Halitgar von Cambrai

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Halitgar von Cambrai (fr.: Halitgaire; lat.: Halitgarius; * vor 817; † 830 oder 831) war von 817 bis zu seinem Tod Bischof von Cambrai im heutigen Nordfrankreich. Er ist bekannt als Apostel der Dänen und als Verfasser eines im Mittelalter weit verbreiteten Bußbuches.

Im Jahre 822 oder 823 reiste er mit Erzbischof Ebo von Reims und Bischof Willerich von Bremen nach Dänemark, um dort die von Kaiser Ludwig dem Frommen und Papst Paschalis geförderte Nordmission zu beginnen. Diese Arbeit war allerdings nicht mit viel sofortigem Erfolg gekrönt. 823 weihte er die Kirche und die Reliquien des Hlg. Ursmar (Ursmer) in der Abtei Lobbes im Hennegau. 825 überbrachten er und Amalarius von Metz die Beschlüsse der Pariser Synode zum Ikonoklasmus an Ludwig den Frommen.[1] 828 reiste er als Gesandter Kaiser Ludwigs des Frommen nach Byzanz.[2]

829 nahm er an der Pariser Synode teil, die sich gegen den Gebrauch unzureichender Bußbücher aussprach. Erzbischof Ebo von Reims beauftragte ihn danach auf der Grundlage der Lehren der Kirchenväter ein neues und für den gesamten Metropolitanbereich von Reims verbindliches Bußbuch zusammenzustellen, um der herrschenden Verwirrung im Gebrauch der überkommenen Bußbücher ein Ende zu bereiten. Daraufhin verfasste er das Werk: „De vitiis et virtutibus et ordine poenitentialium“ (früher Rabanus Maurus zugeschrieben). Die Aufgabe war schwierig, denn die Form von Disziplin und Buße, die den zu dieser Zeit verbreiteten keltischen Bußbüchern zu Grunde lag, war den Kirchenvätern unbekannt. Halitgar vollendete sein Werk im Jahre 830.

Er starb 830 oder 831. Sein Nachfolger als Bischof von Cambrai wurde Theoderich (Dietrich). [3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Halitgar. In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Aufl. Band 7, Altenburg 1859, S. 874 (online bei zeno.org).
  • Josef Raith (Hrsg.): Die altenglische Version des Halitgar'schen Bussbuches. (Sog. Poenitentiale Pseudo-Ecgberti). 2., mit einem neuen Vorwort versehene, berichtigte und ergänzte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1964.
  • Raymund Kottje: Die Bußbücher Halitgars von Cambrai und des Hrabanus Maurus. Ihre Überlieferung und ihre Quellen (= Beiträge zur Geschichte und Quellenkunde des Mittelalters. 8). de Gruyter, Berlin u. a. 1980, ISBN 3-11-007666-7 (Zugleich: Bonn, Universität, Habilitations-Schrift, 1965).
  • Raimund Kottje: Halitgar von Cambrai. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 4, Artemis & Winkler, München/Zürich 1989, ISBN 3-7608-8904-2, Sp. 1876–1877.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rosamond McKitterick: The Frankish Kingdoms under the Carolingians, 751–987. Longman, London u. a. 1983, ISBN 0-582-49005-7, S. 133.
  2. Samuel Macauley Jackson (Hrsg.): The New Schaff-Herzog Encyclopedia of Religious Knowledge. Band 5: Goar – Innocent. 3rd edition. Baker Book House, Grand Rapids MI 1953, S. 122.
  3. Thomas Bauer: THEODERICH I., Hl., Bisch. von Cambrai. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 11, Bautz, Herzberg 1996, ISBN 3-88309-064-6, Sp. 836–839.
Vorgänger Amt Nachfolger
Hildwart Bischof von Cambrai
817-830
Dietrich