Goswinus Grope

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Siegel des Goswinus Grope

Goswinus Grope OP (* in Lübeck; † nach 1368) war schon 1353 Prior im Dominikanerkloster in Lübeck, ab 1359 Titularbischof von Evelone (Abilone) und ist mit weihbischöflichen Akten in den Bistümern Cammin und Schwerin bezeugt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bischof Goswinus führte den Familiennamen Grope, einer in Lübeck seit dem 13. Jahrhundert ratssässigen Familie. Der Familienname leitet sich vermutlich vom Grapen her. Seine Schwester war die Mutter des 1363 hingerichteten Lübecker Bürgermeisters Johann Wittenborg, der seinen Onkel im Testament mit bedachte.[1] Mehrfach wurde der Bischof als Goswinus de Lubecke bezeichnet.[2]

Goswin war Dominikaner, und es darf als gesichert angenommen werden, dass er es im Lübecker Konvent bis zum Prior gebracht hat, bevor er unter dem 11. Januar 1359 zur bischöflichen Würde gelangte.[3] Das Titularbistum ist unklar, wahrscheinlich war Grope Titularbischof von Aulon.[4] Im Testament Johann Wittenborg wurde er als Episcopo Encloyensis bezeichnet und im 1367 verfassten Testament seiner Frau als ihr Beichtvater frati Nicoao priori in urbe, der Prior des Burgklosters, bezeichnet und mit einem Vermächtnis versehen.

Sein Wirkungsbereich war zunächst das Bistum Cammin, wo er 1360 nachgewiesen wurde.[5] Er weihte zu einem nicht bekannten Datum den Hauptaltar der Dorfkirche zu Groß Methling (heute Ortsteil von Dargun). Bei dessen Abbruch 1890 wurden Reste der Weiheurkunde und sein Siegel gefunden.[6]

Auch im Bistum Schwerin wurde Bischof Goswin tätig. So wirkte er am 4. Juni 1368 bei der Einweihung der Doberaner Klosterkirche und Verleihung von Ablaß bei der Heilig-Bluts-Kapelle mit.[7] In der Urkunde wurde er an erster Stelle unter den anderen hohen Geistlichen durch den Schweriner Bischof Friedrich II. von Bülow mit vollem bischöflichen Titel als reverendissimus in Christo pater et dominus Gozwinus Evelonensis ecclesie episcopus bezeichnet.

Durch die schlechte Urkundenlage sind weitere Pontifikalhandlungen für Bischof Goswin im Bistum Schwerin nicht nachzuweisen. Wann und wo er verstorben ist, auch der Ort seiner Bestattung sind nicht bekannt.

Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem spitz-ovalen Siegel steht in der Mitte des reich entwickelten hochgotischen Nischenbaus unter dem Baldachin ein Bischof. Seine rechte Hand ist zum Segen erhoben, in der linken Hand hält er den Bischofsstab mit der nach außen gewendeten Krümme. Auf beiden Seiten befinden sich vor den Säulen je ein Wappen mit drei Köpfen, vielleicht das Familienwappen.

Die noch lesbare Umschrift lautet: SIGILLUM FRATRIS GOSW(INI DEI GRATIA ... RA) EPISCOPIE EVELONENSIS:

Beim Abbruch der baufälligen Dorfkirche in Groß Methling, einem heutigen Ortsteil von Dargun, wurden 1890 sehr zerstörte Pergamentstücke als Reste der Weiheurkunde der Kirche und ein Siegel mit abgebröckelter Umschrift gefunden. Das Siegel übergab der Pastor Theodor Kittel dem Großherzoglichen Museum in Schwerin.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Gross Methling. In: Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. I. Band 1896 ISBN 3-910179-05-3, S. 574–577.
  • Konrad Eubel: Hierachia catholica medii aevi. Band I. 1913, Monasterii (Unveränderter Neudruck: Patavii/Italien 1960)
  • Josef Traeger: Goswinus Grope, OP, Bischof von Evelone. Kapitel II. Weihbischöfe. In: Die Bischöfe des mittelalterlichen Bistums Schwerin. St.-Benno-Verlag Leipzig 1984, S. 193–195.
  • Jürgen Reetz: Zwei bemerkenswerte Lübecker Geistliche des 14. Jahrhunderts: Hinricus de Culmine und Goswinus Grope. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde Band 56 (1976) S. 107-111

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bei Carl Wilhelm Pauli in Band 3 der Abhandlungen aus dem Lübischen Recht (1841), S. 357 ff. (Digitalisat)
  2. Konrad Eubel: Quellen und Forschungen aus dem Dominikanerorden. 1904 Heft 4. Nr. 15.
  3. Konrad Eubel: Hierachia catholica medii aevi. Band I., 1913 S. 20 f.
  4. Konrad Eubel:Hierachia catholica medii aevi. Band I., 1913 S. 65.; so auch Reetz (Lit.)
  5. Monatsblätter der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde, 1938. Im Verzeichnis der Camminer Weihbischöfe unter Nr. 5.
  6. Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Gross Methling. In: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin I. (1896) S. 577.
  7. Mecklenburgisches Urkundenbuch MUB Band 16 (1893) Nr. 9794.
  8. Herrmann Grotefend: Fund in der Kirche zu Gr. Methling. In: Mecklenburgische Jahrbücher Band 55 (1890) S. 287.