Grönländische Rechtschreibreform

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Die grönländische Rechtschreibreform wurde 1973 durchgeführt und ersetzte die Kleinschmidtsche Orthographie durch die heute übliche.

Geschichte der grönländischen Rechtschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eskimo-aleutische Sprachen hatten üblicherweise keine Schrift und wurden nur mündlich weitergegeben. Die ersten Verschriftlichungen gingen mit der christlichen Missionierung in Grönland einher. So war Hans Egede im Jahr 1750 der erste, der ein grönländisches Wörterbuch verfasste. Sein Sohn Poul Egede übersetzte 1766 das Neue Testament ins Grönländische. Egede nutzte, wie er es aus Europa gewohnt war, das Lateinische Schriftsystem. 1794 verfasste Otto Fabricius eine neue Version des Neuen Testaments. Seine Rechtschreibung unterschied sich dabei von Egedes. 1822 wurde dann von Johann Konrad Kleinschmidt eine dritte Version des Bibeltextes herausgegeben – wieder mit anderer Rechtschreibung. Vermehrt kam der Wunsch nach einer einheitlichen Rechtschreibung auf, der schließlich von Samuel Kleinschmidt, Sohn des vorigen, erhört wurde. Er wollte eine phonemische Orthographie schaffen. 1851 führte er eine Rechtschreibung ein, die auf fünf Vokalen und diakritischen Zeichen basierte, um Vokal- und Konsonantenlängen zu markieren. Zusätzlich enthielt das Alphabet mit einem Kra einen Buchstaben, der im üblichen lateinischen Alphabet nicht vorkommt. Über 100 Jahre wurde diese Kleinschmidtsche Orthographie beibehalten, bevor 1973 das System vereinfacht wurde. Hierbei fiel das Kra, das durch ein q ersetzt wurde, weg, wie auch die Diakritika, um eine möglichst einfache Schreibung mit einer handelsüblichen Tastatur zu ermöglichen.[1]

Kleinschmidtsche Orthographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von Kleinschmidt eingeführte einheitliche Rechtschreibung enthielt die folgenden Buchstaben:[2]

Majuskel A Á Â Ã B C D E Ê F G H I Í Î Ĩ J K L M N O Ô P K‘ R S T U Ú Û Ũ V W X Y Z Æ Ø Å
Minuskel a á â ã b c d e ê f g h i í î ĩ j k l m n o ô p ĸ r s t u ú û ũ v w x y z æ ø å

Eine Vielzahl der Buchstaben traten lediglich in meist dänischen Lehnwörtern auf. Zudem existierten komplizierte Konsonantenkombinationen, die jedoch keineswegs phonemisch waren.

Neue Grönländische Orthographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als 1973 die Schrift reformiert wurde, fielen viele Buchstaben weg. Übrig blieben die folgenden:[2]

Majuskel A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V X Y Z Æ Ø Å
Minuskel a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v x y z æ ø å

Hier kursiv dargestellte Buchstaben tauchen noch immer lediglich in Lehnwörtern auf.

Die Diakritika wurden nun folgendermaßen ersetzt:

Diakritikum Ersetzt durch
◌́ (Akut) Doppelung des nachfolgenden Konsonanten
◌̂ (Zirkumflex) Doppelung des Vokals
◌̃ (Tilde) Doppelung des Vokals und des nachfolgenden Konsonanten

Statt der Tilde war zuvor auch manchmal ein Gravis ◌̀ genutzt worden.

Weitere Änderungen fanden bei den Vokalen und den Konsonantenkombinationen statt, die nun phonemisch gemacht wurden.

alt neu Anmerkung
a+Vokal aa nicht im Auslaut
e i nur im Auslaut
o u nur im Auslaut
gf, vf ff
gdl, tdl, vdl ll
ngm mm
ngn, vn nn
gp pp
rĸ, vĸ qq
gs, gss, vs ss
gt, vt tt
rdl rl
ĸ q
ss s

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kenn Harper: Alphabets and Writing, North America and Greenland. In: Mark Nuttall (Hrsg.): Encyclopedia of the Arctic. Band 1. Routledge, New York und London 2003, ISBN 1-57958-436-5, S. 58–61 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. a b Michael Everson: The Alphabets of Europe. Greenlandic Kalallisut (PDF; 27 kB). 2001.