HMS Ocean (1898)

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Flagge
HMS Ocean
HMS Ocean
Übersicht
Typ Linienschiff
Bauwerft

Marinewerft Devonport, Plymouth

Kiellegung 15. Februar 1897
Stapellauf 5. Juli 1898
Indienststellung 20. Februar 1900
Verbleib 18. März 1915 nach Minentreffer
in den Dardanellen gesunken
Technische Daten
Verdrängung

12.950 ts,

Länge

131,5 m (431 ft)

Breite

022,6 m (74 ft)

Tiefgang

007,9 m (26 ft)

Besatzung

750 Mann (Frieden)

Antrieb
Geschwindigkeit

18 kn, 19,18 kn bei Abnahme

Reichweite

?? sm bei ?? kn

Bewaffnung
Treibstoffvorrat

?? t Kohle

Gürtelpanzer

152 mm (6 in)

Deck

25–52 mm (1–2 in)

Panzerschotts

151–254 mm (6–10 in)

Türme

203 mm (8 in)

Barbetten

305 mm (12 in)

Kasematten

152 mm (6 in)

Kommandoturm

305 mm (12 in)

Die vierte HMS Ocean war ein Linienschiff der Canopus-Klasse der britischen Royal Navy. Sie war das erste Linienschiff, das auf der Staatswerft Devonport gebaut wurde und dort 1898 vom Stapel lief. Die Schiffe waren für den Fernen Osten entwickelt worden und sie kam nach kurzem Einsatz bei der Mittelmeerflotte auf der China Station zum Einsatz. Seit 1910 gehörte sie zur Reserve und wurde bei Kriegsbeginn wieder aktiviert. Seit Herbst 1914 gegen die Türkei im Einsatz, war sie am 18. März 1915 am Versuch der alliierten Flotte, die Durchfahrt durch die Dardanellen zu erzwingen, beteiligt. Beim Rückzug erlitt sie einen Minentreffer und ging verloren. Den Begleitzerstörern gelang es, die Besatzung bis auf einen Mann zu retten.

Die Linienschiffe der Canopus-Klasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sechs Schiffe wurden von Sir William Henry White entworfen. Sie waren für den Einsatz im Fernen Osten vorgesehen. Zum Zeitpunkt ihrer Konstruktion begannen Russland und Japan mit dem Aufbau einer mächtigen und potentiell gefährlichen Flotte in Ostasien, wobei allerdings die Japanische Flotte weitgehend in Großbritannien gebaut wurde. Die Schiffe mussten in der Lage sein, den Sueskanal zu passieren. Sie waren leichter (ca. 2000 tons), schneller und geringfügig länger als ihre Vorgänger der Majestic-Klasse. Um Gewicht zu sparen, wurde die Panzerung verringert. Aufgrund der leichteren Panzerung wurden sie anfangs als Schlachtschiffe zweiter Klasse (second-class battleships) eingestuft. Nur beim letzten Schiff der Klasse, der HMS Vengeance fiel durch die Verwendung der moderneren Krupp-Panzerung der Verlust an Schutzwirkung geringer aus, als es die numerische Verringerung der Stärke der Panzerung erwarten ließ.[1] Teil der Panzerung war ein neuartiges Panzerdeck von einer Stärke von ein bis zwei Zoll über dem Gürtelpanzer. Dieses Panzerdeck sollte gegen Steilfeuer aus Haubitzen schützen. Nach Berichten plante Frankreich die Installation von Haubitzen auf Kriegsschiffen, letztendlich erwiesen sich diese Berichte jedoch als falsch.[2]

Bau- und Einsatzgeschichte der HMS Ocean[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die als viertes Schiff der Klasse vom Stapel gelaufene HMS Ocean stellte am 20. Februar 1900 in Devonport als drittes Schiff in Dienst und diente dann bei der Mittelmeerflotte zusammen mit dem Typschiff HMS Canopus. Im Januar 1901 verlegte sie auf die China Station, wo sie bis 1905 verblieb. Dort waren bis zu fünf Schiffe der Klasse im Einsatz. Als die Ocean eintraf, waren dort schon die Schwesterschiffe HMS Goliath, HMS Glory und HMS Albion im Einsatz. Im September 1902 wurde die Ocean in einem Taifun beschädigt und musste bis in das Jahr 1903 hinein repariert werden.

Als zwischen Großbritannien und Japan die Anglo-Japanische Allianz 1905 vereinbart wurde, reduzierte die Royal Navy ihre Präsenz auf der China Station und zog alle Linienschiffe ab. Am 7. Juni 1905 verließen Ocean und das Linienschiff HMS Centurion Hongkong und liefen nach Singapur, wo sie mit den Schwesterschiffen der Ocean, HMS Albion und HMS Vengeance zusammentrafen, mit denen sie am 20. Juni 1905 die Heimreise fortsetzten. Die vier Linienschiffe erreichten am 2. August Plymouth.[3] Ocean ging in Reserve in Chatham Dockyard[4] zu einer planmäßigen Instandsetzung, da ihr Abzug aus China sowieso geplant war, und ihr Schwesterschiff Goliath sich zum Zeitpunkt der Umorganisation schon bis Colombo auf dem Ausmarsch befunden hatte.

Am 2. Januar 1906 wurde die Ocean für die Channel Fleet wieder in Dienst genommen, bei der sie zusammen mit den Schwesterschiffen Albion, Canopus und Vengeance eingesetzt wurde. In den Monaten Januar bis März 1907 und April bis Juni 1908 wurde sie in Chatham überholt.[4] Nach der zweiten Überholung kam sie erneut für die Mittelmeerflotte in Dienst, wo auch die Schwesterschiffe Canopus und Glory eingesetzt wurden. Die Flotten der Royal Navy verfügten in dieser Zeit in der Regel über Linienschiffe verschiedener Klassen.

Während einer Überholung in Malta im Winter 1908 auf 1909[4] erfolgte der Einbau einer modernen Feuerleitanlage.[5]

Die Ocean wurde am 16. Februar 1910 der 4. Division der neu organisierten Home Fleet zugewiesen, der nach und nach alle sechs Schiffe der Canopus-Klasse zugeteilt wurden und der Reservistenausbildung dienten. In dieser Zeit bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die Ocean 1910 und 1911 auf 1912 in Chatham überholt.[4] Ab 1913 war sie, wie ihre Schwesterschiffe Canopus, Albion und Goliath, in Pembroke Dock, Wales, als Teil der 3. (Reserve)Flotte[5] stationiert.

Kriegseinsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, bildete die Ocean mit ihren fünf Schwesterschiffen das 8. Schlachtgeschwader bei der Kanalflotte. Am 14. August 1914[5] war die Ocean einsatzbereit.

Bugturm der Ocean

Am 21. August wurde sie nach Queenstown, Irland, entsandt, um dort als Wachschiff zu dienen und die in diesem Bereich tätigen Kreuzer zu unterstützen. Im September 1914 wurde sie zur Kap Verden-Kanarische Inseln-Station entsandt, um das Schwesterschiff Albion abzulösen. Noch auf dem Ausmarsch wurde das Ziel geändert und sie sollte dann zur East Indies Station gehen, um die dortigen Kreuzer beim Schutz von Geleitzügen im Mittleren Osten zu unterstützen. So begleitete sie im Oktober 1914 den Transport indischer Truppen nach Bahrain und war dann von Oktober bis Dezember 1914 das Flaggschiff der im Persischen Golf gegen Basra eingesetzten Einheiten.[4]

Im Dezember 1914 verlegte die Ocean nach Sues. Sie war am 29. Dezember am Südausgang des Sueskanals verankert und blieb dort bis Mitte Januar 1915, um dann nach Norden zu verlegen. In der Nacht vom 3. zum 4. Februar unterstützte sie die Bodentruppen bei der Abwehr eines türkischen Angriffs auf den Kanal.[4]

Ende Februar 1915 verlegte die Ocean zu den Dardanellen. Am 1. März bombardierte sie mit anderen die Forts am äußeren Eingang der Meerenge und wurde dabei von den mobilen türkischen Küstenartillerie-Batterien getroffen, erlitt aber keinen erheblichen Schaden. Am 4. März unterstützte sie die Landungen britischer Truppen bei Sedd el Bahr.[4] Am 18. März beteiligte sich die Ocean mit den Schwesterschiffen Albion und Vengeance am Angriff auf die inneren Forts[4] und dem vergeblichen Versuch der alliierten Flotte, den Durchbruch durch die Dardanellen zu erzwingen.

Nach dem Untergang der Bouvet nach einem (nicht erkannten) Minentreffer, lief das Linienschiff Irresistible beim Rückzug ebenfalls auf eine Mine in der Bucht von Erenkui. Zerstörer evakuierten das liegengebliebene Schiff weitgehend. Nur der Kommandant blieb mit einigen Freiwilligen an Bord, um eine Bergung des Schiffes zu unterstützen. Der Ocean wurde befohlen, die Irresistible abzuschleppen. Dabei lief sie erst im flachen Wasser der Bucht auf Grund, konnte sich aber selbst befreien. Es erwies sich jedoch unmöglich, die Irresistible wegen ihrer inzwischen starken Schlagseite und dem schweren Abwehrfeuer der Türken abzuschleppen. Ocean übernahm daher nur deren verbliebene Restbesatzung und überließ die Irresistible ihrem Schicksal.

Verlust der Ocean[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des weiteren Rückzuges mit Irresistible's Überlebenden an Bord, lief auch noch die Ocean um 19:00 Uhr auf eine Mine. Ihr Ruder blockierte auf „Hart Backbord“, sie hatte erhebliche Wassereinbrüche und nach kurzer Zeit 15° Schlagseite nach Steuerbord. Dazu wurde sie von der Küste beschossen und erlitt Treffer, die die Steuerbordmaschine außer Gefecht setzten und Reparaturen verhinderten. Das schwer beschädigte Schiff wurde daher gegen 19:30 Uhr aufgegeben, nachdem die Begleitzerstörer die Besatzung abgeborgen hatten. Trotz der schweren Schäden war nur ein Todesopfer zu beklagen.[6]

HMS Ocean trieb in die Morto Bay, wurde weiter beschossen und sank dort unbeobachtet von den Alliierten gegen 22:30 Uhr. Irresistible sank ebenfalls unbeobachtet schon kurz nach 19:30.[7]

Damit die Linienschiffe nicht den Türken in die Hände fallen konnten, schickte das alliierte Oberkommando in der Nacht den Zerstörer HMS Jed in die Bucht, um beide Schiffe mit Torpedos zu versenken. Er konnte von den inzwischen gesunkenen Schiffen nichts mehr finden.[8]

Seitenriss und Decksplan, Brassey's Naval Annual 1906

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Raymond A. Burt: British Battleships 1889–1904. Naval Institute Press, Annapolis MD 1988, ISBN 0-85368-914-8.
  • Roger Chesneau, Eugene M. Kolesnik (Hrsg.): Kriegsschiffe der Welt 1860 bis 1905. Band 1: Großbritannien und Deutschland. Bernard & Graefe, Koblenz 1983, ISBN 3-7637-5402-4.
  • James J. Colledge, Ben Warlow: Ships of the Royal Navy. The complete record of all fighting ships of the Royal Navy from the 15th century to the present. Chatham, London 2006, ISBN 1-86176-281-X.
  • Randal Gray (Hrsg.): Conway's All The World's Fighting Ships, 1906–1921. Naval Institute Press, Annapolis MD 1986, ISBN 0-87021-907-3.
  • Randolph Pears: British Battleships 1892–1957. Putnam, London 1957, (Facsimile edition. Godfrey Cave Assoc., London 1979, ISBN 0-906223-14-8).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Linienschiffe der Canopus-Klasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pears, S. 20 f.
  2. Conway's All the World's Fighting Ships 1860–1905, S. 35
  3. Burt, S. 97
  4. a b c d e f g h Burt, S. 156.
  5. a b c Conway's All The World's Fighting Ships 1906–1921, S. 8
  6. RN Casuality list
  7. Burt, S. 174
  8. Burt, S. 156, 174