Grenzlandmuseum Eichsfeld

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Außenansicht des Grenzlandmuseums Eichsfeld.
Das Hauptgebäude des Grenzlandmuseums

Das Grenzlandmuseum Eichsfeld ist ein historisches Museum bei Teistungen mit angeschlossener Bildungsstätte und Rundwanderweg[1] auf der Ländergrenze zwischen Thüringen und Niedersachsen. Träger ist der gleichnamige Verein, der Grenzlandmuseum Eichsfeld e.V. Die Gedenkstätte liegt am Europäischen Grünen Band.

Geschichte des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 6 km lange Grenzlandweg mit Original-Grenzanlagen

Das Museum befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen innerdeutschen Grenzübergangs Duderstadt/Worbis. Der Grenzübergang wurde am 21. Juni 1973 auf Basis des Grundlagenvertrags für den Grenznahen Verkehr, eröffnet. Von 1973 bis 1989 nutzten fast 6 Mio. Reisende den Grenzübergang. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 wurde der Grenzübergang in Folge der Ereignisse in Berlin geöffnet. Mit der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion entfielen am 1. Juli 1990 die letzten Passkontrollen.

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mühlenturm

1995 wurde das Grenzlandmuseum Eichsfeld eröffnet. Auf über 1000 Quadratmetern wird über die Geschichte der deutschen Teilung, das Grenzregime der DDR und das Grüne Band informiert. Das Museum, das sich in den erhalten gebliebenen historischen Gebäuden des ehemaligen Grenzübergangs befindet, versteht sich als Lern- und Erinnerungsort.

Die Dauerausstellung thematisiert neben den Grenzsperranlagen, auch Aspekte des Lebens mit der Grenze (Sperrgebiet der DDR/Zonenrandgebiet der Bundesrepublik), die Organisation von Staat und Gesellschaft in der DDR, die Rolle der Staatssicherheit, Zwangsaussiedlungen aus dem Sperrgebiet, die Massenflucht von Böseckendorf und weitere Fluchten sowie die Friedliche Revolution und Grenzöffnung im Eichsfeld. Eine Quiz-App leitet Besucher durch die Ausstellung.[2]

Im Museum finden regelmäßig Sonderausstellungen, Vortragsveranstaltungen und geführte Grenzwanderungen statt. Das Workshopangebot der angeschlossenen Bildungsstätte umfasst die drei Themenschwerpunkte Geschichte, Demokratie und Umwelt.[3] Vor allem Schulen nutzen das Bildungsangebot.[4] Das Museum zählt mit seinen unterschiedlichen Angeboten über 50.000 Gäste jährlich, darunter rund 5.000 Schülerinnen und Schüler.[5]

Mühlenturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illuminierter Mühlenturm und Grenzverlauf zu 30 Jahren Grenzöffnung

Bereits im 17. Jahrhundert existierte unterhalb des Klosters Teistungenburg eine Mühle. Mit Errichtung des Grenzüberganges wurden die Mühlengebäude abgerissen, nur der Mühlenturm blieb erhalten. Der Turm wurde umgebaut und diente als Kommando- und Kontrollturm der direkten Überwachung der Grenzübergangsstelle, hier liefen auch die Signal- und Steuerungsleitungen zusammen. Auf mehreren Etagen befinden sich heute Ausstellungen zu Vertiefungsthemen wie dem Grünen Band oder dem Grenzdienst in Ost und West.

Grenzlandweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Kolonnenweg als Teil des Grenzlandweges

Ein etwa 6 Kilometer langer Rundweg führt vom Grenzlandmuseum entlang des niedersächsisch-thüringischen Grenzlandes. Dabei können an 24 Stationen ehemalige Grenzanlagen zum Teil im Originalzustand besichtigt werden, unter anderem ein Führungsturm der DDR-Grenztruppen, aber auch Anlagen von Zoll und Bundesgrenzschutz. Daneben gibt es auch Einblicke in historische und naturkundliche Themengebiete entlang der ehemaligen Grenzlinie.

Führungsstelle Pferdeberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem südlichen Ausläufer des Pferdeberges wurde ein Beobachtungsturm vom Typ BTv 4x4 als Führungsstelle errichtet. Die Führungsstelle war für einen knapp 17 Kilometer langen Grenzabschnitt zuständig. In der ersten Etage war Platz für eine Alarmgruppe. Die Führungsstelle befand sich in der obersten Etage, wo alle Signalanlagen und das Grenzmeldenetz zusammenliefen. Auf dem Dach war ein Scheinwerfer installiert. Neben dem Grenzturm befand sich noch ein Kfz-Stellplatz, von dem die Alarmgruppe schnellstmöglich in den entsprechenden Grenzabschnitt ausrücken konnte. Eine Besichtigung des Turmes ist nach Absprache und im Rahmen von Außenführungen möglich.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Grenzlandmuseum Eichsfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Am historischen Ort Geschichte erkunden. In: Website des Grenzlandmuseums Eichsfeld. Abgerufen am 15. Januar 2022.
  2. Silvana Tismer: Grenzlandwissen jetzt in einer Quiz-App testen. In: Thüringische Allgemeine. 26. Dezember 2021, abgerufen am 15. Januar 2022.
  3. Fächerübergreifendes Lernen. In: Website des Grenzlandmuseums Eichsfeld. Abgerufen am 15. Januar 2022.
  4. Britta Eichner-Ramm: Klasse aus Göttingen als 800000. Besucher im Grenzlandmuseum. In: Göttinger Tageblatt. 24. April 2019, abgerufen am 24. März 2020.
  5. Thomas Kopietz: Deutsche Teilung berührt brandaktuelle Themen. In: Hessisch-Niedersächsische Allgemeine. 13. August 2021, abgerufen am 15. Januar 2022.

Koordinaten: 51° 28′ 56,5″ N, 10° 15′ 43″ O