Germanenmythos

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Unter dem Stichwort Germanenmythos werden in der Wissenschaft Thesen zum Ursprung, zur vermeintlichen Überlegenheit der Germanen und Fragen der Identität europäischer Völker behandelt.

Die Römer hatten bereits 113 v. Chr. in den Alpen Schlachten gegen die Kimbern und Teutonen verloren, wodurch der Begriff Furor Teutonicus geprägt wurde. Julius Caesar beschrieb in seinem Werk De bello Gallico in einem Germanenexkurs genannten Abschnitt die Völker östlich des Rheins, die dann in der Varusschlacht den Römern eine empfindliche Niederlage beigebracht haben. Ein weiteres Jahrhundert später fasste die Schrift Germania von Tacitus das römische Wissen über Germanenvölker zusammen.

Diese Schrift wurde ab Mitte des 15. Jahrhunderts in Deutschland rezipiert. Aber schon zuvor im Mittelalter begann sich ein Germanenmythos zu entwickeln.[1] Die Romantik konnte daran anschließen. Eine besondere Rolle spielte der Germanenmythos in der aufkommenden deutschen Nationalbewegung. Im Dritten Reich wurde eine „rassische“ Überlegenheit der Germanen postuliert.[2] In der Gegenwart ist der Germanenmythos in neuheidnischen Bewegungen und in der politischen Rechten präsent.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur (nach Erscheinen geordnet)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Krapf: Germanenmythos und Reichsideologie. Frühhumanistische Rezeptionsweisen der taciteischen Germania. Tübingen 1979.
  • Sibylle Ehringhaus: Germanenmythos und deutsche Identität. Die Frühmittelalter-Rezeption in Deutschland 1842–1933. Weimar 1996.
  • Otto Holzapfel: Die Germanen. Mythos und Wirklichkeit. Freiburg 2001.
  • Rainer Kipper: Der Germanenmythos im Deutschen Kaiserreich. Formen und Funktionen historischer Selbstthematisierung. 2002 (Rezension)
  • Renate Stauf: Germanenmythos und Griechenmythos als nationale Identitätsmythen; Wolfgang Wittkowski: Arminius aktuell: Kleists Hermannsschlacht und Goethes Hermann. In: Rainer Wiegels, Winfried Woesler (Hrsg.): Arminius und die Varusschlacht. Geschichte – Mythos – Literatur. 3. aktualisierte und erweiterte Auflage. Schöningh, Paderborn 2003.
  • Esther Leroy: Konstruktionen des Germanen in bildungsbürgerlichen Zeitschriften des Deutschen Kaiserreichs. Frankfurt am Main 2004. (Rezensionen: [1] / [2])
  • Elisabeth Monyk: Zwischen Barbarenklischee und Germanenmythos. Eine Analyse österreichischer Geschichtslehrbücher zwischen 1891 und 1945. Münster 2006.
  • Ingo Wiwjorra: Der Germanenmythos. Konstruktion einer Weltanschauung in der Altertumsforschung des 19. Jahrhunderts. Darmstadt 2006. (Inhaltsverzeichnis; PDF; 94 kB)
  • Herfried Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen. Berlin 2009.
  • Uwe Puschner, Clemens Vollnhals (Hrsg.): Die völkisch-religiöse Bewegung im Nationalsozialismus. Eine Beziehungs- und Konfliktgeschichte. (= Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung. Band 47). Göttingen 2012.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. K. G. Hugelmann: Stämme, Nation und Nationalstaat im deutschen Mittelalter. Stuttgart 1955.
  2. Vgl. Heinrich Himmler#Beitrag zur NS-Germanenideologie und Otto Rahn#Beitrag zur NS-Germanenideologie