Geschriebene Sprache

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Dieser Artikel behandelt das Thema geschriebene Sprache. Zum Begriff Schriftsprache im Sinne von Normung siehe → Standardsprache.
Einige Schriften der Welt in: Synopsis Universae Philologiae (1741)

Die geschriebene Sprache, auch Schriftsprache genannt, bezeichnet ein Zeichensystem, das formal nicht festgelegt ist, jedoch speziellen Normen gehorcht und in schriftlicher Form vorliegt. Eine weitere Expressionsform in welcher sich Sprache verwirklicht ist die gesprochene Sprache.[1]

Geschriebene Sprache manifestiert sich in Texten. Am Anfang steht immer das Wort, der Gedanke, der Einfall, die jedoch im Rohzustand nur bedingt zugänglich sind. Hingegen stehen Dokumente oder Schriftstücke der Schreibforschung im physischen Zustand zur Verfügung.

Geschriebene Sprache ist ein Kulturprodukt, dass die Überwindung der Illiteralität zur Voraussetzung hat also der Entwicklung und Anwendung von Schriftzeichen zur Grundlage nimmt. Seine Verwendung als kommunikatives Mittel setzt eine Schreib- und Lesekompetenz voraus, etwa als Schrift in einer visuell-grafischen Wahrnehmung im Sinne von Schreiben, Lesen bzw. der Anwendung von Schreibmaterialien und Schriftträgern.

Entwicklung und Bedingungen der Schriftkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die volkssprachliche Schriftkultur in Europa erfuhr seit dem 13. Jahrhundert einen Aufschwung durch das Aufblühen der städtischen Kultur. Dieser Aufschwung trug dazu bei, dass nicht nur dem Adel und Klerus, sondern weiteren Bevölkerungsschichten der Zugang zur geschriebenen Sprache ermöglicht wurde. Im 14. und 15. Jahrhundert verschwanden allmählich die Signale von konzeptioneller Mündlichkeit (Gesprochene Sprache), die durch das Erscheinen konzeptioneller Schriftlichkeit (Literalität) abgelöst wurden. Treibende Kraft dafür war die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, wodurch Bücher und Zeitungen in bis dahin nicht gekannten Auflagen verbreitet und als Archiv verwendet werden konnten. Damit verbunden hat sich bis in die heutige Zeit ein medientypischer Sprachgebrauch entwickelt, dessen Wandel gerade durch die geschriebene Sprache dokumentiert wird.

Heutzutage wird häufig vernachlässigt, welchen kulturellen, soziologischen und temporär situationsbedingten Hintergrund der Schreiber zum Zeitpunkt des Umformulierens von Sprache in Schriftform hatte. Hintergrundwissen ist von großer Bedeutung, um die Intention des Autors verstehen zu können. Weiterhin wird den „Indizien des Schreibens“ (Schriftduktus, Motorik, Schreibwerkzeug) wenig Beachtung geschenkt. Instrumente wie die Schreibmaschine und der Computer haben die Aufzeichnung gesprochener Sprache wesentlich vereinfacht, da man diese mit ihnen nahezu wörtlich schriftlich protokollieren kann.

Das Verhältnis von geschriebener Sprache zur gesprochenen Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das unterschiedliche Verhältnis von gesprochener und geschriebener Sprache in der Geschichtsschreibung spiegelt sich in drei verschiedenen Positionen wider, in denen die Abhängigkeit der geschriebenen Sprache zur gesprochenen Sprache diskutiert wird.

  • Der abhängigkeitstheoretische Ansatz bezeichnet die geschriebene Sprache als sekundär, d. h. von der gesprochenen Sprache abhängig. Hierbei dient die geschriebene Sprache lediglich der Aufzeichnung von gesprochener Sprache. Geschriebene Sprache ist in ihrer Darstellungsform immer fiktional, da sie sich eines anderen Mediums bedient. Ursprünglich lag sie in gesprochener Form vor.
  • Der autonomietheoretische Ansatz meint, dass die geschriebene Sprache ihrer sekundären Funktion enthoben und der gesprochenen Sprache gleichgesetzt wird. Ihre Vertreter teilen die Auffassung, dass es sich bei gesprochener und geschriebener Sprache um zwei unterschiedliche Formen von Sprache handelt. Außerdem sind sie der Ansicht, dass durch die Auseinandersetzung mit geschriebener Sprache die Erkenntnis­tätigkeit des Individuums erweitert wird, was Auswirkungen auf seinen Umgang mit der gesprochenen Sprache haben kann.
  • Der relativierende Ansatz wägt beide Positionen gegeneinander ab und erkennt sowohl die relative Eigenständigkeit beider Sprachformen an, als auch die Verbindungen, die zwischen ihnen bestehen.

Immer mehr an Bedeutung gewinnt die Drei-Phasen-These (Planen – Formulieren – Überarbeiten), da Fragen nach der sprachlichen Formulierung von geschriebener Sprache immer erst nach der Vollendung der gedanklichen Planung behandelt werden.

Aktuell diskutiert wird ebenfalls, ob sich Gedanken­gänge nicht schon in vollkommener Satzstruktur oder zumindest in komplexen Wortgefügen (Teilsätzen) darstellen, oder ob erst die geschriebene Sprache sich dieser grammatischen Formen bedient.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elisabeth Feldbusch: Geschriebene Sprache: Untersuchungen zu ihrer Herausbildung und Grundlegung ihrer Theorie. de Gruyter, Berlin (u. a.) 1985, ISBN 978-3-11-010219-2.
  • Britta Günther, Herbert Günther: Erstsprache, Zweitsprache, Fremdsprache: Eine Einführung. Beltz-Verlag, Weinheim 2007, ISBN 978-3-407-25474-0, zu Schriftsprache: S. 42 ff.
  • Claudia Osburg: Gesprochene und geschriebene Sprache. Aussprachestörungen und Schriftspracherwerb. Schneider Verlag GmbH, Hohengehren 1997, ISBN 978-3-87116-894-9.
  • Margarete Ott: Entwicklung schriftlich-konzeptioneller Fähigkeiten im mehrsprachigen Kontext. In: Ursula Bredel, Hartmut Günther, Peter Klotz, Jakob Ossner, Gesa Siebert-Ott (Hrsg.): Didaktik der deutschen Sprache. Ein Handbuch. 1. Teilband. Paderborn 2003, ISBN 978-3-8252-8237-0.
  • Peter Stein: Schriftkultur. Eine Geschichte des Schreibens und Lesens. WBG, Darmstadt 2006, ISBN 978-3-534-15404-3.
  • Thomas Tinnefeld: Mängel in der Unterscheidung zwischen geschriebener und gesprochener Sprache im Deutschen als Fehlerursache beim schriftlichen Fremdsprachengebrauch. Shaker, Aachen 1999 (Sprache & Kultur), ISBN 3-8265-4942-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: geschriebene Sprache – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Literatursprache – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl-Ernst Sommerfeldt, Günter Starke, Dieter Nerius (Hrsg.): Einführung in die Grammatik und Orthographie der deutschen Gegenwartssprache. Bibliographisches Institut, Leipzig 1981, S. 23 f.