Großvaterparadoxon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Großvaterparadoxon handelt im Wesentlichen davon, dass ein Zeitreisender in der Zeit zurückreist, um seinen Großvater zu töten. Geschieht dies vor dessen Zusammentreffen mit der Großmutter des Zeitreisenden, ergeben sich logische Widersprüche, da der Zeitreisende seine eigene Existenz auslöscht, wodurch wiederum weder Zeitreise noch Mord geschehen könnte. Das Großvater-Paradoxon ist das am häufigsten verwendete Beispiel, um Probleme mit der Kausalität bei Zeitreisen zu illustrieren.

Problemstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Erfindung einer Zeitmaschine oder einer anderen Möglichkeit, in der Zeit rückwärts zu reisen, ergeben sich logische Probleme: Mit der Zeitreise kann eine bekannte Vergangenheit verändert werden.

Das Großvaterparadoxon wird meist folgendermaßen dargestellt: Jemand, der über die Möglichkeit der Zeitreise verfügt, reist zu einem Zeitpunkt in die Vergangenheit, der vor der Zeugung seines Vaters liegt und tötet dort seinen Großvater. Diese Situation ist paradox, weil der Zeitreisende ohne die Existenz seines Vaters, der nun wegen des Todes des Großvaters nicht geboren wird, selbst nicht geboren werden kann und folglich auch nicht hätte in der Zeit zurückreisen können, um seinen eigenen Großvater zu töten. Das Großvaterparadoxon zeigt somit, dass die Annahme, eine vergangenheitsverändernde Zeitreise durchführen zu können, zu einem logischen Widerspruch führt.

Auflösung durch ein selbstkonsistentes Universum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine mögliche Auflösung bietet ein selbstkonsistentes Universum: Es ist zwar möglich, in der Zeit zu reisen, aber nicht, dabei Kausalitätsverletzungen zu produzieren. Alles, was der Zeitreisende in der Vergangenheit tut, ist bereits Teil ebendieser Vergangenheit. Angewandt auf das Großvaterparadoxon könnte sich folgendes Bild ergeben: Der Zeitreisende versucht zwar, seinen Großvater zu töten, scheitert aber dabei oder - im Gegenteil - bewirkt sogar durch seinen Ausflug in die Vergangenheit, dass sich Grotvater und Großmutter kennen lernen.

Eng gefasst müsste genau die gleiche Vergangenheit durchlaufen werden, die bis zum Zeitpunkt der Zeitreise durchlaufen wurde (das Auftauchen des Zeitreisenden ist bereits Teil der Vergangenheit). Fasst man die Interpretation etwas weiter, so muss lediglich gefordert werden, dass alle ausgelösten Veränderungen letztlich zu identischen Ausgangsbedingungen der Zeitreise führen müssen. Der Zeitreisende kann also zwar etwas in der Vergangenheit verändern, aber nur im Rahmen enger Beschränkungen (nämlich der Forderung nach einer konsistenten Wiederherstellung der Ausgangssituation seiner Zeitreise).[1]

Fälle aus Film und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Beispiel einer solchen Zeitreise in einem selbstkonsistenten Universum bilden die letzten Kapitel des dritten Teils von Harry Potter.

Auch griechische Mythen bedienen sich dieser Möglichkeit: Aufgrund eines Orakels, das prophezeit hat, er werde durch seinen eigenen Sohn Ödipus sterben, setzt Laios diesen aus. Diese Tat wird gewissermaßen die Ursache bzw. der Anstoß, dass sich die Prophezeiung überhaupt erfüllen kann (selbsterfüllende Prophezeiung), da nun Ödipus selbst seine Pflegeeltern verlässt, um kein Vatermörder zu werden. Dadurch aber trifft er auf seinen leiblichen Vater und der Orakelspruch erfüllt sich sozusagen selbst.

Auflösung durch Parallelwelten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Viele-Welten-Interpretation

Eine weitere mögliche Auflösung des Paradoxons beruht auf der Annahme von Parallelwelten. Der Zeitreisende reist dabei nicht tatsächlich in seine eigene Vergangenheit, sondern reist in eine unabhängige Zeitlinie in einer Parallelwelt, die ab dem Ankommen des Zeitreisenden nicht mehr der ursprünglichen Vergangenheit des Zeitreisenden entspricht. Durch dieses Eintreten in eine neue Welt löscht man sich also nicht mehr selbst aus, wenn man seinen Großvater tötet, da es sich ja nur um den Großvater der Parallelwelt handelt. Der „eigene Großvater“ dagegen sorgt dafür, dass man selbst in der Gegenwart geboren wird, da er nicht mit dem anderen Großvater des Paralleluniversums interagiert. Bei dieser Annahme entsteht bei jeder Zeitreise ein eigenes Universum, da ansonsten erneut das Paradoxon entstehen würde.

Fälle aus Film und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Idee, die Zeitlinie zu verändern, wird in verschiedenen Star Trek-Filmen und -Folgen experimentiert: Durch Risse in Raum und Zeit wird die Vergangenheit (meist vorübergehend) verändert und muss im Laufe der Geschichte wieder zurückkorrigiert werden.

Auch im Film Zurück in die Zukunft wird öfters mit der Manipulation der Vergangenheit gespielt, dort wird das Phänomen auch grafisch durch den Doc veranschaulicht.

Während jedoch die klassische Parallelwelt-Auflösung davon ausgeht, dass beide Versionen der Gegenwart nebeneinander existieren, wird in den meisten Science - Fiction - Geschichten die ursprüngliche Zeitlinie ausgelöscht und durch eine alternative Zeitlinie ersetzt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • D. Deutsch, M. Lockwood: Die Quantenphysik der Zeitreise, Spektrum der Wissenschaft, November 1994, S. 50–57
  • J. Richard Gott: Zeitreisen in Einsteins Universum, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Mai 2003, ISBN 3-499-61577-0

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frank Arntzenius, Tim Maudlin: Time Travel and Modern Physics.. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.