Ghostscript

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Ghostscript
Ghostscript-Logo
Entwickler Artifex Software Inc.
Aktuelle Version 9.16
(30. März 2015)
Betriebssystem Linux, Unix, VMS, Windows, Mac OS, MSDOS, OS/2, u. a.
Kategorie Software
Lizenz Duales Lizenzsystem: AGPL-3+ und kommerziell (Artifex Ghostscript)
Deutschsprachig nein
www.ghostscript.com

Ghostscript ist ein freier Interpreter der Seitenbeschreibungssprachen PostScript und Portable Document Format (PDF).

Es besteht aus einem Softwarepaket, das eine Programmierschnittstelle (API) mit Funktionen bereitstellt, um PostScript und PDF auf Druckern oder Bildschirmen darzustellen. Es bietet einen hohen Grad an Kompatibilität mit dem proprietären „Original“ von Adobe.

Geschichte[Bearbeiten]

1986[1] begann L Peter Deutsch Ghostscript für das GNU-Projekt zu entwickeln. Er gründete Aladdin Enterprises, um Ghostscript auch kommerziell vermarkten zu können. Dazu nutzte er ein eigenes duales Lizenzsystem, bei dem er die jeweils aktuelle Version zunächst unter der Aladdin Free Public License (AFPL) veröffentlichte. Diese schränkt eine kommerzielle Nutzung der Software stärker als die GNU Affero General Public License (AGPL) ein, erlaubt aber eine unentgeltliche Verbreitung und Nutzung. Unternehmen, die Ghostscript mit ihrem Produkt vertreiben möchten und sich entweder nicht den Lizenzbedingungen der AGPL unterwerfen oder keine veraltete Version unter dieser Lizenz ausliefern wollen, können eine kommerzielle Lizenz, Artifex Commercial License, erwerben. In dieser Lizenz ist Ghostscript in zahlreichen Anwendungen bekannter Hersteller wie z. B. IBM, Hewlett-Packard[2] und Xerox integriert.[3][4]

Zum Problem wurde diese Lizenzpolitik, als sich das unter der GPL veröffentlichte Common Unix Printing System (CUPS) von Easy Software Products (ESP) zum Standarddrucksystem für Linux-Distributionen entwickelte. CUPS ermöglicht unter Unix-Derivaten laufenden Programmen das Drucken und baut auf PostScript auf. Ghostscript kommt dabei als Raster Image Processor zum Einsatz. ESP initiierte mit ESP Ghostscript eine Abspaltung von GPL Ghostscript, um unter der GPL eine Version mit aktuellen, für CUPS wichtigen Patches verbreiten zu können.

Heute hält das kalifornische Unternehmen artofcode LLC die Urheberrechte. Die kommerzielle Lizenzierung erfolgt durch Artifex Software Inc. Seit 2000 ist Raph Levien als Nachfolger von Peter Deutsch Maintainer des Projekts.[5] Ab Version 8.56 (31. Mai 2006) wurde AFPL Ghostscript eingestellt,[6] so dass seitdem die neueste Version immer sofort unter einer GPL-Variante erscheint. Mit Version 9.07 vom 14. Februar 2013 wurde die Lizenz von der GPL auf die AGPL geändert.[7] Die Abspaltung ESP Ghostscript konnte mit der 2006 erfolgten Lizenzänderung schließlich aufgegeben werden: GPL Ghostscript 8.57 und ESP Ghostscript 8.15.4 wurden im am 1. August 2007 veröffentlichten GPL Ghostscript 8.60 zusammengeführt.[8]

Verwendung[Bearbeiten]

Die wichtigsten Einsatzmöglichkeiten von Ghostscript sind:

  • Rasterung von PostScript- oder PDF-Dateien. Durch diesen Prozess wird die als PostScript- oder PDF-Code vorliegende Beschreibung einer Seite für den Drucker oder den Monitor aufbereitet und als Abbildung sichtbar. Man spricht von einem Software-RIP.
  • Konvertierung von PostScript- und PDF-Dateien in andere Dateiformate. Überwiegend werden PostScript-Dateien in PDF-Dateien oder reine Rastergrafikformate umgewandelt. Bei der Konvertierung nach PDF bleiben alle Informationen über Vektor- und Pixel-Elemente erhalten, während bei der Ausgabe von Rastergrafiken alle Elemente in einer bestimmten Auflösung gerastert werden.
  • PostScript-Code zum Entwickeln und Debuggen von PostScript-Programmen ausführen lassen.

Ghostscript wurde auf viele unterschiedliche Betriebssysteme portiert, u. a. Linux, Unix, VMS, Windows, Mac OS, AmigaOS und OS/2. Die Größe des Download beträgt bei Version 8.71 je nach Betriebssystem ca. 15 MB.

Grafische Oberflächen[Bearbeiten]

Zahlreiche grafische Oberflächen (GUIs), wie zum Beispiel Ghostview oder GSview, wurden für Ghostscript geschrieben. Mit deren Hilfe können PostScript- und PDF-Dateien angezeigt, gedruckt oder in andere Formate konvertiert werden. Dazu zählen auch virtuelle Druckertreiber, die mit Hilfe von Ghostscript PDF-Dateien aus beliebigen Anwendungen generieren können.

Die GPL-Version von Ghostscript diente als Grundlage für Display Ghostscript, eine Nachbildung von Display PostScript, das zur Darstellung von Grafik auf einigen Betriebssystemen, wie z. B. NeXT genutzt wird. Das Projekt wurde jedoch vermutlich im Jahr 2000 eingestellt.[9][10]

Bei den meisten grafischen Oberflächen muss Ghostscript bereits auf dem System installiert sein. Es gibt jedoch auch Open-Source-Projekte, wie zum Beispiel PDFCreator, die alle notwendigen Komponenten bereits fix integriert haben. Für den Anwender ergibt sich dadurch der Vorteil, dass er nur ein Programm laden und installieren muss.[11]

Freie Schriftarten[Bearbeiten]

Für Ghostscript werden verschiedene Arten von freien Schriftarten[12][13] geliefert:[14][15][16]

  • Das GhostPDL-Paket (enthalten in sowohl Ghostscript als auch in den Implementierungen HP PCL und Microsoft XPS) enthält zusätzliche Zeichensätze, einschließlich der URW++-Versionen von Garamond, Optima, ITC Avant Garde, Arial, Antique Olive und Univers sowie URW Mauritius (ähnlich im Stil der Postscript-Schrift Marigold, jedoch älter) und einer modifizierten Version der Albertus, bekannt als Code A028. In Kombination mit dem Basisschrifsatz stellen sie etwas mehr als die Hälfte der Standard-Postscript-3-Schriftarten bereit.
  • Ein ergänzender Schriftsatz inklusive Kyrillisch, Kana und mit von Thomas Wolff aus der freien Schriftart Hershey abgeleiteten Schriften mit Verbesserungen, wie Akzentzeichen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ghostscript C coding guidelines: „The first Ghostscript code was written in 1986“.
  2. Adobe Systems: Geschäftsbericht vom 3. September 1999: (PDF; 104 kB) „HP began to ship a clone version of Adobe PostScript in some printers“ (vermutlich Ghostscript, vgl. Kundenliste unten).
  3. Veröffentlichungsmeldung zu Ghostscript 8.00: „Ghostscript currently powers inkjet RIPs from Best Color GmbH, Xerox XES (in partnership with Caldera Graphics), MacDermid/ColorSpan, and Mutoh America.“
  4. Kundenliste von Artifex Software Inc.
  5. Raph Levien: An open letter to the Ghostscript development community
  6. heise: „Ghostscript ab sofort unter der GPL“ vom 16. Juni 2006
  7. History of Ghostscript versions 9.xx
  8. Veröffentlichungsmitteilung zu Ghostscript 8.60
  9. Letzter bekannter Stand der Projektseite von Display Ghostscript (letztes Release am 27. Juni 2000)
  10. Display Ghostscript auf der GNUstep-Seite: „The GNUstep project has halted development of Display GhostScript“.
  11. pdf-Dateien selbst gemacht: Schnell, einfach und kostenlos zu PDFs Marke Eigenbau
  12. Ghostscript SVN – URW-Schriftarten als TrueType-Dateien, abgerufen am 17. August 2015
  13. Ghostscript SVN – URW-Schriftarten als Type-1-Dateien, abgerufen am 17. August 2015
  14. Debian package – gsfonts. Abgerufen am 21. April 2010.
  15. Fonts and font facilities supplied with Ghostscript. Abgerufen am 21. April 2010.
  16. Linux fonts (mostly X11). 15. August 2009. Abgerufen am 21. April 2010.
  17. Finally! Good-quality free (GPL) basic-35 PostScript Type 1 fonts. (Memento vom 23. Oktober 2002 im Internet Archive)
  18. Finally! Good-quality free (GPL) basic-35 PostScript Type 1 fonts. (TXT) Abgerufen am 6. Mai 2010.
  19. Fonts and TeX. 19. Dezember 2009. Abgerufen am 6. Mai 2010.
  20. Five years after: Report on international TEX font projects (PDF) 2007. Abgerufen am 6. Mai 2010.
  21. ghostscript-fonts-std-6.0.tar.gz – GhostScript 6.0 standard fonts – AFPL license (TAR.GZ) 29. Dezember 1999. Abgerufen am 17. August 2015.
  22. gnu-gs-fonts-std-6.0.tar.gz – GhostScript 6.0 standard fonts – GPL license (TAR.GZ) 29. Dezember 1999. Abgerufen am 17. August 2015.