Handpan

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Handpanspieler

Die (seltener das) Handpan ist ein mit den Händen gespieltes Blechklanginstrument, das 2007 als Reaktion auf das weltweit große Interesse für das von der Schweizer Firma PANArt Hangbau AG im Jahr 2000 entwickelte Hang auf den Markt kam. Alle Varianten des zu den Aufschlagidiophonen gehörenden Melodieinstruments bestehen aus zwei verbundenen Stahlblechschalen mit mehreren Tonfeldern in der oberen Schale. Einige Instrumente haben zusätzliche Noten auf der unteren Schale, teilweise auch "Dings", also Töne mit nicht eingedellter, sondern ausgewölbter Mittelzone.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ausdruck Handpan tauchte zum ersten Mal im Herbst 2007 auf der Website des amerikanischen Steelpanbauers Pantheon Steel auf, wo er ein eigenes Instrument ankündigte, das sich als Alternative zum Hang verstand.[1] Die Bezeichnung wurde daraufhin im heute nicht mehr existierenden Hang-Music-Forum aufgegriffen.[2] Als Nachfolger dieses Forums entstand im Jahr 2009 das Internetforum handpan.org.[3] So fand der Ausdruck weite Verbreitung. Eine neue Sachbezeichnung für diese Instrumente war notwendig geworden, weil PANArt den Namen Hang als Marke für Musikinstrumente registriert hatte[4], so dass er zur Bezeichnung der Instrumente anderer Hersteller nicht zur Verfügung stand.

Die Sachbezeichnung Handpan ist wiederholt diskutiert worden. So lehnt die PANArt den Ausdruck zur Bezeichnung ihres Instruments Hang ausdrücklich ab.[5] Auch eine Reihe von Handpanbauern und Spielern, insbesondere aus dem nicht englischsprachigen Raum, äußerten sich immer wieder kritisch. In neuerer Zeit wird von einigen die Bezeichnung Pantam verwendet, ein Ausdruck, der ursprünglich ein Name für das Hang in Israel war.[6]

Die ersten fünf Instrumente, die zu den Handpans gerechnet werden, waren die Caisa von Kaisos Steel Drums (Deutschland, 2007), das BELLs von BEllart (Spanien, 2009), das Halo von Pantheon Steel (USA, 2009), das Spacedrum von Metal Sounds (Frankreich, 2009) und die Battiloro von Battiloro Handpan (Italien, 2013). Heute gibt es mehr als 150 Handpanbauer, deren Instrumente sich in Material, Herstellungsverfahren, Qualität und Klang erheblich unterscheiden.[7][8]

Bauform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Handpans übernehmen vom Hang die Grundform, bestehend aus zwei miteinander verklebten Halblinsensegmenten, einem zentralen Tonfeld und einem Ring aus mindestens sieben Tonfeldern auf der Oberseite und einer Öffnung auf der Unterseite. Diese Handpans unterscheiden sich jedoch in etlichen Eigenschaften nicht nur von dem ursprünglichen Hang, sondern auch untereinander.

Für die Rohformen kommen unterschiedliche Stahlblechsorten, Blechstärken und Herstellungsverfahren zum Einsatz.

Anzahl, Größe und Form der Tonfelder sowie die zur Ausformung der Tonfelder angewandten Techniken unterscheiden sich ebenfalls. Wie beim Hang weisen die Tonfelder der meisten Handpans in der Mitte der Tonfelder eine nach innen gerichtete Einwölbung auf, für die sich im Englischen der Ausdruck Dimple (Beule) durchgesetzt hat. Auch hier gibt es erhebliche Variationen in Größe und Form. Während das Ding genannte, zentrale Tonfeld des Hang eine nach außen gewölbte Kuppel aufweist, kommen bei den Handpans oft auch zentrale Tonfelder mit nach innen gerichtetem Dimple analog zu den Tonfeldern im Kreis vor. Einige Handpans weichen noch deutlicher vom Hang-Layout ab, ordnen eine größere Anzahl von Tönen anders auf der Oberseite an oder haben zusätzliche Tonfelder auf der Unterseite (Bottom Notes)[9].

Die runde Öffnung auf der Unterseite wird beim Hang Gu genannt und hat einen nach innen gerichteten Hals, der zusammen mit dem Luftvolumen im Hohlkörper einen Helmholtz-Resonator bildet, der an der Dingkuppel angeregt wird. Handpans verzichten dagegen oft auf den Hals in der Öffnung. So kann die Helmholtz-Resonanz nicht oder nur schwach angeregt werden, insbesondere wenn die nach außen gerichtete Kuppel auf der Oberseite fehlt.

In die einzelnen Tonfelder sind wie beim Hang in der Regel drei Teiltöne (Grundton, Oktave und Duodezime) eingestimmt. Die Einstimmung der Tonfelder wird durch ihre Ausformung und viele weitere Parameter beeinflusst. Sie unterscheiden sich von Tuner zu Tuner. Daher variiert auch der Klangcharakter der Instrumente deutlich.

Übliche Anordnung der Töne auf der Oberseite eines Handpans. Die Zahlen geben die Reihenfolge vom tiefsten zum höchsten Ton an.

Das zentrale Tonfeld ist der tiefste Ton. Einige Instrumente haben jedoch auch auf der Unterseite noch tiefere Töne. Die übrigen Töne sind kreisförmig darum angeordnet. Die Reihenfolge der Töne folgt einem Zickzack-Muster (siehe Abbildung). Handpans werden wie die erste Generation des Hang in vielen verschiedenen Skalen (Tonleitern) angeboten. Es kommen nicht nur diatonische, sondern auch Skalen mit größeren Intervallabständen vor, teils ethnomusikalische, aber auch vom jeweiligen Tuner für den Einsatz bei seinen Instrumenten freierfundene Skalen.

Notenbelegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Notenbelegung ist tonaufsteigend so angebracht, dass sich die Hände abwechseln und sich so eine Tonleiter ergibt. Wenn sich Noten auf der Unterseite befinden, sind diese meist zwischen zwei oberen Noten angebracht. Die Bezeichnungen der Handpans orientieren sich an der Notenanzahl im Ringförmigen Muster plus dem in der Mitte des Instruments. Eine Handpan mit 10 Noten wird demnach mit "NAME SCALE 9+1" bezeichnet.

Techniken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das klassische Spiel der Handpan ist das dynamische Spiel, bei dem sich die Hände in einem "tippeltippel" ständig abwechseln. Fortgeschrittene wechseln gezielt und lassen auch mit der gleichen Hand Töne nachfolgend erklingen.

Eine Handpan ist so stabil, sodass sie auch Schläge mit dem Knöchel oder sogar der Faust zwischen den Tönen zulässt, wodurch man stilistisch sehr viel breiter wird. Es kann also auch mit Schlaginstrumentelementen gespielt werden, wie man sie vom Cajón oder ähnlichem kennt.

Das Nachspielen von bekannten Melodien ist eher ungewollt und nicht verbreitet, da diese Stücke in der regel nicht dynamisch erlernt werden können, sondern individuell, aufgrund der Verteilung der Notation einstudiert werden müssen.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die linsenförmigen Schalen werden mit magnetischen Schablonen der gewünschten Skala behaftet und markiert. Mit hydraulischen Pressen werden die Flächen und die Vertiefungen grob in den Stahl gepresst. Die Schale wird nun eine Stunde in einem Ofen bei 1000 °C gebacken. Dabei diffundieren die Bestandteile so, dass der Stahl in dieser Form homogenisiert wird. Danach wird das Instrument das erste Mal gestimmt und klingt danach, wie als wenn man auf die Unterseite eines Kochtopfes schlägt. Danach wiederholt sich der Prozess zwischen Ofen und Stimmen circa 10 mal, jedoch nur noch bei 400 °C. Nach jedem Ofengang wird es immer schwieriger, das Instrument zu stimmen, was auch dazu führt, dass man es nicht so einfach verstimmen kann. Ist der Klang rein, werden beide Linsenförmigen Schalen verklebt. Da das Instrument nach jedem Ofengang langsam abkühlen muss, werden in der Regel parallel immer mehrere Instrumente gleichzeitig hergestellt. Eine abgekühlte Schale wird gestimmt, während eine zweite gerade abkühlt und sich eine dritte im Ofen befindet.

Das Stimmen der Schalen erfolgt ausschließlich mit Stimmgerät und Gehörschutz, denn der Prozess ist – gerade zum Ende der Prozedur – sehr laut. Es sind harte Schläge erforderlich, um am Ende den Ton zu verändern.

Nachstimmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sollte sich ein Instrument doch einmal verstimmt haben, reicht eine einfache lokale Suche aus und man findet jemanden, der das Instrument nachstimmen kann. In der Regel reichen ein paar geübte Schläge auf die Flächen, um ein Instrument zu stimmen. im Grunde ist es eine Spannung in der Notenfläche. Die nach innen gewölbte Fläche klingt tief. je mehr sich die Fläche der Geraden nähert, desto höher wird sie. "Boxt" man also eine nach innen gewölbte Fläche flacher, so wird sie höher im Ton. Staucht man sie nach innen, wird sie tiefer.

Empfindlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Absolut rostfreie Handpans gibt es nicht. Es ist also ratsam, das Instrument nach Benutzung einzuölen. Auch sollte man niemals unter freiem Himmel in der Sonne spielen, auch wenn es noch so verlockend ist. Man wird feststellen, dass das Instrument in wenigen Minuten oder gar Sekunden sehr heiß wird. Das kann nicht nur zum Verstimmen führen, sondern kann die Handpan ruinieren. Die Tonfelder stehen unter einer Spannung, welche sich beim Anschlag entlädt und den Ton erzeugt. Diese Spannung kann sich in der erhitzten Form beim Spielen umkehren und den Ton so verändern, dass die Handpan in einer Profiwerkstatt komplett neu gestimmt werden muss.

Zum Transport von Handpans sollte eine Tasche (softcase) oder ein spezieller Koffer (hardcase) verwendet werden, da die Instrumente keinen Stößen ausgesetzt werden sollten.

Verfügbarkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt inzwischen eine Reihe von Herstellern und Händlern, die Handpans verschiedener Herkunft, oft in verschiedenen Stimmungen und von 7+1 bis hin zu 17+1 Tönen sowohl im stationären Handel als auch in Online-Shops anbieten. Das originale Hang hatte allerdings eine Warteliste von einigen Jahren beziehungsweise inzwischen gibt es sie nur noch im Weiterverkauf, da sie nicht mehr produziert werden.

Spielweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handpan wird waagerecht auf den Schoß gelegt. Alternativ kann man sie auch senkrecht halten, um den Gu mit einer Hand erreichen zu können. Manche Spieler verwenden mehrere Handpans gleichzeitig. Dabei wird das zweite oder dritte Instrument auf Handpanständern platziert.

Gespielt wird die Handpan mit den Händen. Mit Fingern und Daumen, aber beispielsweise auch mit Schlägen mit den Daumenballen lassen sich die Tonfelder anregen. Je nach Ort des Anschlags auf dem Tonfeld können bestimmte Teiltöne hervorgehoben werden. Die Bereiche zwischen den Tonfeldern werden zum Setzen perkussiver Akzente genutzt. Legt man einen Finger leicht an die äußere Spitze der ovalen Vertiefungen und schlägt die Note an, so lassen sich auch Obertöne erzeugen. Ein leichter Druck mit dem Finger auf einem Ding oder einer Tonfläche, lässt den Ton beugen (siehe auch Pitch-Bender).

Abgrenzung zu den Steel Tongue Drums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu unterscheiden sind Handpans von den Steel Tongue Drums. Dies ist ein ähnliches Instrument wie eine Handpan, unterscheidet sich dennoch merklich von ihr. Bei einer Tongue Drum werden die Klangfelder in das Instrument eingeschnitten, gefräst oder gelasert, während bei einer Handpan das Klangfeld mit dem Hammer geschaffen wird. Tongue Drums sind aus dickerem Stahl, oftmals kleiner, aber auch häufig schwerer. Handpans sind meist voller und lauter im Klang, während viele Steel Tongue Drums leiser und oft "blecherner" im Klang sind, manche dafür aber auch länger nachschwingen. Sie gelten als weniger empfindlich für Umgebungseinflüsse wie Hitze durch direkte Sonneneinstrahlung oder auch Kälte.

Digitale Handpans[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den letzten Jahren gab es verschiedene Initiativen, digitale Handpans auf der Grundlage von Samples zu entwickeln, von denen bisher keine zum Erfolg führte. Im Juni 2015 begann die Firma Ovalsound S.L. eine Kickstarter-Kampagne für die „erste digitale Handpan“. Nach Auslieferung erster Instrumente musste sie jedoch im Dezember 2017 Insolvenz anmelden.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Handpan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Handpan Pantheonsteel.com vom 16. Oktober 2007 (englisch). Archiviert von web.archive.org. Zuletzt abgerufen am 28. Dezember 2017
  2. New hand pan development Hang-Music Forum vom 12. November 2007 (englisch). Archiviert von web.archive.org. Zuletzt abgerufen am 28. Dezember 2017
  3. Internetforum handpan.org. Zuletzt abgerufen am 28. Januar 2018
  4. WIPO Global Brand Database. International Registration Number 969295
  5. Mitteilung der PANArt – 19. Mai 2010. Zuletzt abgerufen am 2. April 2018.
  6. Das Hanglexikon: Pantam
  7. Meet the family handpan.org (englisch). Zuletzt abgerufen am 28. Dezember
  8. Weltkarte der Handpan Bauer
  9. What Are “Booty Taps”? - HandPan Terminology Hangdrumsandhandpans.com (englisch). Zuletzt abgerufen am 28. Dezember 2017
  10. End of the year, end of the cycle Kickstarter.com (englisch). Zuletzt abgerufen am 28. Januar 2018