Gnadenseil

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Das Gnadenseil war in der Herrschaft Kleve ein Seil, das bei der Huldigung eines neuen Fürsten ausgeworfen wurde. Seit dem Spätmittelalter gehört das Auswerfen des Gnadenseils zur festen Rechtstradition. „Zur gleichen Zeit sah man – einem alten, bei ähnlichen Festlichkeiten eingeführten Landesbrauch entsprechend – das große Burgtor sich öffnen; heraus trat ein Mitglied der klevischen Stände (der Sohn des Herrn Baron v. Quadt); er war zu Pferde und hatte das Ende eines langen Seiles in der Hand, das sogenannte Gnadenseil. Sogleich ergriffen mehrere zu Leibesstrafen verurteilte Verbrecher das Gnadenseil und folgten ihm, das Seil in der Hand, durch die Hauptstraßen. Zum Schloß zurückgekehrt, erhielten sie für ihre Person Geleitbriefe mit der Auflage, die ihnen gewährte Gnade abzuwarten für den Fall, daß sie nach Untersuchung der ihnen zur Last gelegten Delikte als begnadigungsfähig beurteilt würden.“[1] Der regionale Brauch wurde bis zur Französischen Revolution gepflegt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Didaskalia: Blätter für Geist, Gemüth und Publizität, Herausgegeben von J.L.Heller; Siebzehnter Jahrgang Juli – Dezember 1839 Frankfurt am Main[1]
  • Gustav von Velsen. Die Stadt Cleve, ihre nächste und entferntere Umgegend, vormals und jetzt, mit besonderer Berücksichtigung des Alterthümlichen; nebst der Mineralquelle, im Thiergarten. Ein Geleitbuch für Einheimische und für Fremde. Cleve und Leipzig. Verlag von Fr. Char. 1846[2]
  • Reformationsgeschichte der Stadt Wesel bis zur Befestigung ihres reformirten Bekenntnisses durch die Weseler Synode
    von Albrecht Wolters, Pfarrer zu Bonn
    Bonn, bei Albert Marcus. 1868.[3]
  • Franz Matenaar: Das Gnadenseil, ein alter Rechtsbrauch
    Kleve Kalender für das Klever Land – Auf das Jahr 1978, Kleve 1977, S. 190

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Courier du bas-Rhin vom 11. November 1786 zitiert in: Friedrich Gorissen, Geschichte der Stadt Kleve. Boss-Verlag, Kleve am Niederrhein 1977 (S. 10f)