Handicap (Golf)

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Das Handicap (oder Handicap-Index, deutsch Vorgabe) im Golf ist eine Kennzahl, die das theoretische und aktuelle Spielpotenzial eines Spielers ausdrückt.

„Ein Handicap drückt aus, wie gut ein Spieler theoretisch spielen kann, wenn alles gut geht.“

DGV Regelquiz[1]

Es wird als Differenz der Schläge für eine 18-Loch-Golfrunde eines Spielers gegenüber einem sehr guten Golfspieler, dem sogenannten Scratch-Golfer mit dem Handicap Null, ausgedrückt. Dieser fiktive Scratch-Golfer beendet eine Runde mit genau der Anzahl von Schlägen, die dem Par des Platzes entspricht. In der Regel sind dies 72 Schläge. Rechnet der einzelne Spieler sein aktuelles Handicap mit ein, ist ein Wettbewerb „auf Augenhöhe“ auch zwischen Spielern unterschiedlicher Spielpotenziale möglich. Einzelne Spieler können damit ebenso ihr aktuelles Spielpotenzial als Kennzahl ausdrücken und ihre Verbesserung (oder Verschlechterung) nachverfolgen.

Auch wenn sich das Handicap für die überwiegende Anzahl der Amateurspieler eigentlich rechnerisch als negative Kennzahl ausdrückt, wird das Minus häufig weggelassen. Bei außergewöhnlich guten Spielern, die besser als der Scratch-Golfer spielen können, ist die Kennzahl rechnerisch positiv, wird auch immer mit einem Plus versehen und auch explizit als Plus Handicap-Index klassifiziert.[2]

Das Handicap eines Spielers (Stammvorgabe) wird aus seinen aktuellen Spielergebnissen abgeleitet und ist Teil der Berechnungsgrundlage der Spielvorgabe für sein Spiel auf einem konkreten Golfplatz.

Historisch gibt es weltweit unterschiedliche Handicap-Systeme die 2021 zum World Handicap System vereinheitlicht werden sollen.[2] In Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt derzeit noch das kontinentaleuropäische EGA-Vorgabensystem (2016–2019) mit leichten verbandsspezifischen Unterschieden.[3][4][5]

Grundidee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Handicap, in Deutschland auch Stammvorgabe genannt, wird vor einem Wettbewerb die Spielvorgabe errechnet. Diese unterscheidet sich von der Stammvorgabe dadurch, dass sie zusätzlich noch die Schwierigkeit des zu spielenden Platzes berücksichtigt. Sie kann also höher, niedriger oder (bei einem durchschnittlich schweren Platz) genauso hoch wie die Stammvorgabe sein. Aus dieser Spielvorgabe ergibt sich dann eine Anzahl von Vorgabeschlägen, die der Spieler von der eigentlich gespielten Schlagzahl einer Runde abziehen darf. Dieses errechnete Ergebnis unter Berücksichtigung der Vorgabeschläge wird Netto-Ergebnis genannt und ist zwischen Golfern unterschiedlicher Spielstärke vergleichbar.

Die Stammvorgabe ist bei fast allen Spielern eine negative Zahl, das negative Vorzeichen wird deshalb im Sprachgebrauch oft unterschlagen. (Die European Golf Association, abgekürzt EGA, macht es genau umgekehrt). Die Bandbreite liegt in Deutschland zwischen etwa +5 (beste Amateurspieler) und −54 (Anfängereinstufung). Daraus ergibt sich, je besser (gemäß oben erwähntem Sprachgebrauch ohne Vorzeichen: je niedriger) ein Handicap ist, desto höher die Spielstärke, die es ausweist.

In clubinternen Amateurwettspielen werden normalerweise mehrere Netto-Preise ausgeschrieben, da dann alle Spieler eine realistische Chance auf einen Gewinn haben. Oft gibt es aber zusätzlich einen Brutto-Preis für das absolut beste Ergebnis, also ohne Berücksichtigung von Vorgabeschlägen.

Bei nationalen und internationalen Amateurmeisterschaften sowie in Berufsspielerturnieren wird immer brutto gewertet. Berufsgolfer haben keine Stammvorgabe und können deshalb, wenn sie bei Wettspielen mit Amateuren antreten, nicht an der Nettowertung teilnehmen.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei fast allen Spielformen (Stableford, Zählspiel, Lochspiel und vielen Teamspielformen) kann man das Handicap dazu verwenden, das unterschiedliche Können der Spieler rechnerisch auszugleichen. Ein schlechter Spieler kann dann durchaus gegen einen guten gewinnen, weil der schlechtere Spieler mit seiner höheren Spielvorgabe entsprechend mehr Vorgabeschläge erhält.

Für jede der 18 Bahnen einer vollen Golfrunde gibt es einen Richtwert für die Schlagzahl, der als Par angegeben ist. Je nach Länge der Bahnen sind drei, vier oder fünf Schläge für sie als Soll vorgegeben; man geht also davon aus, dass ein sehr guter Spieler in der Lage ist, diese Bahnen mit jeweils drei, vier oder fünf Schlägen abzuschließen. In der Regel hat eine Golfrunde ein Par von 72, das sich meist aus je vier Par-3- und Par-5-Bahnen und zehn Par-4-Bahnen zusammensetzt. Die einfachste und früher auch praktizierte Form der Ermittlung eines Handicaps besteht darin, den Durchschnitt mehrerer vergangener Ergebnisse eines Spielers mit dem Par zu vergleichen. Spielte beispielsweise ein Spieler die letzten Runden bei Par 72 mit durchschnittlich 90 Schlägen, so wäre sein Handicap −18, da man 18 von seinem Ergebnis abziehen müsste, um zum Par zu kommen. Ein Spieler, der den Platz im Durchschnitt mit 72 Schlägen spielen würde, hätte ein Handicap von 0. Einen solchen Spieler nennt man auch Scratch-Golfer.

Berechnungsmethode im EGA-Vorgabensystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das einfache System leidet vor allem darunter, dass verschiedene Golfplätze unterschiedlich schwierig zu spielen sind und Ergebnisse daher auch vom jeweiligen Golfplatz abhängen. In der Folge sind Handicaps, denen Ergebnisse auf unterschiedlichen Plätzen zu Grunde liegen, nicht miteinander vergleichbar. Die tatsächliche Ermittlung eines Handicaps wird daher heute wesentlich differenzierter vorgenommen, wobei Golfverbände unterschiedliche Regeln für die Führung des Handicaps festlegen. So unterscheidet sich zum Beispiel das in den USA verwendete Handicap-System der USGA (United States Golf Association) deutlich von dem in Europa verwendeten EGA-Handicap-System, das in Deutschland als DGV-Vorgabensystem durch den Deutschen Golf Verband DGV angewendet wird. Obschon sich die Berechnungsmethoden unterscheiden, werden sich die Handicaps gleich starker Spieler in vergleichbaren Größenordnungen bewegen. Dennoch ist die Ungenauigkeit zu groß, um einen fairen Quervergleich zwischen zwei Handicaps unterschiedlicher Systeme zu ermöglichen. Im Folgenden soll unter gelegentlicher Nennung von Unterschieden grundsätzlich nur auf die Berechnung des Handicaps nach dem System des DGV eingegangen werden.

Um die Handicaps vergleichbar zu machen, wird heute auch die Schwierigkeit eines Platzes bei der Berechnung berücksichtigt. International am verbreitetsten und auch in Deutschland verwendet ist hierbei das System des sogenannten Course Rating (CR) und des Slope Rating (Slope). Diese Ratings berücksichtigen – anders als Par – nicht nur die Länge einer Spielbahn, sondern auch andere für die Schwierigkeit wichtige Einflussfaktoren, z. B. das Vorhandensein von Hindernissen. Der CR-Wert bezeichnet dabei die (auf eine Stelle nach dem Komma angegebene durchschnittliche) Schlagzahl, die ein sehr guter Golfer für eine Runde brauchen sollte. Der Slope-Wert gibt eine relative Steigerung der Schwierigkeit für schlechtere Golfer an. Mittels beider Werte können Ergebnisse unterschiedlich guter Golfer auf unterschiedlichen Plätzen zueinander in Relation gesetzt werden.

Jeder Golfer hat eine sogenannte Stammvorgabe, die seine Spielstärke in absoluter Form ausdrückt und auf eine Nachkommastelle angegeben wird. Dieser Wert ist derjenige, der im Volksmund als Handicap bezeichnet wird. Hierbei wird meist das Vorzeichen Minus nicht genannt, sehr gute Golfer, die normalerweise besser als Par spielen, können auch eine positive Stammvorgabe haben, in diesem Fall wird das Plus ausdrücklich als Vorzeichen genannt. Unter Hinzunahme des CR- und des Slope-Wertes wird aus der Stammvorgabe eine für den zu spielenden Platz gültige ganzzahlige Spielvorgabe berechnet. Ein Golfer, der z. B. eine Stammvorgabe von −19,3 hat, könnte auf einem schwierigen Platz eine Spielvorgabe von −21 erhalten, dürfte also 21 Schläge mehr als Par benötigen, um sein normales Leistungsniveau erreicht zu haben. Auf einem leichten Platz könnte seine Spielvorgabe hingegen nur −18 sein, so dass er entsprechend weniger Schläge benötigen darf. Für die genaue Berechnung der Spielvorgabe siehe Course Rating und Slope.[6]

Im DGV-System werden Stammvorgaben von maximal −36,0 vergeben, in die andere Richtung ergeben sich in der Praxis bei Topamateuren Handicaps von bis zu +4,0. Um Anfänger auch schon am Vorgabensystem beteiligen zu können, kann ein Verein für seine Mitglieder auch sogenannte Clubvorgaben führen, die zwischen −54 und −37 liegen, immer ganzzahlig sind und im Wesentlichen nach den gleichen Regeln wie Stammvorgaben berechnet werden.

Die Stammvorgabe (oder Clubvorgabe) wird auf Basis der Ergebnisse vorgabenwirksamer Runden ermittelt. Vorgabenwirksam sind im Wesentlichen in bestimmten Turnieren gespielte Runden, es können auch EDS-Runden (Extra Day Score, außerhalb von Turnieren gespielte Runden auf dem Heimatplatz) zur Berechnung der Stammvorgabe berücksichtigt werden. Der relevante Score ist hierbei der nach Stableford, bei anderen Spielformen muss das Ergebnis in ein Ergebnis nach Stableford umgerechnet werden. Hat der Spieler 36 Stablefordpunkte erzielt, so hat er sein Handicap bestätigt, hat er mehr als 36 Stablefordpunkte erspielt, errechnet sich die neue Stammvorgabe auf Basis der über 36 liegenden Punktzahl. Für jeden zusätzlichen Stablefordpunkt wird die Stammvorgabe um einen bestimmten Wert herabgesetzt (in Anbetracht des Vorzeichens eigentlich heraufgesetzt), und zwar

Vorgabe-
klasse
Bereich
des Handicaps
Änderung des Handicaps Pufferzone (bis 36)
bei >36 Stable-
fordpunkten
bei Nicht-Erreichen
der Pufferzone
18-Loch
Turnier
9-Loch
Turnier
6
Clubvorgabe
−54,0 −37,0 +1,0 keine
Verschlechterung
n/a
5 −36,0 −26,5 +0,5
4 −26,4 −18,5 +0,4 −0,1 ab 32 ab 34
3 −18,4 −11,5 +0,3 ab 33 ab 35
2 −11,4 −4,5 +0,2 ab 34
1 −4,4 besser +0,1 ab 35 n/a

Hat ein Spieler mit einer Stammvorgabe ab Vorgabeklasse 4 (also −26,4 oder besser) in einer vorgabenwirksamen Runde weniger als 36 Stablefordpunkte erzielt, kann sich seine Stammvorgabe verschlechtern. Die Verschlechterung beträgt pauschal 0,1 Punkte. Sie tritt ein, wenn die für jede Vorgabenklasse unterschiedlich große Pufferzone verfehlt wurde. In der Klasse 1 beträgt diese einen Punkt, in der Klasse 2 sind es 2 Punkte, in den Klassen 3 und 4 darf man ohne Auswirkungen auf sein Handicap 3 bzw. 4 Punkte weniger als 36 erzielen. In der Vorgabeklasse 5 und 6 wird das Handicap nicht hochgesetzt.

Vorgabenwirksam sind normalerweise nur Zählspiel oder Stableford-Turniere über eine oder mehrere volle Runde(n) von 18 Löchern und EDS-Runden über 18 Löcher. Im Deutschen Golf Verband besteht ab der Saison 2006 jedoch die Möglichkeit „vorgabenwirksame Neun-Löcher-Turniere“ zu spielen. Zunehmende allgemeine Zeitknappheit und der Wunsch der Golfspieler, häufiger vorgabenwirksam zu spielen, sind die Gründe für diese Regelung, welche in einem zweijährigen Pilotprojekt vorbereitet wurde. Allerdings sind Neun-Löcher-Turniere nur für Spieler der Vorgabenklassen 2–6, also bis bestenfalls Stammvorgabe −4,5, vorgabenwirksam. Für die "nicht gespielten" zweiten 9 Löcher bei den Neun-Loch-Turnieren werden zum Ergebnis pauschal 18 Stableford Punkte addiert.

Äußere Einflüsse (Wind, Regen, Trockenheit, hohes Rough, …) können gegenüber dem "normalen" Platzzustand Wettspielergebnisse verzerren. Mittels des Verfahrens Computed Buffer Adjustment wurden bis 2016 in diesem Fall die Puffergrenzen der jeweiligen Stablefordklassen verschoben (von +1 bis −4), um eine bessere Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Wettspielen zu erreichen. Ab 2016 ist dieses Verfahren ersatzlos wegfallen. Ebenso gibt es seit dem keine Verschlechterungen bis Handicap −26,5 (anstatt bis dahin −36), falls das aktuelle Handicap im Turnier oder in einer EDS-Runde nicht erreicht wird.

Berechnungsmethode im WHS-Vorgabensystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im World Handicap System (WHS) berechnet sich der Handicap-Index in der Regel durch Bildung des Mittelwerts des Punktergebnisses aus den acht besten der letzten 20 gewerteten vollen 18-Loch-Runden.

Score im Sinne des WHS je Loch (Net Double Bogey)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Je Loch wird maximal der Net Double Bogey als Score gewertet. Hiermit werden besonders schlecht gespielte Löcher nicht höher gewertet als dieser Maximalwert. Er entspricht einem Double Bogey (Par + 2 Schläge) zuzüglich der Vorgabeschläge für das Loch entsprechend dem bisherigen WHS-Index des Spielers. Neue Spieler ohne WHS-Index erhalten drei Vorgabeschläge.[2]

Bildung eines Score Differential für eine Runde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im WHS werden die Punktergebnisse jeder gewerteten Runde normalisiert und Score Differential genannt. Hierzu gelten konkrete Berechnungsregeln.[2]

  1. Die Scores unter Beachtung der Net-Double-Bogey-Maxima werden für die ganze Runde aufsummiert und bilden den Angepassten Brutto Score (Adjusted Gross Score).
  2. Durch Anwendung von Course Rating (CR), Slope Rating (Slope) und der Play Conditions Calculation (PCC) wird aus dem Angepassten Brutto Score der Score Differential berechnet. Damit ist die grundsätzliche Schwierigkeit (CR & Slope) des Platzes sowie die Spielverhältnisse während der Runde (PCC) in den Wert einbezogen und dieser damit normalisiert. Diese Berechnungsregel wird für 9-Loch-Runden durch die entsprechenden Werte für CR, Slope und PCC angepasst.

Aktualisierung des WHS-Index nach einer Runde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Basis für die Berechnung des WHS-Index werden die letzten 20 gewerteten Runden herangezogen. Aus ihnen werden die niedrigsten acht Score Differentials ausgewählt. Der Mittelwert dieser besten Score Differentials ergibt den WHS-Index.[2]

Sollten weniger als 20 gewertete Runden vorliegen, kann dennoch ein WHS-Index gebildet werden, indem die Anzahl der besten Score Differentials zur Bildung des Mittelwerts reduziert wird.

Vergleich von WHS- und EGA-Vorgabensystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegenüber dem EGA-Vorgabensystem, bei dem sich die Vorgabe inkrementell verändert, stellt der WHS-Index einen aktuellen Mittelwert dar. Dadurch entfallen im WHS-Vorgabensystem Vorgabenklassen, Pufferzonen und die entsprechenden Herab- und Heraufsetzungsfaktoren.

EDS-Runden und gewertete 9-Loch-Runden sind im WHS-Vorgabensystem für alle Spieler vorgabewirksam, im EGA-Vorgabensystem ist die Vorgabenklasse 1 hiervon ausgeschlossen.

Eine direkte Umrechnung von EGA-Handicap in WHS-Index ist nicht möglich, hierzu müssen vollständige Scorecards mit CR und Slope zu Berechnung von Score Differentials vorliegen.

Das Handicap in Turnieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn das Ergebnis eines Turniers ohne Berücksichtigung von Handicaps gewertet wird, spricht man von einer Bruttowertung, wenn das Handicap berücksichtigt wird, von einer Nettowertung. Golfprofis spielen mangels eines Handicaps immer brutto, in den meisten Turnieren für Amateure werden Brutto- und Nettopreise ausgelobt und dementsprechend mehrere Wertungen vorgenommen. Bruttosieger wird der Spieler, der absolut am wenigsten Schläge in einem Turnier benötigt, beziehungsweise die meisten Brutto-Stablefordpunkte erzielt hat. Nettosieger wird derjenige, dessen Ergebnis unter Berücksichtigung seiner Spielvorgabe am besten ist.

Beispiel:
Reines Zählspiel: Spieler A mit Spielvorgabe 2 benötigt 76 Schläge, Spieler B mit Spielvorgabe 18 benötigt 90 Schläge.
Spieler A wird Bruttosieger, da 76 die geringste Anzahl von Schlägen ist.
Spieler B wird Nettosieger, da er nach Abzug seiner Spielvorgabe netto nur 72 Schläge (90-18=72) benötigt hat, während dies bei A 74 Schläge (76−2=74) sind.

Im Lochspiel wird das Handicap in der Weise angewendet, dass die Differenz der Spielvorgaben der Gegner berechnet wird, gegebenenfalls modifiziert um einen zusätzlichen Faktor. Je nach der Verteilung der Vorgabeschläge auf die Bahnen darf der schwächere Spieler die sich ergebende Differenz von Schlägen mehr benötigen, um ein Unentschieden zu erreichen. Bei beispielsweise 3 Schlägen Differenz wird je ein Schlag Vorgabe an den Löchern mit den Vorgabewerten 1, 2 und 3 wirksam.

Beispiel:
Spieler A hat Spielvorgabe 2, Spieler B hat Spielvorgabe 25, erhält daher 23 Schläge vor.
B darf dann an den 5 Löchern mit Handicapeintrag 1-5 zwei Schläge mehr brauchen als A, an allen anderen Löchern je einen Schlag mehr.
Spielt B beispielsweise am schwersten Loch (Handicapeintrag 1) eine 5 und A eine 4, so hat B das Loch gewonnen.
Wenn Spieler A am leichtesten Loch (Handicapeintrag 18) eine 5 spielt, und Spieler B eine 6, dann hätten beide das Loch geteilt, also "unentschieden" gespielt.

Extra Day Score[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Extra-Day-Score-Runden (EDS-Runden) können Golfspieler auch außerhalb von Turnieren ihr Handicap verbessern. Die Runden werden privat gespielt. Sie müssen jedoch vorher im Clubsekretariat angemeldet werden, der Spieler durfte bis Ende 2011 höchstens die Stammvorgabe −11,5 (oder schlechter) haben, und die Person, die den Score aufschreibt (der Zähler), muss eine Stammvorgabe ab −36 haben (Golfprofessionals dürfen keine Zähler bei einer EDS-Runde sein). Seit der Saison 2012 dürfen EDS-Runden von der DGV-Vorgabenklasse 2 bis Clubvorgabe gespielt werden. In den Vorgabenklassen 2 bis 4 (Stammvorgaben −4,5 bis −26,4) dürfen in einem Kalenderjahr nicht mehr EDS-Runden als vorgabenwirksame Turniere gespielt werden.

EDS-Runden waren bis Ende 2011 auf 18 Loch festgelegt. Mit dem neuen Regelwerk seit 2012 können EDS-Runden wahlweise über 9 oder 18 Loch gespielt werden. Des Weiteren sind die DGV-Vorgabenklassen 2 bis Clubvorgabe (−4,5 bis −54) dafür zugelassen. Bis zur Saison 2016 waren EDS-Runden nur auf dem Platz des Heimatclubs des Spielers möglich. Dies wurde mit den Ergänzungen der Regularien zur Saison 2016 dahingehend erweitert, dass EDS-Runden nun auch außerhalb des Heimatclubs gespielt werden dürfen.

Manipulation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelegentlich ist der Vorwurf zu hören, Golfer würden versuchen, ihr Handicap zu manipulieren. Dabei wird manchen Spielern vorgeworfen, ein zu niedriges Handicap zu pflegen, um nach außen hin als besserer Golfer zu gelten. Dies kann z. B. dadurch erreicht werden, dass gerade bei EDS-Runden ein „frisierter“ Score angegeben wird.

Anderen wird das „Schonen“ ihres Handicaps vorgeworfen („Sandbagging“): Sie würden ihr Handicap künstlich hoch halten, um bei Turnieren mehr Vorgabeschläge und damit bessere Siegchancen zu haben. Dies kann unter anderem dadurch erreicht werden, dass zur Vermeidung von Herabsetzungen nur sehr wenige vorgabewirksame Runden gespielt werden oder der Spieler absichtlich schlecht spielt.

Eine Herabsetzung kann man auch vermeiden, wenn man sich als Spieler eines ausländischen Clubs bzw. eines Inhabers einer ausländischen Lizenz bei Turnieren anmeldet. Zum Beleg der Verbesserung wird dem Spieler z. B. eine beglaubigte Scorekarte mitgegeben, wobei aber die Meldepflicht beim Spieler liegt. Versäumt er dies, so startet er verbotenerweise beim nächsten Turnier mit dem gleichen Handicap.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Handicap – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frage 18 im Regelquiz. In: DGV. Abgerufen am 11. Juni 2020.
  2. a b c d e World Handicap System, Rules of Handicapping. In: The United States Golf Association and R&A Rules Limited. 2019, abgerufen am 11. Juni 2020 (englisch).
  3. EGA-Vorgabensystem (2016–2019). In: Deutscher Golf Verband e.V. 2015, abgerufen am 11. Juni 2020.
  4. EGA Handicap System (2016–2019). In: EGA Handicapping and Course Rating Committee. November 2015, abgerufen am 11. Juni 2020 (englisch).
  5. Lizenznehmer des EGA-Vorgabensystems Licensed Users. In: ega-golf.ch. European Golf Association, abgerufen am 12. Juni 2020.
  6. Beschreibung der Vorgaben- und Wettspielbedingungen ab 2012. In: Deutscher Golf Verband e.V. Oktober 2011, abgerufen am 12. Juni 2020. (PDF; 1,9 MB)