Gelegenheitsbildung

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Als Gelegenheitsbildung (auch: Okkasionalismus, Ad-hoc-Bildung oder Augenblicksbildung) wird in der Linguistik ein Wort bezeichnet, das nur einmal oder sehr selten verwendet wird und (noch) nicht zum etablierten Wortschatz einer Sprache gehört.[1][2] Im weiteren Sinn kann es sich dabei auch um eine Wendung handeln.[3] Kennzeichen der Gelegenheitsbildungen sind „ihre starke Kontextabhängigkeit, ihre seltene Verwendung und ihre Kurzlebigkeit“.[4] Okkasionalismen tauchen besonders in der Mediensprache, in der Jugendsprache und in der Dichtung auf. Häufig handelt es sich um zusammengesetzte Wörter; in diesen Fällen spricht man von einem Gelegenheitskompositum.

Eine Gelegenheitsbildung kann nur ein einziges Mal verwendet werden (siehe auch Hapax legomenon, „das nur einmal Gesagte“) oder mehrmals. Entscheidend für die Einordnung als Gelegenheitsbildung ist, dass das Wort eine „sprachliche Eintagsfliege“ bleibt.[5] Wenn das neue Wort in den allgemein bekannten Wortschatz aufgenommen wurde und schon einige Zeit in Gebrauch ist, handelt es sich nicht mehr um eine Gelegenheitsbildung, sondern um einen Neologismus.[5] Als Abschluss dieses Prozesses der Etablierung kann man die Aufnahme des Wortes in ein allgemeinsprachliches Wörterbuch betrachten.

Der Anlass einer Gelegenheitsbildung besteht häufig darin, dass in einer aktuellen Benennungssituation eine lexikalische Lücke geschlossen wird. Oft spielt auch die Sprachökonomie eine Rolle. Beispielsweise ist eine ad hoc gebildete Bezeichnung wie Bierdeckel-Steuerreform einfacher und im Kontext auch verständlicher als eine umständliche Umschreibung des komplexen Sachverhalts („eine Steuerreform, nach deren Vollzug eine Steuererklärung so kurz ausfällt, dass diese auf einen Bierdeckel passt“). Ferner kann eine Gelegenheitsbildung auch dem Bedürfnis entspringen, eine bestimmte Einstellung des Sprechers auszudrücken.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christiane Wanzeck: Lexikologie. Beschreibung von Wort und Wortschatz im Deutschen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010 (UTB 3316), ISBN 978-3-8385-3316-2, S. 39-42.
  • Peter Hohenhaus: Ad-hoc-Wortbildung. Terminologie, Typologie und Theorie kreativer Wortbildung im Englischen. Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 1996, ISBN 3-631-30266-5 (Europäische Hochschulschriften. Reihe 14: Angelsächsische Sprache und Literatur 317), (Zugleich: Hamburg, Univ., Diss., 1995).
  • Vida Jesenšek: Okkasionalismen. Ein Beitrag zur Lexikologie des Deutschen. Slavisticno Drustvo, Maribor 1998, ISBN 961-90073-4-4 (Zora 2).
  • Corinna Peschel: Zum Zusammenhang von Wortneubildung und Textkonstitution. Niemeyer, Tübingen 2000, ISBN 3-484-31237-8 (Reihe Germanistische Linguistik 237), (Zugleich: Dortmund, Univ., Diss., 2000).
  • Robert Fellner: Okkasionalismen in Werbeslogans zwischen 2003 und 2008 unter besonderer Berücksichtigung der Branchen Kosmetik, Ernährung, Getränke und Pharmazie. Grin Verlag GmbH, München 2010, ISBN 978-3-640-52714-4 (Zugleich: Wien, Univ., Diplomarbeit, 2009).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Gelegenheitsbildung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Duden online: Gelegenheitsbildung
  2. Zu den Synonymen siehe Gelegenheitsbildung im DWDS
  3. Siegfried Heusinger: Die Lexik der deutschen Gegenwartssprache. Eine Einführung. W. Fink, München 2004 (UTB 2491), S. 32
  4. a b Christiane Wanzeck: Lexikologie. Beschreibung von Wort und Wortschatz im Deutschen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010 (UTB 3316), ISBN 978-3-8385-3316-2, S. 39
  5. a b Volker Harm: Einführung in die Lexikologie. WBG, Darmstadt 2015 (Einführung Germanistik), ISBN 978-3-534-26384-4, S. 119