Gipsabdruck

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Der Gipsabdruck ist eine Art des Abformens dreidimensionaler Objekte, beispielsweise Körperteile.

Masken-Herstellung[Bearbeiten]

Masken werden oft mit Gipsbinden hergestellt. Das Gesicht wird mit einer fetthaltigen Creme geschützt. Darüber werden feuchte Gipsbinden konturgenau aufgelegt. Achtung: Nasenlöcher müssen frei bleiben. Die Gipsbinde wird etwa 2 Sekunden in kaltes Wasser getaucht. Dabei entwickelt sich Wärme. Die Verarbeitungszeit beträgt wenige Minuten. Nach dem Trocknen wird die rohe Maske abgenommen. Die Ränder werden beschnitten, der Mund und die Augen werden ausgeschnitten. Die Maske kann dann weiter bearbeitet werden: zusätzliches Material auftragen (Gips, bei größeren Mengen gestützt mit dünnem Maschendrahtgitter), bemalen, bekleben (Stoff, Papier, Bast, Wolle, Hobelspäne, etc). Natürlich können auch andere Körperteile abgeformt werden (siehe nächstes Kapitel).

Bei anderen Verfahren dient die Gipsmaske als Form. Beispielsweise für GFK-Masken oder für Latex-Masken.

Gipsabdruck vom Babybauch[Bearbeiten]

Der Trend der Anfertigung von Gipsabdrücken vom Babybauch kommt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten und wurde seit 2001 durch die Berliner Künstlerin Anja von Behr im deutschsprachigen Raum popularisiert.[1] Als wichtiges Vorbild galten etwa Arbeiten der New Yorker Künstlerin Kiki Smith, deren Kunstwerk "Shield", den Leibesumfang einer schwangeren Frau im 8. Monat zeigte.[2]

Bei der Herstellung des Rohlings, einer sogenannten Bauchmaske, wird anhand von Gipsbinden (idealerweise Artexgewebe) vom Babybauch in der Schwangerschaft abgeformt. Dies wird meist vier bis sechs Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin gemacht. Der Oberkörper sollte ausreichend mit Vaseline eingefettet werden, um Verletzungen zu vermeiden. Es kann sowohl das Negativ (von außen) bearbeitet und geglättet werden, oder aber man verwendet das Positiv (innen). Letzteres ergibt einen absolut detailgetreuen Abguss des schwangeren Oberkörpers.

Orthopädie[Bearbeiten]

Ein Gipsabdruck gibt dem Orthopädieschuhmacher oder Bandagisten eine genaue dreidimensionale Vorlage für die Herstellung einer Fußeinlage.

Unterschieden werden zwei Möglichkeiten:

Belastet
Der Patient tritt in einen Schaumstoff, ähnlich einem Steckschwamm beim Floristen, diese Negativ-Abdrücke seiner Füße werden mit Gips ausgefüllt, es entsteht ein Positiv-Modell.
Unbelastet
Die Füße hängen frei, werden mit Gipsbinden umwickelt, nachdem der Gips abgebunden hat, kann das Negativ-Modell ähnlich einem Schuh vom Fuß abgezogen werden. Diese Negativ-Form wird nun mit einem Trennmittel behandelt (z. B. Ausschwenken mit unverdünntem Spülmittel) und mit Gips ausgegossen. Das so erhaltene Positiv-Modell dient nun als Grundlage zur Erstellung der Einlagen.

Zahnmedizin[Bearbeiten]

Philipp Pfaff veröffentlichte 1756 das erste Lehrbuch über Zahnmedizin in deutscher Sprache: „Abhandlungen von den Zähnen des menschlichen Körpers und deren Krankheiten“. Er beschrieb dort unter anderem die Abformung des Kiefers mit Siegelwachs, wobei der erstmals mit Gips ausgegossene Abdruck als Modell zur Herstellung von Zahnersatz diente. 1840 beschleunigten die Amerikaner L. Gilbert und W. H. Dwinelle die Abbindung des Gipses durch Zusätze von Salzen und verwandelten ihn damit zu einem geeigneten Abformmaterial, dem Abformgips. Gips fand dadurch beim funktionellen Gipsabdruck bei zahnlosen Patienten Anwendung.[3] Der ausgehärtete Abdruck wird stückweise im Mund herausgebrochen und dann wieder zusammengesetzt. Anschließend wird der Gipsabdruck isoliert und das Modell hergestellt. Der Gipsabdruck wurde durch die Entwicklung von Polyäther- und Silikonmaterialien abgelöst, findet aber immer noch Anwendung bei Abformungen für eine Zahnprothese bei einem durch Knochenabbau entstandenen, sogenannten Schlotterkamm.[4]

Tierspuren[Bearbeiten]

Tierspuren (Trittsiegel), Fußabdrücke werden mit einem Gipsabdruck abgenommen. Dabei legt man um den Abdruck einen Rahmen aus einem Kartonstreifen, und gießt diesen mit flüssigem Gips aus. Nach dem Trocknen kann der Gipsabdruck sorgfältig abgehoben werden.

Reifenabdruck[Bearbeiten]

Früher wurden in der Kriminalistik bei der Spurensicherung Reifenspuren im Boden mit einem Gipsabdruck abgenommen.

Ein anderes Maßabnahmeverfahren ist der Blauabdruck.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die FAZ nannte von Behr "die Bauchmasken-Pionierin". Gelinsky, Katja: Bauch der Erinnerung, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12. Dezember 2010, Nr.49, S. 16.
  2. Kunst am Bauch: Eine Berlinerin fertigt Abdrücke von Schwangeren an Die Welt vom 11. Januar 2003
  3. Hofer O, Reichenbach E, Spreter von Kreudenstein T, Wannenmacher E: Lehrbuch der klinischen Zahnheilkunde. Johann Ambrosius Barth Verlag, Leipzig (1952) S. 538-539
  4. Heinrich F. Kappert: Zahnärztliche Werkstoffe und ihre Verarbeitung. 1. Grundlagen und Verarbeitung. Georg Thieme Verlag, 2005, ISBN 978-3-13-127148-8, S. 276 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).