Gertrudenberger Höhlen

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Die Gertrudenberger Höhlen sind ein im Osnabrücker Stadtteil Sonnenhügel unter dem Gertrudenberg gelegenes anthropogenes Höhlensystem, das als Kulturdenkmal eingetragen ist. Für die Öffentlichkeit ist das Höhlensystem wegen möglicher Gefahren gesperrt.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Urkunde vom 12. Mai 1333 erwähnte Abt Wescelus vom Gertrudenberger Kloster erstmals in Höhe des Gertrudenberges einen Steinbruch, den die Stadt Osnabrück betrieben hat.[1][2] Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Steinbruch durch den Abbau des an der Oberfläche anstehenden Trochitenkalks − gewonnen aus dem Muschelkalk − zu einem Höhlensystem erweitert. Die Hauptschicht des Trochitenkalkes ist hier etwa sechs bis sieben Meter mächtig. Sie fällt in den Berg ein und wird teilweise von wenig brauchbaren Gesteinen überlagert.

Der Abbau folgte der nutzbaren Schicht. Dabei wurden zunächst die unbrauchbaren Materialien mit abgebaut und als Abraum an den Rändern der so entstehenden Steingrube abgelagert. Später ließ man diese Schichten stehen und ging zu unterirdischer Gesteinsgewinnung über. Über die Jahrhunderte entstand so ein umfangreiches, sagenumwobenes und in seiner ganzen Dimension unerforschtes Höhlensystem, das sogenannte Gertrudenberger Loch.

Das Gestein wurde nur in wenigen Fällen für die Errichtung von Bauwerken benutzt, vielmehr wurde es in Kalköfen gebrannt und bildete damit die Grundlage für die Mörtelherstellung. Bausteine aus dem Abbau finden sich heute in der Klostermauer und den Klostergebäuden sowie in der Anstaltsmauer. Sie trennt die 1868 eröffnete Irrenanstalt (heute Ameos Klinikum Osnabrück) vom heutigen Bürgerpark. Die Brennöfen standen am Nordwestabhang des Berges, oberhalb der heutigen Tennisplätze. Einige Fundamentreste sind heute noch zu sehen, wo sich einst das Ausflugslokal „Meesenburg“ befand.

Die Entstehung des Höhlensystems durch unterirdischen Kalkabbau war zeitweise umstritten. So wurde in den 1930er Jahren angenommen, dass es sich um eine germanische Kultstätte gehandelt habe.[3]

Höhlensystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Höhlenzugang befand sich früher hinter einem Eingangsgebäude in der östlichen Steingrubenböschung auf der Höhe des heutigen Rosengartens. Die maximale Längenausdehnung in Nord-Süd-Richtung betrug ca. 135 m, die größte Breite rund 70 m. Nach Regeln der Ermittlung der Gesamtlänge von Höhlen betrug die Länge der Gertrudenberger Höhle ohne Berücksichtigung der Treppenaufgänge und Luftschächte etwa 900 m. Die Höhlensohle liegt zwischen etwa 79 und 85 m, der Einstiegsschacht bei ca. 97,5 m ü. NN. Sie besitzt mehrere, teilweise aus alter Zeit stammende Höhlenräume von großer Ausdehnung und Höhe, die über mindestens drei Eingänge zugänglich waren,[4] zum Teil über sehr hohe Treppen.

Das Höhlensystem war mit dem Kloster Gertrudenberg verbunden. Auch in der weiteren Umgebung wurden bei verschiedenen Erdarbeiten immer wieder Stollen entdeckt, die im Zusammenhang mit dem System standen.[3]

Nutzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Nutzung vor dem 19. Jahrhundert ist wenig bekannt. Im 19. Jahrhundert wurden die Höhlen als Bierkeller und zur Pilzzucht benutzt.[3] Im Zweiten Weltkrieg wurde ein Teil des Höhlensystems zu einem Luftschutzbunker ausgebaut.[4] Aus dieser Zeit stammt nach dem Allgemeinen Kriegsfolgengesetz die verantwortliche Zuständigkeit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) in der Absicherung und Gefahrenabwehr.[1]

Für die geplante BUGA 2015 war vorgesehen, den nördlichen Teil der Höhle für Besucher langfristig als dezentralen Projektstandort zugänglich zu machen (die Stadt Osnabrück entschied sich allerdings 2006 für einen Verzicht auf die BUGA.)[5] Bei einer Machbarkeitsstudie 2002 fand eine Einbeziehung der Höhle nicht statt, da ungelöste rechtliche Probleme bestanden, insbesondere des Haftungsträgers bei Personen- und Sachschäden. Fehlende Haushaltsmittel der Stadt und von öffentlichen Fördermitteln haben eine Öffnung der Höhle für den Publikumsverkehr bislang verhindert. Wegen möglicher Gefahren gibt es seit 2013 Pläne der BImA, die Höhlen mit Beton zu verfüllen.[6] Hierüber haben jedoch auch die Eigentümer des Grundstücks − Stadt Osnabrück, Ameos Klinikum und eine Privatperson − zu entscheiden. Ein bergtechnisches Gutachten soll ab 2015 klären, ob die Höhle einsturzgefährdet ist. [7]

Die Höhle ist unter Nr. 3714/01 bzw. 001 im niedersächsischen und nordrhein-westfälischen Höhlenkataster eingetragen und in der niedersächsischen Denkmalliste, des Weiteren bei der Stadt Osnabrück, Abteilung Archäologische Denkmalpflege, als archäologisches Denkmal eingetragen. Sie ist ein Kulturdenkmal (Kalksteinbergwerk) nach § 3 Niedersächsisches Denkmalschutzgesetzes.

Verein Gertrudenberger Höhlen Osnabrück e. V.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Gründungsversammlung am 15. Februar 2011 und die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Osnabrück am 24. März 2011 wurde der gemeinnützige Verein "Gertrudenberger Höhlen Osnabrück e. V." gegründet. Sein Zweck ist es, Aktivitäten zu entfalten, die den Einheimischen und Auswärtigen den Zugang zur kulturellen Geschichte der Stadt Osnabrück, dem Gertrudenberg und den Gertrudenberger Höhlen ermöglichen.

Der Verein unterstützt insbesondere:

  • Öffentlichkeitsarbeit für den Gertrudenberg und das Kulturdenkmal Gertrudenberger Höhlen,
  • den Gertrudenberg und das Kulturdenkmal Gertrudenberger Höhlen zu schützen, zu pflegen und wissenschaftlich (z. B. archäologisch, geologisch, geschichtlich etc.) zu erforschen und zu dokumentieren,
  • die Öffnung der Gertrudenberger Höhlen für die Allgemeinheit.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Morlo: Das Gertrudenberger Loch – Eine künstliche Höhle in Osnabrück. Abhandlungen zur Höhlen- und Karstkunde, Heft 26, 138 S., 71 Abb. ISBN 3-927441-08-2.
  • Wido Spratte: Im Anflug auf Osnabrück – Die Bombenangriffe 1940 – 1945. ISBN 3-87898292-5.
  • Matthias Rickling: Der Tag an dem Osnabrück unterging. 13. September 1944. ISBN 3-8313-1478-0.
  • Ernst Andreas Friedrich: Die Höhlen im Gertrudenberg, S. 216–217, in: Wenn Steine reden könnten. Band I, Landbuch-Verlag, Hannover 1989, ISBN 3-7842-03973.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Martin Wein: Bund will Höhlen zubetonieren. In: Weser Kurier vom 2. Dezember 2013, S. 15.
  2. Luftschutzbunker.
  3. a b c Horst Grebing: Künstliche Höhlensysteme im Gertrudenberg.@1@2Vorlage:Toter Link/www.geo-iburg.de.vu (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. a b Gertrudenberger Höhlen. Dokumentation der Luftschutzbunker Osnabrück
  5. Piesberg – Ein Berg öffnet sich der Zukunft, osnabrueck.de, 2013-08-15. Archiviert vom Original am 15. Februar 2013; abgerufen am 25. März 2015.
  6. Rainer Lahmann-Lammert: Bund will Osnabrücker Höhlen mit Zement füllen. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 25. Juni 2013.
  7. Rainer Lahmann-Lammert: Gertrudenberg: Osnabrück gibt Höhlengutachten in Auftrag. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 23. Dezember 2014.

Koordinaten: 52° 17′ 8,8″ N, 8° 2′ 54″ O