Hansjörg Dilger

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Hansjörg Dilger (* 11. Juni 1968 in Ulm) ist Ethnologe und Professor für Sozial- und Kulturanthropologie an der Freien Universität Berlin. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Medizinethnologie und Religionsethnologie sowie in der Erforschung gegenwartsbezogener Transformations- und Globalisierungsprozesse im östlichen und südlichen Afrika.

Leben und Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hansjörg Dilger studierte Ethnologie, Afrikanistik und Anglistik in Berlin. 2004 promovierte er an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit zur Bedeutung und Neuaushandlung sozialer Beziehungen sowie zur Formierung moralischer Praxis im Kontext von HIV/AIDS-bezogenen Erkrankungen und Land-Stadt-Migration in Tansania. Zwischen 1999 und 2002 wurde er im Rahmen einer Wissenschaftlichen Mitarbeiterstelle der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Er war zudem Stipendiat der Heinrich Böll Stiftung (1999) und Lehrbeauftragter am Institut für Ethnologie der FU Berlin (2003–2004).

Von 2005 bis 2007 war Dilger als Assistant Professor (Schwerpunkt African Health and Society) an der University of Florida (Center for African Studies und Department of Anthropology) tätig, bevor er 2007 als Juniorprofessor (Schwerpunkt Religious Diversity in Transnational Contexts) an die Freie Universität Berlin zurückkehrte. 2013 wurde er hier zum Universitätsprofessor für Sozial- und Kulturanthropologie berufen.

Neben der Medizin- und Religionsethnologie liegen Dilgers Forschungsschwerpunkte im Bereich der Anthropologie der Moral und der Ethik, der transnationalen Mobilität und von Globalisierungsprozessen, sowie der Anthropologie der Bildung und des Lernens. Seine Untersuchungen über Pfingstkirchen und muslimische Reformgemeinschaften im urbanen Tansania (Dar es Salaam) fokussierten transnationale Verflechtungen ebenso wie Dynamiken von Zugehörigkeit, charismatische Heilungspraktiken und Institutionalisierungsprozesse im städtischen Raum.

Im Jahr 2014 unterrichtete Dilger als Gastprofessor am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien; zudem war er Visiting Fellow am African Center for Migration & Society der University of the Witwatersrand in Johannesburg. 2015 war er Residential Fellow am Centro Incontri Humani[1] in Ascona. An der Freien Universität Berlin ist Dilger Leiter der Arbeitsstelle Medical Anthropology am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie sowie Principal Investigator in den durch die Exzellenzinitiative geförderten Graduiertenschulen Muslim Cultures and Societies und East Asian Studies.

Von 2004 bis 2010 war er Vorsitzender der Arbeitsgruppe Medical Anthropology[2] in der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde, die 2017 bei ihrer Jahrestagung an der Freien Universität Berlin in Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie umbenannt wurde. Seit 2015 ist er Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie (bis 2017 Deutsche Gesellschaft für Völkerkunde) und Redaktionsmitglied der Zeitschrift für Ethnologie. Dilger ist Co-Moderator des von der Arbeitsgruppe Medical Anthropology veröffentlichten Blogs Medizinethnologie: Körper, Gesundheit und Heilung in einer globalisierten Welt[3].

Das von Hansjörg Dilger und Kristina Dohrn geleitete, studentisch initiierte und in Zusammenarbeit mit dem International Women Space durchgeführte Forschungskollektiv "Frauen und Flucht in Berlin" wurde 2017 mit dem Margherita-von-Brentano-Preis der Freien Universität Berlin ausgezeichnet. Das im Anschluss an diesen Preis entstandene "Kollektiv Polylog" - ein Zusammenschluss von geflüchteten Frauen aus Syrien, dem Iran, dem Irak und Aserbaidschan; Studierenden und Lehrenden am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie der Freien Universität Berlin sowie Mitgliedern des International Women Space - veröffentlichte 2019 das Buch "Das ist meine Geschichte: Frauen im Gespräch über Flucht und Ankommen". Dieses Buch dokumentiert sieben Gespräche, in denen sich Frauen in ihrer jeweiligen Muttersprache und in Deutsch über ihr Leben und die (Un)Möglichkeiten des Ankommens in Berlin unterhalten.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leben mit Aids. Krankheit, Tod und soziale Beziehungen in Afrika. Eine Ethnographie. Campus, Frankfurt a. M. 2004, ISBN 3-593-37716-0.
  • Als Herausgeber mit Ute Luig: Morality, Hope and Grief: Anthropologies of AIDS in Africa. Berghahn Books, Oxford 2010, ISBN 978-1-84545-663-4.
  • Als Herausgeber mit Bernhard Hadolt: Medizin im Kontext: Krankheit und Gesundheit in einer vernetzten Welt. Peter Lang Verlag, Frankfurt a. M. 2010, ISBN 978-3-631-57839-1.
  • Als Herausgeber mit Abdoulaye Kane und Stacey Langwick: Medicine, Mobility, and Power in Global Africa: Transnational Health and Healing. Indiana University Press, Bloomington 2012, ISBN 978-0-253-22368-5.
  • Als Herausgeber mit Rijk van Dijk, Marian Burchardt und Thera Rasing: Religion and AIDS Treatment in Africa: Saving Souls, Prolonging Lives. Ashgate, Surrey 2014, ISBN 978-1-4094-5669-8.
  • Als Herausgeber mit Kristina Dohrn (und in Zusammenarbeit mit dem International Women Space): Living in Refugee Camps in Berlin: Women's Perspectives and Experiences. Weißensee Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-89998-242-8.
  • Mit Hella von Unger und Michael Schönhuth: Ethikbegutachtung in der sozial- und kulturwissenschaftlichen Forschung? Ein Debattenbeitrag aus soziologischer und ethnologischer Sicht. In: Forum Qualitative Sozialforschung 2016, 17 (3), Art. 20 (in deutscher und englischer Sprache) online.
  • Als Mitglied des Kollektiv Polylog: Das ist meine Geschichte: Frauen im Gespräch über Flucht und Ankommen. Unrast Verlag, Münster 2019, ISBN 978-3-89771-255-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Centro Incontri Humani
  2. Arbeitsgruppe Medical Anthropology in der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde
  3. Blog Medizinethnologie: Körper, Gesundheit und Heilung in einer globalisierten Welt