Gernot Jochheim

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Gernot Jochheim (* 1942) ist ein deutscher Historiker, Pädagoge und Autor.[1]

Er studierte Politikwissenschaft, Geschichte, Pädagogik, Germanistik und Kunstgeschichte in Köln und Berlin und hat seine Studien abgeschlossen mit dem Diplom in Politologie, dem Staatsexamen und der Promotion zum Dr. phil. mit der Arbeit: "Antimilitaristische Aktionstheorien, Soziale Revolution und Soziale Verteidigung – Zur Entwicklung der Gewaltfreiheitstheorie in der europäischen antimilitaristischen und sozialistischen Bewegung 1890–1940, unter besonderer Berücksichtigung der Niederlande."

Im Rahmen der Arbeit an seiner Dissertation lernte er im Mai 1975 den damals 75-jährigen Arthur Lehning kennen, mit dem er bis zu dessen Tod im Jahre 2000 freundschaftlich verbunden blieb.

Zeitschrift Graswurzelrevolution 1987

Auf dem Hintergrund dieser Beziehung entstand 1987 das Sonderheft der Zeitschrift „Graswurzelrevolution“, Nr. 117/118, zur Sozialgeschichte des Antimilitarismus „Keine Frau, keinen Mann, keinen Pfennig für Staat und Krieg!“.

Die Theorie, Praxis und Sozialgeschichte der Gewaltfreiheit waren in verschiedenen thematischen Arbeitsphasen Gegenstände seines – anhaltenden – Engagements. Ab Oktober 1969 war er für drei Jahrzehnte Mitherausgeber und Redakteur der Zeitschrift „Gewaltfreie Aktion. Vierteljahreshefte für Frieden und Gerechtigkeit“. Seit über vier Jahrzehnten ist er Mitglied im Versöhnungsbund.

Mit seinen Forschungen und Publikationen zur Theorie und Praxis der gewaltfreien Konfliktaustragung hat er den Arbeitsbereich „Friedensforschung“ an der FU Berlin mitgestaltet. Seine Publikationen zu den gewaltlosen Protesten gegen die Deportation von Juden in der Berliner Rosenstraße im Februar/März 1943 haben die Aufmerksamkeit auf ein durch die traditionelle historische Forschung unbeachtetes Widerstandsgeschehen gelenkt. Mit seinem Buch „Länger leben als die Gewalt. Der Zivilismus als Idee und Aktion“ (1986) hat er den von Egbert Jahn 1970 in die Diskussion gebrachten Begriff zu vertiefen gesucht.[2] Zudem schrieb er Jugendbücher zur Geschichte der gewaltfreien Konfliktaustragung.

Über drei Jahrzehnte war Jochheim als Lehrer an einer Haupt- und Realschule in der Berliner Gropiusstadt sowie einige Jahre am Pädagogischen Zentrum Berlin tätig. Dabei lagen Schwerpunkte seiner Arbeit auf der Unterstützung von Lernenden und Lehrenden bei der Praktizierung gewaltfreier Konfliktbearbeitung und Konfliktaustragung sowie bei der Entwicklung von Erinnerungskultur in der Schule.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Berliner Alexanderplatz (2006)
  • ... die vielen Morde (1999)
  • Frauenprotest in der Rosenstraße Berlin 1943 (1990)
  • Antimilitaristische Aktionstheorien, Soziale Revolution und Soziale Verteidigung – Zur Entwicklung der Gewaltfreiheitstheorie in der europäischen antimilitaristischen und sozialistischen Bewegung 1890–1940, unter besonderer Berücksichtigung der Niederlande. Frankfurt/Main 1977. ISBN 3-88129-070-2 (Dissertation)
  • Der 18. März in der deutschen Demokratiegeschichte

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfram Beyer: Pazifismus und Antimilitarismus. Eine Einführung in die Ideengeschichte, Schmetterling Verlag Stuttgart 2012, S. 103f
  2. Ebenda, S. 105f