Daimler und Benz Stiftung

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Daimler und Benz Stiftung
Zweck: Förderung von Wissenschaft und Forschung
Vorsitz: Eckard Minx

Rainer Dietrich

Geschäftsführung: Jörg Klein
Bestehen: seit 8. August 1986
Stifter: Daimler AG (vormals Daimler-Benz AG)
Stiftungskapital: ca. 125 Mio. Euro (2016)
Sitz: Stuttgart bzw. Ladenburg (Baden)
Website: Daimler und Benz Stiftung

Die Daimler und Benz Stiftung (ehemals Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung) ist eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts und wurde 1986 von der Daimler-Benz AG (heute Daimler AG) gegründet. Als wissenschaftliche und operativ tätige Stiftung fördert sie Wissenschaft und Forschung im Themenfeld Mensch, Umwelt und Technik. Ein besonderes Anliegen der Stiftung ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Wohnhaus der Familie Benz in Ladenburg bei Heidelberg

Der Sitz ist Stuttgart, die Geschäftsstelle der Stiftung befindet sich im ehemaligen Wohnhaus der Familie Benz in Ladenburg bei Heidelberg. Zudem gibt es ein Hauptstadtbüro im Berliner Haus Huth am Potsdamer Platz.

Geschichte und Aufgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bertha und Carl Benz

Die Stiftung wurde 1986 aus Anlass des 100. Jubiläums der Erfindung des Automobils (Carl Benz meldete am 29. Januar 1886 sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zum Patent an) als „Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung“ von der Daimler-Benz AG (heute Daimler AG) gegründet. Sie ist benannt nach den beiden Unternehmensgründern Gottlieb Daimler und Carl Benz. Durch einen Beschluss des Kuratoriums der Stiftung wurde im März 2010 der Name in „Daimler und Benz Stiftung“ geändert. Mit der Bereitstellung wissenschaftlicher Ergebnisse versucht die Stiftung, frei von politischen Zuordnungen Beiträge zur künftigen Entwicklung der Gesellschaft zu leisten. Dabei sieht sie sich als Impulsgeber der Wissensgesellschaft und ist bestrebt, in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung zu erzeugen.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organe der Stiftung sind der Vorstand und der Stiftungsrat. Sie gewährleisten die Umsetzung des Stiftungsauftrags, indem sie das Förderprogramm gestalten beziehungsweise darüber entscheiden. Der Vorstand besteht aus einem Vorsitzenden – zurzeit Eckard Minx – und wenigstens einem weiteren Mitglied – zurzeit Rainer Dietrich – und wird für eine Amtsdauer von fünf Jahren gewählt. Der Stiftungsrat hat sieben Mitglieder, wovon drei Mitglieder vom Vorstand der Daimler AG und ein Mitglied vom Gesamtbetriebsrat der Daimler AG benannt werden. Drei weitere Mitglieder werden kooptiert. Sie werden ebenfalls für eine Amtszeit von fünf Jahren berufen. Aktuell setzt sich der Stiftungsrat zusammen aus:

  • Thomas Weber – Vorsitzender (Vorstandsmitglied der Daimler AG, Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung)
  • Martin Faulstich (Lehrstuhl für Rohstoff- und Energietechnologie Technische Universität Clausthal, Geschäftsführer CUTEC-Institut GmbH)
  • Matthias Kleiner (Institut für Umformtechnik und Leichtbau, Technische Universität Dortmund)
  • Michael Brecht (Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Daimler AG)
  • Kurt Schäfer (Leiter Treasury der Daimler AG)
  • Ernst Osterkamp (Institut für deutsche Literatur, Humboldt-Universität zu Berlin)
  • Wilfried Porth (Vorstandsmitglied der Daimler AG, Personal & Arbeitsdirektor)

Ehrenvorsitzender des Stiftungsrats ist Werner Breitschwerdt, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG.

Diskussion und Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In unterschiedlichen Formaten geht die Stiftung neue Wege der fachübergreifenden Forschung. In den Förderprojekten verbindet sich die Suche nach Lösungen gesellschaftlich relevanter Fragen mit neuen, in Netzwerke eingebundenen Forschungsmethoden. Als aktiv operierende Stiftung entwickelt die Daimler und Benz Stiftung die Forschungsthemen in einem ständigen Diskursprozess mit Wissenschaftlern und Experten der Praxis.

Das Forum hierfür sind die „Ladenburger Diskurse“, in denen die Eignung vorgeschlagener Themen für eine weitergehende Förderung in „Ladenburger Kollegs“ diskutiert wird. In Kollegs bearbeiten Wissenschaftler aus verschiedenen Instituten und Disziplinen für drei bis fünf Jahre ein gemeinsam entwickeltes Forschungsprogramm.

„Villa Ladenburg: Autonomes Fahren“

Gegenwärtige Förderschwerpunkte der Stiftung:

  1. Die Daimler und Benz Stiftung fördert im Projekt „Villa Ladenburg: Autonomes Fahren“ die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Auswirkungen des autonomen Fahrens. In den Jahren 2013–2015 initiierte die Stiftung ein umfangreiches Forschungsprojekt zur Thematik und legte 2015 einen Abschlussbericht vor, der kostenlos als Download zur Verfügung steht. Unter dem Titel „Autonomes Fahren: Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte“ versammelt der Band u. a. Beiträge zu folgenden Themengebieten: die Wechselwirkung zwischen Mensch und Maschine, die Auswirkungen des autonomen Fahrens auf Mobilität und Verkehr, Überlegungen zu Sicherheit, Recht und Haftung und der Ausblick auf die gesellschaftliche Akzeptanz des autonomen Fahrens. Das Forschungsprojekt wird mit dem Fokus auf maschinenethische Aspekte weitergeführt.
  2. Extreme emotionale Belastungen betreffen nicht nur den Einzelnen in seinem persönlichen Umfeld, sondern wirken sich auf die gesamte Gesellschaft aus. Zwischen Individuen gibt es jedoch enorme Unterschiede, wie sie mit Stressfaktoren umzugehen vermögen. Im Rahmen des Förderprojekts „Resilienz gegenüber Stress und Burnout“ der Daimler und Benz Stiftung werden diese Faktoren genauer unter die Lupe genommen. Ein ganzheitliches Modell soll genetische und psychologische Variablen identifizieren und miteinander verbinden. Sind die Einflussfaktoren erkannt und definiert, können sie vorbeugend oder therapeutisch zur Resilienz gegenüber Stress und Burnout genutzt werden.
  3. Das seit Oktober 2014 geförderte interdisziplinäre Forschungsprojekt „Sprachstandsermittlung bei Kindern mit Migrationshintergrund“ (Wissenschaftlicher Leiter: Prof. Dr. Jörg Roche) hat zum Ziel, ein Verfahren zur Sprachstandsmessung bei Kindern mit Migrationshintergrund im Alter von vier bis fünf Jahren zu entwickeln. Da rund ein Drittel aller derzeit in Deutschland eingeschulten Kinder einen Migrationshintergrund besitzt, ist es von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung, diese optimal zu fördern. Die heute existierenden Sprachtests sind aber zumeist gar nicht auf Kinder mit Migrationshintergrund ausgelegt. So können diesen Kindern – aufgrund einer mangelhaften Diagnose – Nachteile für ihren Lebensweg entstehen. Der Sprachtest soll als Spiel auf einem Tablet-Computer durchgeführt werden. Dabei wird eine für die Kinder entspannte Spielumgebung angestrebt, die Daten werden digital erfasst und teilautomatisiert ausgewertet. Der Test soll nicht nur präzise Ergebnisse liefern, sondern auch in der Praxis einfach anzuwenden sein.
  4. Die Einführung des Internets veränderte nicht nur das Privat- und Berufsleben der Menschen in erheblichem Maße, sondern auch deren Wahrnehmungen, Gefühle und Art der Kommunikation. Welchen Einfluss diese technologische Umwälzung auf die seelische Gesundheit nimmt, wird seitdem intensiv diskutiert. Die Psychiatrie sollte bei dieser Diskussion eigentlich eine Expertenfunktion übernehmen, doch aufgrund des Mangels an empirischen Daten ist das psychiatrische Wissen über die kausalen Zusammenhänge zwischen Internetnutzung und seelischer Gesundheit immer noch unzureichend. Das 2016 initiierte Förderprojekt „Internet und seelische Gesundheit“ geht der Frage nach, ob die Technologie „Internet“ psychische Erkrankungen hervorruft oder negativ beeinflusst. Das interdisziplinäre Wissenschaftlerteam erforscht überdies, ob tief greifende technische Entwicklungen mit bestimmten Belastungsreaktionen in der Bevölkerung einhergehen und wie diesen begegnet werden kann.

Stipendienprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stipendienprogramm

Der Fokus des Stipendienprogramms liegt auf der Förderung exzellenter Postdoktoranden und Juniorprofessoren unterschiedlicher Fachdisziplinen, um ihren wissenschaftlichen Berufsweg während der meist besonders produktiven Phase nach der Promotion zu unterstützen. Die Fördersumme beträgt 20.000 Euro pro Jahr und kann zur Finanzierung wissenschaftlicher Hilfskräfte, technischer Ausrüstung, Forschungsreisen oder zur Teilnahme an Tagungen verwendet werden. Pro Jahr werden zehn Stipendien vergeben.

Veranstaltungen und Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bertha Benz-Vorlesung
Haus Huth am Berliner Potsdamer Platz

Die Stiftung ist bestrebt, Wissenschaft bzw. wissenschaftliche Ergebnisse durch verschiedene Veranstaltungsformate in die Öffentlichkeit zu tragen:

  1. Beim „Berliner Kolloquium“ kommen seit 15 Jahren einmal jährlich Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zu einer fachübergreifenden Diskussion zusammen. Das Spektrum der Fragestellungen aus dem Spannungsfeld Mensch, Umwelt und Technik reicht von der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, der molekularen Medizin, der Neuro- und Kulturwissenschaften über die Psychologie, Ökologie, Urbanistik und Informatik bis hin zu Kommunikations- und Managemententwicklungen.
  2. Mit der Vortragsreihe „Bertha Benz-Vorlesung“ erinnert die Stiftung an die Pioniertaten von Bertha Benz (1849–1944), die voller Energie ihren Ehemann Carl Benz bei der Erfindung des Automobils zur Seite stand. Zugleich würdigt die Stiftung die Bedeutung von Frauen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Bisherige Rednerinnen waren u.a.:
    • Gret Haller (Juristin, Politikern und Publizistin, 2013)
    • Heike Hanagarth (Technik-Vorstand Deutsche Bahn AG, 2014)
    • Barbara Schneider-Kempf (Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, 2015)
    • Sonia Simmenauer (Professorin für Musikvermittlung an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2016)
  3. Seit Sommer 2009 verleiht die Stiftung im Anschluss an die Vorlesung den „Bertha Benz-Preis“ für eine herausragende ingenieurwissenschaftliche Promotion. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Bisherige Preisträgerinnen waren:
    • Friederike Brendel (Karlsruher Institut für Technologie, 2013)
    • Michaela Herr (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, 2014)
    • Britta Schramm (Universität Paderborn, 2015)
    • Fiona Sammler (Technische Universität Berlin, 2016)
  4. Im Jahr 2008 hat die Stiftung das „Innovationsforum“ ins Leben gerufen, das sich speziell an den Nachwuchs aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden wendet. Aktuelle Organisationstheorien und Managementkonzepte werden hier auf dem Prüfstand gestellt. Inhaltlicher Schwerpunkt einer zweiteiligen Reihe ist aktuell das Thema „Die Produktivität des Scheiterns“.
  5. In Kooperation mit der Daimler AG und dem Mercedes-Benz Museum veranstaltet die Stiftung die Vortragsreihe „Dialog im Museum“. Im futuristischen Gebäude des Stuttgarter Museums stellen Wissenschaftler aus den Projekten und Programmen der Stiftung ihre Erkenntnisse einer interessierten Öffentlichkeit vor und treten mit ihr in Diskussion. Jeder Vortrag konzentriert sich auf ein Spezialthema, mit dem konkrete gesellschaftliche Implikationen oder wirtschaftliche Auswirkungen verknüpft sind. Bisherige Referenten waren u. a.:
    • Lutz Gade: „Wie der menschliche Geruchssinn verzaubert wird. Die Chemie des Parfüms“ (2014)
    • Hannah Monyer: „Lernen und erinnern – ein ganzes Leben lang“ (2015)
    • Bernd Weber: „Mythos mündiger Verbraucher – der Konsument aus Sicht der Verhaltens- und Hirnforschung“ (2016)
  6. Am Potsdamer Platz in Berlin lädt die Daimler und Benz Stiftung regelmäßig zur akademischen Debatte. Das inhaltliche Portfolio dieser offenen Veranstaltungsreihe im historischen Haus Huth ist weit gefächert und bietet Wissenschaftlern die Möglichkeit, ihren Standpunkt engagiert zu vertreten und mit aktuellen Erkenntnissen ihrer Forschung zu begründen. Bisherige Referenten waren u.a.:
    • Thomas Bagger (Auswärtiges Amt, 2014)
    • Jürgen Kocka (Humboldt-Universität zu Berlin, 2015)
    • Martin Faulstich (Technische Universität Clausthal, 2016)
  7. Gemeinsam mit dem Mercedes-Benz Werk Bremen richtet die Stiftung seit 2016 die Vortragsreihe „Mensch, Umwelt, Technik“ aus, in der Wissenschaftler und Wissenschaftspublizisten über aktuelle Forschungserkenntnisse zu den Wechselbeziehungen zwischen Mensch, Umwelt und Technik informieren und zu gesellschaftlich relevanten Fragen Position beziehen. Im ersten Vortrag dieser Reihe referierte 2016 der Soziologe Dieter Hassenpflug über „Chinas Megastädte aus interkultureller Perspektive“.

Zahlreiche dieser Vorträge finden sich als Audio-Video-Podcast auf der Homepage der Stiftung sowie auf deren Youtube-Channel.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Dietrich/Kateri Jochum (Hrsg.): Teaming up: Components of Safety under High Risk. Ashgate, Aldershot, 2004; ISBN 0-7546-3435-3
  • Meinolf Dierkes/Ariane Berthoin Antal/John Child/Ikujiro Nonaka (Hrsg.): Handbook of Organizational Learning and Knowledge. Oxford University Press, Oxford, 2001; ISBN 0-19-829583-9 (auf Chinesisch bei Shanghai’s People Publishing House, 2001; ISBN 7-208-03795-7; seit 2003 auch als Paperback bei Oxford University Press)
  • Axel Michaels: Rituale – Was unser Leben zusammenhält. Spektrum der Wissenschaft Spezial, 1/11, Heidelberg, 2011; ISSN 0943-7096/ISBN 978-3-941205-64-2
  • Arnim Falk: Wie entscheiden wir? Im Widerstreit von Vernunft und Bauchgefühl. Spektrum der Wissenschaft Spezial, 1/12, Heidelberg, 2012; ISSN 2193-4452/ISBN 978-3-941205-90-1
  • Bernhard Kegel/Rainer Riemann/Frank M. Spinath: Gene und Umwelt. Wie wir werden, was wir sind. Spektrum der Wissenschaft Spezial, 2/13, Heidelberg, 2013; ISSN 2193-4452/ISBN 978-3-943702-27-9
  • Daimler und Benz Stiftung (Hrsg.): Macht. Haben wir genug davon? Edition UNIVERSITAS, Heidelberg, 2013; ISBN 978-3-943137-32-3
  • Daimler und Benz Stiftung (Hrsg.): Gret Haller: Die Wurzeln der Freiheit im Zusammenwirken von Recht und Politik, 2013 ISSN 0938-0159
  • Markus Maurer/Chris Gerdes/Barbara Lenz/Hermann Winner (Hrsg.): Autonomes Fahren: Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte.. Berlin und Heidelberg 2015; ISBN 978-3-662-45853-2
  • Daimler und Benz Stiftung (Hrsg.): Eckard Minx/Rainer Dietrich: Autonomes Fahren – Wo wir heute stehen und was noch zu tun ist. München und Berlin 2015; ISBN 978-3-492-05780-6
  • Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH (Hrsg.): Mensch, Maschine, Visionen. Wie Biologie und Technik verschmelzen (= 18. Berliner Kolloquium). Spektrum der Wissenschaft Spezial 2/15, Heidelberg 2015.
  • Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH (Hrsg.): Burnout. Die gestresste Gesellschaft (= 19. Berliner Kolloquium). Gehirn & Geist. Dossier 1/16, Heidelberg 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]