Giannis Milios

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Giannis Milios

Giannis Milios (griechisch Γιάννης Μηλιός [1], der Vorname wird auch als John, Jean,[2] Jannis,[3] Yannis[4] oder Yiannis[5] wiedergegeben, * 1952 in Athen[6]) ist ein griechischer Ökonom.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Milios absolvierte von 1971 bis 1976 ein Maschinenbaustudium an der TU Darmstadt. Danach setzte er sein Studium in diesem Fach an der Nationalen Technischen Universität Athen fort, wo er 1981 promoviert wurde. Von 1985 bis 1988 schloss sich ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Osnabrück an, das er ebenfalls mit der Promotion abschloss.[7]

1982 gründete er mit anderen die Vierteljahreszeitschrift „Thesen“ (gr. Θέσεις), die sich mit Fragen der Wirtschafts- und Staatstheorie befasst und die er bis heute leitet.[8] Seine zahlreichen Veröffentlichungen beschäftigen sich mit ökonomischer Theorie und dem Marxismus.

Milios ist Professor an der Nationalen Technischen Universität Athen und gilt als einer der führenden marxistischen Ökonomen des Landes. Politisch ging er aus der KKE Esoterikoú (KP Inland), einer eurokommunistischen Abspaltung der Kommunistischen Partei Griechenlands, hervor und wurde zu einem der führenden Wirtschaftspolitiker der Partei SYRIZA. Syriza – 2004 bis 2012 ein Wahlbündnis linker Kleinparteien und seitdem eine Partei – gewann die Parlamentswahl am 25. Januar 2015. Der Parteivorsitzende Alexis Tsipras wurde griechischer Ministerpräsident. Viele erwarteten, dass Milios Wirtschaftsminister werden würde. Tsipras berief jedoch Yanis Varoufakis, später Efklidis Tsakalotos zum Finanzminister.

Milios kritisierte seit Februar 2015 die griechische Regierungspolitik. Ende März schied als Chefökonom aus und wurde nicht für das Politische Sekretariat, ein hochrangiges Syriza-Gremium, nominiert.[9][10]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Milios zitiert gerne das lateinische „Omnia sunt communia“ (Alles gehört allen gemeinsam),[11] einen von Thomas Müntzer oft verwendeten Satz.[12]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kapitalistische Entwicklung, Nationalstaat und Imperialismus. Der Fall Griechenland. Dissertation, Univ. Osnabrück 1988
  • (mit Dimitri Dimoulis; George Economakis): Karl Marx and the Classics. An Essay on Value, Crises and the Capitalist Mode of Production Ashgate, 2002, ISBN 978-0-7546-1798-3.
  • (mit D.P. Sotiropoulos): Rethinking Imperialism. A Study of Capitalist Rule. Palgrave-Macmillan, 2009, ISBN 978-0-230-22100-0.
  • (mit Dimitris P. Sotiropoulos & Spyros Lapatsioras): A Political Economy of Contemporary Capitalism and its Crisis. Demystifying Finance. Routledge, 2013 + 2015 (ISBN 978-1-138-90111-7).
  • (Hg.) 150 years Karl Marx’s “Capital”. Reflections for the 21st century. Rosa Luxemburg Stiftung, 2018.
  • The Origins of Capitalism as a Social System. The Prevalence of an Aleatory Encounter. London and New York: Routledge, 2018.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://viaf.org/viaf/23249742/#Me%CC%84lios,_Gianne%CC%84s
  2. Jean Milios: Kapitalistische Entwicklung, Nationalstaat und Imperialismus. Der Fall Griechenland. Dissertation, Osnabrück 1988.
    Jean Milios: Der Marxsche Begriff der asiatischen Produktionsweise und die theoretische Unmöglichkeit einer Geschichtsphilosophie. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge 1997, S. 101–113.
  3. Ingo Elbe: Marx im Westen. Die neue Marx-Lektüre in der Bundesrepublik seit 1965. Akademie Verlag, Berlin 2010, S. 408.
    Jan Hoff: Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965. Akademie Verlag, Berlin 2009, S. 27, 69, 166, 221.
    Jannis Milios: Die Marxsche Werttheorie und Geld. Zur Verteidigung der These über den endogenen Charakter des Geldes. Referat zur Tagung Probleme des Geldes, März 2004, Marx-Gesellschaft; abgedruckt in: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge 2004, S. 95.
    Spyros Lapatsioras, Jannis Milios: Zum Geldbegriff von den Grundrissen zum Kapital – Verschiebungen. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge 2010, S. 43–57.
    Dario Stefano Dell’Aquila, Stephan Kaufmann, Jannis Milios: Blackbox EZB. Macht und Ohnmacht der Europäischen Zentralbank. Reihe „Materialien“, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Juli 2014.
  4. Yannis Milios: "It is necessary to restructure the Eurozone’s sovereign debt”, European-Left.org, 26. Januar 2015.
    Stephan Detjen: Syriza-Chefökonom in Berlin – "Wir können unser Programm umsetzen", Deutschlandfunk, 12. Januar 2015.
  5. Yiannis Milios: SYRIZA will not run deficits, TheTOC.gr, 28. Dezember 2014.
    Philip Chrysopoulos: BoA, Merrill Lynch, Capital Analysts on SYRIZA’s Economic Plan, Greek Reporter, 27. November 2014.
    Yiannis Milios, Yiannis Baboulias: Can the Left Save Greece? New Left Project, 11. Januar 2013.
    Silke Wettach: Tsipras-Vertrauter Yiannis Milios – "Wir sind bereit für Verhandlungen" Wirtschafts-Woche (Online), 12. Januar 2015.
    Yiannis Milios – Economic Advisor of the Syriza Party, Greece, BBC Hard Talk, 31. Mai 2012.
  6. Profil auf der Webseite des Nationalen Buchzentrums, nach anderen Quellen auf Chios (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven:@1@2Vorlage:Toter Link/politischios.gr politischios.gr)
  7. Dissertation: Kapitalistische Entwicklung, Nationalstaat und Imperialismus: der Fall Griechenland
  8. theseis.com (griechisch). Abgerufen am 26. August 2015.
  9. spiegel.de 20. März 2015: John Milios abgelöst: Syriza schasst Chefökonom
  10. euobserver 21. März 2015: Tsipras’ economic policy architect resigns
  11. Αυτή είναι η κυβέρνηση της Αριστεράς newpost.gr, 11. November 2012
  12. Peter Blickle: Die Revolution von 1525, Oldenbourg 2004, ISBN 978-3-486-44264-9, Seite 228