Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie

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Die Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie, kurz DGSKA (vormals Deutsche Gesellschaft für Völkerkunde e.V., kurz DGV) ist eine Vereinigung von Sozial- und Kulturanthropologen bzw. Ethnologen und an der Ethnologie/Völkerkunde interessierten Personen und Institutionen, die der Förderung der Wissenschaft dient. Die Fachgesellschaft wurde 1929 gegründet, hatte aber ältere Vorgänger. Die DGSKA hat derzeit um die 740 Mitglieder. Ihr wesentliches Ziel ist die Förderung der sozial- und kulturanthropologischen bzw. ethnologischen Forschung und Lehre und der Verbreitung fachbezogenen Wissens in der Öffentlichkeit.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DGSKA hat insbesondere die folgenden Aufgaben:

  • Unterstützung der sozial- und kulturanthropologischen bzw. ethnologischen Forschung und Lehre,
  • Empfehlungen und Auskünfte zu fachbezogenen Fragen,
  • Ausbau der fachbezogenen wissenschaftlichen Einrichtungen,
  • Mitwirkung an der Verbreitung gesicherten sozial- und kulturanthropologischen bzw. ethnologischen Wissens und Publikation von Mitteilungen und Veröffentlichungen,
  • Veranstaltung wissenschaftlicher Tagungen,
  • Förderung der Zusammenarbeit und des Gedankenaustauschs ihrer Mitglieder und Vertretung von deren Interessen,
  • Pflege der Beziehungen zu den Nachbarwissenschaften der Sozial- und Kulturanthropologie bzw. Ethnologie und Fachgesellschaften des Auslandes.

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorstand der Gesellschaft besteht aus

  • dem Vorsitzenden Hansjörg Dilger (Berlin),
  • der stellvertretenden Vorsitzenden Birgitt Röttger-Rössler,
  • dem Schatzmeister Thomas Stodulka.

Arbeits- und Regionalgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeits- und Regionalgruppen bieten innerhalb der DSKA ein Forum zum wissenschaftlichen Austausch über bestimmte Themen, Aspekte oder Regionen. Im Jahr 2019 gab es folgende aktive Gruppen:

Arbeitsgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Entwicklungsethnologie
  • Ethik
  • Ethnologische Bildung
  • Fachgeschichte (Geschichte der Ethnologie/History of Anthropology)
  • Kognitive und linguistische Ethnologie
  • Kulinarische Ethnologie
  • Materielle Kultur

Regionalgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regionalgruppen gibt es für Afrika, Afroamerika, China, Europa, Nepal und Himalayaraum, Indigenes Nordamerika, Mesoamerika, Mittelmeerraum, Naher und Mittlerer Osten und Nordafrika, Ozeanien, Südamerika, Südasien, Südostasien sowie für die Zirkumpolargebiete und Sibirien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ethnologen organisieren sich in der 1929 gegründeten Gesellschaft für Völkerkunde (GV), die sich vor Kriegsende nur noch einmal, vom 12. bis 14. Oktober 1936 in Leipzig, traf. 1938 wurde sie in Deutsche Gesellschaft für Völkerkunde (DGV) umbenannt. Dieser Verband versteht sich von Beginn an in erster Linie als eine wissenschaftliche Vereinigung oder ein Fachverband – aber nicht als Berufsverband. Nach dem Krieg versuchen v. a. Jensen, Termer und Trimborn, die DGV erneut zu beleben. 1946 fand in Frankfurt/Main ein erstes informelles Treffen der Fachvertreter, 1947 die erste ordentliche Tagung in Hamburg statt. Seit 1965 werden die Tagungen zusammen mit den österreichischen Kollegen abgehalten. Von 1952 bis 1969 wurden die Tagungen, sofern möglich, alternierend von Universitäts- und von Museumskollegen durchgeführt. 1967 wurde auf Initiative des Vorsitzenden Hans Rhotert eine Satzungsänderung verabschiedet, die Studenten die Vollmitgliedschaft ermöglichte.

Auf der Göttinger Tagung 1969 kam es zum Eklat zwischen den Professoren und den studentischen Mitgliedern des Faches. In der Folge verließen eine Reihe von etablierten Fachvertretern die Gesellschaft. Die nächste ordentliche Tagung konnte erst wieder 1975 in Coburg durchgeführt werden. Seither trifft sich die Gesellschaft in zweijährlichem Turnus und mit ständig wachsender Mitgliederzahl.

Während es zwischen 1969 und ca. 2000 zu einer wachsenden Entfremdung von Museums- und Universitätsethnologen kam, ist seit der Jahrtausendwende eine sukzessive Wiederannäherung der beiden Richtungen zu verzeichnen. Insbesondere mit der Tagung 2009 zeichnete sich ein fruchtbarer Dialog zwischen Museums- und Universitätsethnologen ab. Dieser wurde durch die Neugründung der AG Museum sowie die Initiative des Berliner Vorstands (2015–2019) weiter verstärkt.

Immer wieder wurden die Tagungen der Gesellschaft in Städten abgehalten, in denen die Ethnologie nur schwach verankert war (z. B. Stuttgart, Freiburg i. Brsg., Coburg, Lübeck), um die Aussenwirkung des Faches zu stärken.

Bei der Fachtagung der DGV im Oktober 2017 in Berlin beschloss die Mitgliederversammlung eine Namensänderung in Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie (DGSKA)[1][2]

Tagungsorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1929: Leipzig
  • 1936: Leipzig
  • 1946: Frankfurt (informelles Treffen)
  • 1947: Hamburg (erste ordentliche Nachkriegstagung)
  • 1948: Mainz
  • 1952: Köln
  • 1954: Bremen
  • 1957: Berlin
  • 1959: Stuttgart
  • 1961: Freiburg
  • 1963: Heidelberg
  • 1965: Wien
  • 1967: St. Augustin
  • 1969: Göttingen
  • 1970: Mainz (außerordentliche MV)
  • 1971: Heidelberg (informelles Treffen)
  • 1973: Bremen
  • 1975: Coburg
  • 1977: Büdingen
  • 1979: Bad Homburg
  • 1981: Münster
  • 1983: Freiburg und Basel
  • 1985: Lübeck
  • 1987: Köln
  • 1989: Marburg
  • 1991: München
  • 1993: Leipzig
  • 1995: Wien
  • 1997: Frankfurt
  • 1999: Heidelberg
  • 2001: Göttingen
  • 2003: Hamburg
  • 2005: Halle
  • 2007: Halle
  • 2009: Frankfurt
  • 2011: Wien
  • 2013: Mainz
  • 2015: Marburg
  • 2017: Berlin
  • 2019: Konstanz

Vorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Archiv der DGSKA bzw. DGV befindet sich derzeit am Frobenius-Institut an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Herzog: Die ersten 20 Jahre der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde 1929 bis 1949. In: DGV-Mitteilungen 11. 1982, S. 3–9 (dgska.de PDF; 312 kB)
  • Carola Lentz, Silja Thomas: Die Deutsche Gesellschaft für Völkerkunde. Geschichte und aktuelle Herausforderungen. In: Zeitschrift für Ethnologie. 140, Heft 2, 2015, JSTOR 24888267, S. 225–253 (dgska.de PDF).
  • Hansjörg Dilger, Birgitt Röttger-Rössler, Olaf Zenker: Umbenennung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde e.V. in Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie e.V. am 6.10.2017 in Berlin. In: Zeitschrift für Ethnologie. 142, 2017, S. 133–140 (dgska.de PDF).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ethnologischer Fachverband benennt sich um in „Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie“. 9. Oktober 2017, abgerufen am 9. März 2018.
  2. Umbenennung in DGSKA e.V. jetzt amtlich | Deutsche Gesellschaft für Völkerkunde e.V. Abgerufen am 9. März 2018 (deutsch).