Gleitstuhlplatte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Gleitstuhlplatte

Gleitstuhlplatten kommen in Eisenbahnweichen vor, die ein asymmetrisches Zungenprofil haben, welches niedriger als das in den Gleisen verwendete Regelschienenprofil ist. Die asymmetrischen Zungenprofile sind in Deutschland Standard, im europäischen Ausland werden aber auch andere Zungenprofile verwendet.

Die Besonderheit von Weichen besteht unter anderem aus dem beweglichen Bauteil Zunge, dieses wird je nach der gewünschten Lenkungswirkung der Weiche an die Backenschiene angelegt oder von ihr entfernt festgehalten. Die Zunge gleitet dabei über die Gleitstühle. Der Gleitstuhl ist eine Sonderform des Schienenstuhls mit einer Auflagefläche, auf der die Zunge gestützt hin- und hergleiten kann.

Ziel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Backenschienen müssen so befestigt sein, dass sie durch die Zugüberfahrt nicht nach außen oder innen gedrückt werden können. Die neben der Backenschiene liegende Zunge verhindert eine Befestigung mit einer normalen (im Gleis verwendeten) Rippenplatte, daher muss hierfür eine spezielle Befestigung verwendet werden. Ihr wurde der Name Gleitstuhlplatte gegeben.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorderansicht Schienenstütze Stü 7
Draufsicht Schienenstütze Stü 7

Begonnen hat die Entwicklung mit einer unelastischen äußeren Backenschienenabstützung (Stü 7).

Hierbei wurde in einem Teil der Zungenvorrichtung (vorderer Teil der Weiche) die Backenschiene mittels außenliegender Klemmplatte festgehalten, die gleichzeitig mit einer Nase/Nocken die Schiene in eine Nut am gegenüber liegenden Gleitstuhl presst.

Auf einigen Schwellen wurde dann zur Lagesicherung der Backenschiene eine äußere mit der Backenschiene verschraubte starre Abstützung angebracht. Hierzu wurde die außen liegende Schienenstütze mittels einer sogenannten Keilklemmplatte gegen die Innenseite der Schiene gedrückt. Diese Variante der Gleitstuhlplatten hatte den Nachteil, dass sie zu unelastisch war, somit wurden durch die Schwingungen nach einiger Zeit die Befestigungsschrauben der Keilklemmplatten lose bzw. die Bauteile verschlissen.

keilverspannte Schienenstütze Bauart M

Abgelöst wurde diese Technik 1958 durch die keilverspannte Schienenstütze (Bauart M). Hierbei wurde ein massiv gestaltetes Verspannungselement in die Laschenkammer der Backenschiene eingepasst und mittels Passkerbstift gegen Längsverschiebung gesichert. Das Anpressen des Verspannungselementes an die Backenschiene wurde aber ebenfalls durch die unelastische Keilklemmplatte vorgenommen. Auch hierbei zeigten sich nach einiger Zeit Lösungserscheinungen an den Verschraubungen oder durch Schwingungen ausgelöster Verschleiß an den Bauteilen.

Stand der Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab den 1970er Jahren kam daher eine elastische Befestigung der Backenschiene zum Einsatz. Diese Befestigungsart heißt IBAV (Innere Backenverspannung) und wird bis heute verwendet. Pionier war die Firma Schwihag AG.

Statt die Backenschiene von außen starr am Kippen zu hindern, wurde auf der Gleisinnenseite ein federndes Element (Spannbügel SSB) in den Gleitstuhl integriert.[1] Dieses Element hält die Backenschiene fest, kann aber den Schwingungen durch die Zugfahrt ohne ein Lösen von Bauteilen oder Verschleiß an Bauteilen widerstehen.

Gleitstuhlplatte W-Weiche

Bei der Deutschen Bahn AG wurde in einem weiteren Entwicklungsschritt die Befestigungsart der Gleitstuhlplatten verändert. So sind die Gleitstuhlplatten nun auf den Außenseiten mit Spannklemmen befestigt (siehe hierzu auch Gleitstuhlplatte W-Weiche). Geführt wird die Gleitstuhlplatte durch Winkelführungsplatten. Durch den erhöhten Federweg bei gut definierter Vorspannung ist es auch möglich, die Gleitstuhlplatten elastisch zu lagern.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Innere Backenschienenverspannung System Schwihag