaftlich außerhalb der juristischen Fachsprache bezeichnet „Besitz“ auch die Dinge, über die man unmittelbare Verfügungsgewalt hat: die Habe, rechtlich die Innehabung oder ein Sachinbegriff (mathematisch gesprochen: eine „Menge“ von Dingen).

Gelegentlich wird „Besitzer“ benutzt, wenn der Eigentümer gemeint ist.[3]

Rechtslage in einzelnen Ländern[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Dieter Krimphove: Das europäische Sachenrecht. Eine rechtsvergleichende Analyse nach der Komparativen Institutionenökonomik. Eul, Lohmar 2006, ISBN 3-89936-429-5, S. 45 ff..
  •  Therese Müller: Besitzschutz in Europa. Eine rechtsvergleichende Untersuchung über den zivilrechtlichen Schutz der tatsächlichen Sachherrschaft. Mohr Siebeck, Tübingen 2010, ISBN 978-3-16-150220-0 (Zugl. Diss. Freiburg 2009).

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikiquote: Besitz – Zitate
 Wiktionary: Besitz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duden - Deutsches Universalwörterbuch. 4. Auflage, Mannheim 2001.
  2. Siehe in Deutschland: § 854 Absatz 1 BGB; in Österreich § 309 ABGB und in der Schweiz Art. 919Vorlage:Art./Wartung/ch-Suche Absatz 1 ZGB
  3. W. Theil: Eigentum und Verpflichtung: einige juristische Aspekte. In: H.J. Stadermann, O. Steiger: Verpflichtungsökonomik. Eigentum, Freiheit und Haftung in der Geldwirtschaft. S. 175–200 (Online-Version, PDF; 187 kB)
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