Grotte de La Verna

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Plattform mit Blick auf den Salle de la Verna

Die Grotte de La Verna ist eine Schauhöhle in der Gemeinde Sainte-Engrâce im Département Pyrénées-Atlantiques in Frankreich. Ein 660 m langer Tunnel führt in den Salle de la Verna, der größten Halle einer Schauhöhle der Welt.[1] Die Halle hat einen Durchmesser von 250 m, eine Höhe von 194 m, eine Fläche von 5 ha und ein Volumen von 3,6 Millionen Kubikmetern.[2] Ein Fluss fließt aus halber Höhe der Ostwand in die Halle und versickert am unteren Ende der Halle in einen Versturz.

Die Halle wurde nach der Pfadfindergruppe Clan de la Verna benannt, die bei einem Rettungsversuch von Marcel Loubens geholfen haben. Loubens starb an den Folgen eines Sturzes während Erforschungen der Höhle im Jahre 1952.

Wasserfall im Salle de la Verna

2003 wurde ein normaler 4-Personen-Heißluftballon im Salle de la Verna steigen gelassen.[3]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grotte de La Verna ist Teil des 84 km langen und 1410 m tiefen Höhlensystems Gouffre de la Pierre-Saint-Martin, wozu 11 Eingänge bekannt sind.[4][5][6] Die Forschungen an diesem und anderen Höhlensystemen im Pierre-Saint-Martin-Karstgebiet dauern an. Bisher wurden 13 unterirdische Flüsse und insgesamt 288 km an unterirdischen Passagen, Kammern und Schächten kartiert.[7]

Der Großteil der Gouffre de la Pierre-Saint-Martin entstand durch die Auswaschung von kreidezeitlichem Kalkstein. Das Basisniveau des Hauptflusses wird durch schwer löslichen Schiefer des paläozoischen Grundgebirges gebildet. Die Salle de la Verna entstand an der Stelle, wo der unterirdische Fluss vom Schiefer auf Kalkstein aus dem Devon trifft. Im Laufe der Zeit fand der Fluss einen Weg durch den löslicheren Kalk und verließ die ursprüngliche Passage (die Galerie Aranzadi), die jetzt einen höheren Teil der Höhle bildet und trocken ist. Die Halle wurde durch den Prozess der Lösung und des Einsturzes gebildet, was vor etwa 200.000 Jahren begann.[8] Die Diskordanz zwischen den Gesteinen des Paläozän und des Mesozoikum ist an den Wänden der Halle sichtbar.[9]

Der durch die Halle fließende Fluss hat seinen Ursprung in den Infiltrationszonen des etwa 2000 m hohen Kalksteinplateaus und erscheint in Quellen 1500 m tiefer, im Tal von Sainte-Engrâce, an der Oberfläche.

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dieser mineralischen Welt lebt eine einzigartige Gemeinschaft von Tieren, die sich an die Dunkelheit von Höhlen angepasst hat. Es handelt sich um kleine wirbellose Tiere, die blind und unpigmentiert sind. Zwei der in La Verna am häufigsten gesichteten Tiere sind die Aphaenops loubensi und Aphaenops cabidochei.[10] Um zu überleben, benötigen diese Insekten eine mit Feuchtigkeit gesättigte Umgebungsluft. Die Weibchen legen nach der Befruchtung ein einziges Ei, aus dem eine kleine Larve schlüpft. Im Gegensatz zu den Verwandten an der Oberfläche, entwickelt sich die Larve direkt zu einem adulten Tier, ohne Nahrung aufnehmen zu müssen. Der Biologe Michel Cabidoche erforschte diese Tiere in den 60er-Jahren. Seit der Eröffnung von La Verna für Besucher im Jahre 2010 überwacht eine Gruppe aus Forschern des Muséum national d’histoire naturelle, unter der Leitung von Arnaud Faille, die Entwicklung der Tiere.[11]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1950–51: Entdeckung und Erforschung des 320 m tiefen Lépineux-Schacht im Bergmassiv La Pierre Saint Martin (zu dieser Zeit der tiefste befahrene Schacht).
  • 13. August 1952: Marcel Loubens starb an den Folgen eines Sturzes während Forschungsarbeiten in dieser Höhle.[12]
  • 13. August 1953: Georges Lépineux, Jimmy Théodor, Daniel Eppely, Michel Letrône und Georges Ballandraux, unterteilt in zwei Gruppen, entdeckten die Salle de la Verna. Während eine Gruppe nach dem Weg suchte, folgte die zweite Gruppe und vermaß die Halle. Sie trafen im Salle de la Verna zusammen und hinterließen dort ihre Namen. Damit fanden sie die damals größte unterirdische Halle und setzten einen neuen Tiefenrekord.
  • 1956–60: Die Électricité de France (EDF) beschloss einen Tunnel zu bauen, um den unterirdischen Fluss zur Stromerzeugung zu nutzen. Die Bauzeit des Tunnels betrug vier Jahre, jedoch wurde das Projekt aus technischen Gründen aufgegeben. Höhlenforscher benutzten diesen Tunnel von nun an als Abkürzung bei Forschungsarbeiten.
  • 2000: Das Unternehmen Société Hydroélectrique du Midi (SHEM) führte das Projekt zur Stromerzeugung fort.
  • Januar 2006: Arbeiten am Projekt begannen. Es wurde eine Zufahrtsstraße gebaut und der Tunnel saniert. In der Höhle wurde ein Damm im Fluss errichtet, der an der Mündung des Flusses in die Salle de la Verna den Fluss etwas anstaut und so ein 200 Kubikmeter großes Wasserreservoir bildet. Über 3 km Druckrohre wurden durch die Kammer und den Tunnel, bis hin zu einem Wasserkraftwerk verlegt. Die enge Kooperation von SHEM, Höhlenforschern und den Gemeinden ermöglichte, dass La Verna für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte.[13]
  • Juni 2007: Die Gemeinden arbeiteten als eine Syndicat intercommunal à vocation unique (SIVU) zusammen und bestätigten die Nutzung der Höhle durch die Höhlenforschervereinigung des Département Pyrénées-Atlantiques. Um dies zu ermöglichen, gründeten die Höhlenforscher ein kleines Unternehmen, welches geführte Touren anbietet.
  • 1. Juli 2010: La Verna wurde als Schauhöhle eröffnet.[14] Die Höhle ist nun für alle zugänglich, auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Grotte de La Verna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Valorisation touristique de la salle souterraine La Verna Pierre Saint-Martin - Ministère du Développement durable. developpement-durable.gouv.fr, archiviert vom Original am 2. April 2015; abgerufen am 26. März 2015 (französisch).
  2. Archived copy. Archiviert vom Original am 8. Juni 2015; abgerufen am 27. Januar 2015.
  3. On a volé sous la terre. free.fr, abgerufen am 26. März 2015 (französisch).
  4. Naissance d’un géant – Spéléo Tritons. clan.des.tritons.free.fr, abgerufen am 26. Februar 2017 (französisch).
  5. Les cavités les plus longues. (Nicht mehr online verfügbar.) In: ARSIP. L'Association de Recherche Spéléologique Internationale de la Pierre St Martin, ehemals im Original; abgerufen am 26. April 2016 (französisch).@1@2Vorlage:Toter Link/s391384129.onlinehome.fr (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  6. Les cavités les plus profondes. In: ARSIP. L'Association de Recherche Spéléologique Internationale de la Pierre St Martin, archiviert vom Original am 25. November 2016; abgerufen am 20. April 2016 (französisch).
  7. Synthèse générale des réseaux du massif de la Pierre Saint Martin. ARSIP, November 2020, abgerufen am 15. Dezember 2020 (französisch).
  8. John Gunn: Encyclopedia of Caves and Karst Science. ISBN 1-57958-399-7.
  9. Ligierr, Vincent: Discordance hercynienne dans la salle de la Verna, gouffre de la Pierre Saint Martin. In: Planet Terre. ENS de Lyon, 2008, abgerufen am 30. März 2015 (französisch).
  10. Aphoenops ochsi cabidochei-Aphaenops de Cabidoche-Présentation. mnhn.fr, abgerufen am 26. März 2015 (französisch).
  11. De la vie à La Verna. SudOuest.fr, abgerufen am 26. März 2015 (französisch).
  12. Le drame du gouffre de la Pierre-Saint-Martin. Le Figaro, abgerufen am 26. März 2015 (französisch).
  13. Martine LE BEC: Magazine H2o - 2. Une cavité souterraine devenue centrale électrique - Un barrage au centre de la Terre - Infrastructures-Développement durable. h2o.net, archiviert vom Original am 2. April 2015; abgerufen am 26. März 2015 (französisch).
  14. Saint-Engrace (64) : les grottes de La Verna ouvrent leurs portes au public. SudOuest.fr, abgerufen am 26. März 2015 (französisch).
  15. La grotte de La Verna reçoit le prix de l'accessibilité. SudOuest.fr, abgerufen am 27. März 2015 (französisch).

Koordinaten: 42° 58′ 45,6″ N, 0° 47′ 46,2″ W