Handelsfachwirt

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Geprüfter Handelsfachwirt ist ein öffentlich-rechtlich anerkannter Abschluss auf Meisterebene, der nach einer erfolgreich absolvierten branchenbezogenen kaufmännischen Aufstiegsfortbildung gemäß Berufsbildungsgesetz vergeben wird. Die bundeseinheitliche Prüfung erfolgt auf Grundlage einer besonderen Rechtsverordnung vor dem Prüfungsausschuss einer Industrie- und Handelskammer (IHK).

Arbeitsgebiete und Aufgaben[Bearbeiten]

Handelsfachwirte übernehmen in Handelsunternehmen des Groß- und Einzelhandels qualifizierte Fach- und Führungsaufgaben der mittleren Ebene.

Handelsfachwirte arbeiten in Einzel- und Großhandelsunternehmen aller Wirtschaftsbereiche: in Einzelhandelsgeschäften und -ketten, Filialgeschäften und Zweigstellen, in Fachmärkten, Warenhäusern, bei Vertragshändlern und -niederlassungen, bei Handels- und Werksvertretungen sowie in Versandhandelsunternehmen.

Fortbildungsinhalte[Bearbeiten]

Für die Weiterbildungsprüfung zum Handelsfachwirt existierten zunächst keine bundeseinheitlichen rechtlichen Regelungen. Von den zuständigen Industrie- und Handelskammern wurden jedoch eigene Vorschriften erlassen. Da die Aufstiegsfortbildung zum Handelsfachwirt einen hohen Verbreitungsgrad erlangte – 1995 etwa gab es 74 bestehende kammerrechtliche Regelungen – lag schließlich eine Bundesregelung nahe: Am 17. Januar 2006 trat die bis heute gültige bundesweite Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Handelsfachwirt/Geprüfte Handelsfachwirtin (HandelsfachwPrV)[1] in Kraft.

Die Fortbildung zum Geprüften Handelsfachwirt untergliedert sich danach in Pflichtthemen sowie einem optionalen Wahlthema. Die Pflichtinhalte sind Unternehmensführung und -steuerung, Handelsmarketing, Führung und Personalmanagement, Volkswirtschaft für die Handelspraxis sowie Beschaffung und Logistik.

Zusätzliche Wahlinhalte sind: Handelsmarketing und Vertrieb, Handelslogistik, Außenhandel sowie Mitarbeiterführung und -qualifizierung.[2] Die Ablegung der Prüfung im Wahlpflichtfach Mitarbeiterführung und Qualifizierung gilt zugleich als schriftliche Prüfung nach der Ausbildereignungsverordnung.[3] Zwischen den Fachbereichen Handelsmarketing und Handelsmarketing und Vertrieb, Führung und Personalmanagement und Mitarbeiterführung und Qualifizierung sowie Beschaffung und Logistik und Handelslogistik gibt es eine Reihe von Überschneidungen.[4]

Fortbildungsdauer[Bearbeiten]

Lehrgänge zur Prüfungsvorbereitung können in Vollzeit oder berufsbegleitend absolviert werden und dauern in der Regel zwischen 3 und 24 Monaten. Für die Zulassung zu der Prüfung ist die Teilnahme an einem Lehrgang allerdings nicht verpflichtend.

Inzwischen gibt es für Abiturienten im Rahmen einer erweiterten dualen Ausbildung Bildungsgänge, die im ersten Abschnitt zur kaufmännischen Abschlussprüfung (beispielsweise zum Kaufmann im Einzelhandel) und in einem weiteren Abschnitt zur Prüfung zum Geprüften Handelsfachwirt führen.

Prüfungszulassungsvoraussetzungen[Bearbeiten]

Zur Prüfung zugelassen werden kann, wer eine mit Erfolg abgelegte Abschlussprüfung in einem anerkannten dreijährigen kaufmännischen Ausbildungsberuf im Handel und danach eine mindestens einjährige Berufspraxis, eine mit Erfolg abgelegte Abschlussprüfung zum Verkäufer oder in einem anderen anerkannten Ausbildungsberuf und danach eine mindestens zweijährige Berufspraxis oder eine mindestens fünfjährige Berufspraxis im Handel nachweist. Diese Voraussetzungen müssen zum Zeitpunkt der mündlichen Prüfung erfüllt sein.[5]

Prüfungsdurchführung und Abschluss[Bearbeiten]

Die Prüfung umfasst einen schriftlichen sowie einen mündlichen Teil. Im schriftlichen Teil werden die fünf Pflichtfächer und das jeweilige vorab gewählte Schwerpunktfach geprüft.

Dauer: Unternehmensführung und -steuerung 120 Minuten; Handelsmarketing 90 Minuten; Führung und Personalmanagement 90 Minuten; Volkswirtschaft für die Handelspraxis 60 Minuten; Beschaffung und Logistik 90 Minuten. Für das Wahlpflichtfach stehen ebenfalls 90 Minuten zur Verfügung.

In der schriftlichen Prüfung stellt die IHK eine Formelsammlung zur Verfügung; neben Schreibgerät und nichtprogrammierbarem Taschenrechner dürfen die Teilnehmer Gesetze bzw. Gesetzessammlungen (beispielsweise Gesetzestexte für Fachwirte) mitbringen. [6]

Der mündliche Teil besteht zunächst aus einer zehnminütigen Präsentation über ein selbstgewähltes Thema aus zwei verschiedenen Handlungsbereichen. Daran schließt sich ein Fachgespräch von ca. 20 Minuten Dauer an.

Nach erfolgreichem Abschluss aller Prüfungsteile vergibt die prüfende IHK den öffentlich-rechtlich anerkannten Abschluss Geprüfter Handelsfachwirt. Der öffentlich-rechtliche Abschluss gehört zur 2. Fortbildungsebene der IHK.

Mit erfolgreichem Abschluss erhält jeder Absolvent laut Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung.[7]

Seit Mai 2013 gilt der DQR - der Deutsche Qualifikationsrahmen - in Deutschland als eingeführt. Hier wird der IHK-Fachwirt in Stufe 6 eingeordnet. Somit ist er gleichwertig, jedoch nicht gleichartig, wie z.Bsp. folgende Abschlüsse: Meister oder Bachelor. Mit dieser Einführung wurde ein europäischer Prozess, hin zum EQR - Europäischer Qualifikationsrahmen, vollzogen. [8].

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Krause, Bärbel Krause: Die Prüfung der Handelsfachwirte. (enthält das Spezialwissen), Kiehl-Verlag, 16.Aufl., Herne 2011, ISBN 978-3-470-52786-4
  • Peter Collier, Sybille Schulemann-Adlhoch: u. a. Praxiswissen Geprüfter Handelsfachwirt (enthält den gesamten Stoff nach dem DIHK-Rahmenplan), weConsult-Verlag, Rimpar 2012, ISBN 978-3-79490870-7.
  • Peter Collier, Volker Wedde: Geprüfter Handelsfachwirt werden (Intensivtraining zur Prüfungsvorbereitung). weConsult-Verlag 11. Auflage, Rimpar 2013, ISBN 978-3-7949-0855-4.
  • Sebastian Marxhausen: Gesetzestexte für Fachwirte (Ausgabe 2014, enthält 42 Gesetze, teilweise in Auszügen). weConsult-Verlag, Rimpar 2014, ISBN 978-3-7949-0867-7.
  • Handelsfachwirt Infopaket: Zulassungsvoraussetzungen, Prüfungsordnung, Stoffplan, Klausurthemen. Fachwirteverlag 1.Aufl.2014, ISBN 978-3-9447-6738-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Handelsfachwirt/Geprüfte Handelsfachwirtin vom 17. Januar 2006 (BGBl. I S. 59), die durch Artikel 32 der Verordnung vom 25. August 2009 (BGBl. I S. 2960) geändert worden ist. (PDF; 58 kB)
  2. Details sind im DIHK-Rahmenplan Geprüfter Handelsfachwirt/Geprüfte Handelsfachwirtin festgelegt. (Hrsg. DIHK, Berlin 2006; zusammengefasste Übersicht in Handelsfachwirt werden, Würzburg 2013).
  3. Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Handelsfachwirt/Geprüfte Handelsfachwirtin, § 9
  4. Näheres hierzu in Praxiswissen Geprüfter Handelsfachwirt
  5. Näheres hierzu in Geprüfter Handelsfachwirt werden, S. 9 ff
  6. Quelle: Hilfsmittelliste 2014 des DIHK
  7. Hochschulzugang für beruflich qualifizierte Bewerber ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (pdf; 22 kB)
  8. Deutscher Qualifikationsrahmen: Aktuelles

Weblinks[Bearbeiten]