Hanban

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Hanban (chinesisch 漢辦 / 汉办, Pinyin Hànbàn ‚Chinesisch-Büro‘) ist der allgemein gebräuchliche Kurzname für eine außenpolitische Kulturorganisation der Volksrepublik China. Hanban ist dem Zentralen Propaganda-Department (中國共產黨中央委員會宣傳部 / 中国共产党中央委员会宣传部, kurz: 中宣部, Zhōng Xuān Bù, englisch seit 1998: Central Publicity Department) der Kommunistischen Partei Chinas unterstellt, das heißt dem Büro für Auslandspropaganda. Im Staatsapparat ist Hanban dem Bildungsministerium zugeordnet. Im Leitungsrat von Hanban sind 12 Staatsministerien und Behörden vertreten, insbesondere das State Council Information Office SCIO (das staatliche Pendant zum Propaganda-Department der Kommunistischen Partei) und das Außenministerium, und zwar in der Regel mit den jeweiligen Zuständigen für Auslandspropaganda. Die Vorsitzende dieses obersten Hanban-Gremiums ist Liu Yandong. Die Generaldirektorin von Hanban ist Xu Lin, Vizeministerin und Staatsratsmitglied.

Die Aufgaben sind:

  • weltweite Verbreitung von chinesischer "soft power", insbesondere als Gegengewicht zur US-Popkultur
  • Verbesserung des bislang überwiegend negativen Images der Volksrepublik in Nordamerika, Europa und bei Chinas asiatischen Nachbarländern
  • Isolierung und kulturelle Bekämpfung von "Feinden" der Volksrepublik, vor allem der R.O.C. Taiwan und von Falun Gong
  • Förderung und Verbreitung der chinesischen Kultur und Sprache, das heißt der vereinfachten Schriftzeichen der Volksrepublik (im Gegensatz zur traditionellen Schrift aus vorkommunistischer Zeit, die heute noch in Taiwan, Hongkong und bei Auslandschinesen verwendet wird).

Konkret ist Hanban vor allem die Hauptverwaltung der weltweit über 470 Konfuzius-Institute und 850 Konfuzius-Klassenzimmer, die als Joint-Ventures mit ausländischen Bildungsinstitutionen, meist Universitäten, organisiert sind und von ausländischen Steuerzahlern ko-finanziert werden. Diese Einrichtungen sind nicht zu verwechseln mit den bislang weltweit rund 20 chinesischen Kulturinstituten (Chinese Culture Centres Abroad), die allein von der Volksrepublik finanziert werden und dem Kulturministerium unterstehen. Hanban ist dafür zuständig, Dienstleistungen und Materialien für den Erwerb von chinesischen Sprach- und Kulturkenntnissen zur Verfügung zu stellen und auf Übereinstimmung mit den Gesetzen und Vorschriften der Volksrepublik, das heißt "Marxismus-Leninismus, Mao-Zedong-Gedanken und Deng-Xiaoping-Theorien", zu überwachen. Die Personalauswahl, die jährlichen Programm-Pläne und die Veranstaltungen der Konfuzius-Institute sind von Hanban zu genehmigen.[1]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Hànbàn ist die Kurzform von (chinesisch 國家漢語國際推廣領導小組辦公室 / 国家汉语国际推广领导小组办公室, Pinyin Guójiā Hànyǔ Guójì Tuīguǎng Lǐngdǎo Xiǎozǔ Bàngōngshì ‚Staatliches Führungsgruppenbüro für die internationale Verbreitung der chinesischen Sprache‘).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Falk Hartig: Chinese Public Diplomacy. The rise of the Confucius Institute, Routledge 2016
  • Marshall Sahlins: Confucius Institutes. Academic Malware, Prickly Paradigm Press, 2015
  • Anne-Marie Brady: China's Thought Management, Routledge 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationsseite des Hanban. Abgerufen im 10. Oktober 2014.