Zum Inhalt springen

Global Burden of Disease

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Das Projekt Global Burden of Disease (GBD) hat sich die Quantifizierung von Todesfällen, Krankheit, Behinderung und Risikofaktoren zur Aufgabe gemacht; aufgeteilt nach Regionen und Bevölkerungsgruppen. Anhand dieser Informationen ist es möglich, wichtige Informationen abzuwägen, die von politischen Entscheidungsträgern zur Prioritätensetzung genutzt werden können.

Die GBD-Studie wurde 1992 von der Harvard School of Public Health (an der Harvard University), der Weltgesundheitsorganisation und der Weltbank ins Leben gerufen. Sie quantifiziert und untersucht 135 Krankheiten und Behinderungen und versucht anhand dieser Daten weltweit die Ursachen für Sterblichkeit und Krankheiten zu ergründen. Ziel ist es, anhand dieser Daten, Prognosen zu erstellen, die eine weltweite Verbesserung der Gesundheitszustände erlauben.

Als Maßeinheit für 'Lebensqualität' wurde das Disability-Adjusted Life Year (DALY) eingeführt – ein negativer Behinderungsindex, der bei hohen Werten eine niedrige Lebensqualität beschreibt. Das DALY misst Gesundheitslücken. Es beschreibt den Unterschied zwischen einer tatsächlichen Situation und einer idealen Situation, in der jede Person bei voller Gesundheit bis zu dem Alter lebt, das den Standardwerten der Lebenserwartung entspricht. Diese Standard-Lebenserwartung ist basierend auf Sterbetafeln bei der Geburt mit 80 Jahren für Männer und 82,5 Jahren für Frauen festgelegt. Die mit einer Behinderung gelebte und die durch vorzeitigen Tod verlorene Lebenszeit wird im DALY kombiniert: die durch vorzeitigen Tod verlorenen Lebensjahre (Years of life lost = YLL) entsprechen im Wesentlichen der Anzahl von Todesfällen multipliziert mit der verbliebenen Lebenserwartung in dem Alter, in dem der Tod vorzeitig eintritt.

Die Quantifizierung der Krankheitslast hilft mittels einer nachvollziehbaren und standardisierten Herangehensweise, Prioritäten für eine Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung zu definieren. Allerdings sollten die Informationen zu Mortalität, Risikofaktoren und Krankheitslast durch Untersuchungen zur Kosteneffektivität und Interventionen und zu sozioökonomischen und kulturellen Faktoren und Präferenzen ergänzt werden.[1]

Den Messwerten zum Verlust an Lebensqualität wird bei den andauernden Betrachtungen zum GBD der Wert der Healthy Life Expectancy (HALE) gegenübergestellt. Im Deutschen wird dafür der Begriff der Gesundheitserwartung verwendet.[2]

Ergebnisse für den Zeitraum 1990–2023

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In diesem Zeitraum stieg das globale durchschnittliche Sterbealter von 46,8 auf 63,4 Jahre an. Für Männer stieg die Zahl von 45,4 auf 61,2 und für Frauen von 48,5 auf 65,9. Das höchste Sterbealter hatten Menschen in den Regionen mit hohem Einkommen und hohem Lebensstandard. In 2023 wurden Frauen dort durchschnittlich 80,9 und Männer 74,8 Jahre alt. Das niedrigste Sterbealter hatten die Menschen in der Subsahara-Region. 2023 lebten Frauen dort durchschnittlich 38,0 Jahre lang und Männer 35,6 Jahre. Die häufigste Todesursache in 2021 war weltweit die COVID-19-Pandemie. Bis 2023 nahmen wieder die ischämische Herzerkrankung und Schlaganfall den ersten Platz ein. Vier andere Todesursachen, die früher häufig auftraten, sind stark zurückgegangen: Durchfallerkrankungen, Tuberkulose, Masern und Magenkrebs.[3]

Im Jahr 2023 kam es weltweit zu 60,1 Millionen Todesfällen, davon 4,67 Millionen bei Kindern unter 5 Jahren. Im Zeitraum 2011 bis 2023 ging die Sterblichkeit der Kinder unter 5 Jahren am stärksten in Ostasien zurück: Ein Rückgang um 67,7 %.[4]

Die Krankheitslast, gemessen in DALY ging unter Berücksichtigung der Lebenserwartung und der Zunahme der Weltbevölkerung im Zeitraum von 2010 bis 2023 um 12,6 % zurück. Dies spricht für eine langfristige Verbesserung der globalen Gesundheitsversorgung. Die größten Erfolge wurden bei der Behandlung von Infektionserkrankungen, bei der Versorgung der Neugeborenen, in der Geburtshilfe, und in der Ernährungsmedizin erreicht.[5]

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Burden 2020. Robert Koch Institut, abgerufen am 3. Dezember 2022.
  2. Life expectancy and healthy life expectancy. In: THE GLOBAL HEALTH OBSERVATORY. World Health Organization, abgerufen am 3. Dezember 2022 (englisch).
  3. Mohsen Naghavi, Hmwe Hmwe Kyu et al.: Global burden of 292 causes of death in 204 countries and territories and 660 subnational locations, 1990–2023: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2023. In: The Lancet. Band 0, Nr. 0, 12. Oktober 2025, ISSN 0140-6736, doi:10.1016/S0140-6736(25)01917-8 (thelancet.com [abgerufen am 14. Oktober 2025]).
  4. Austin E. Schumacher, Peng Zheng et al.: Global age-sex-specific all-cause mortality and life expectancy estimates for 204 countries and territories and 660 subnational locations, 1950–2023: a demographic analysis for the Global Burden of Disease Study 2023. In: The Lancet. Band 0, Nr. 0, 12. Oktober 2025, ISSN 0140-6736, doi:10.1016/S0140-6736(25)01330-3 (thelancet.com [abgerufen am 14. Oktober 2025]).
  5. Simon I. Hay, Kanyin Liane Ong et al.: Burden of 375 diseases and injuries, risk-attributable burden of 88 risk factors, and healthy life expectancy in 204 countries and territories, including 660 subnational locations, 1990–2023: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2023. In: The Lancet. Band 0, Nr. 0, 12. Oktober 2025, ISSN 0140-6736, doi:10.1016/S0140-6736(25)01637-X (thelancet.com [abgerufen am 14. Oktober 2025]).