Hartmut Richter

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Gedenktafel, Hauptstraße 8, in Berlin-Rummelsburg

Hartmut Richter (* 1948 in Glindow) ist ein ehemaliger DDR-Flüchtling und Fluchthelfer.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hartmut Richter wurde 1948 in Glindow (Brandenburg) geboren. Sein Vater war Obstbauer, seine Mutter Hausfrau. Nach der Grundschule besuchte er die Erweiterte Oberschule, wo er im Chor sang. Kurz vor dem Abitur versuchte er als 18-Jähriger, im Januar 1966 über die tschechisch-österreichische Grenze in den Westen zu gelangen. Doch der Fluchtversuch scheiterte.

Hartmut Richter, der das SED-Regime ablehnte, wurde festgenommen, saß drei Monate in Untersuchungshaft und wurde im Mai 1966 vom Kreisgericht Potsdam zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Ein erneuter Fluchtversuch Ende August 1966 gelingt: Hartmut Richter schwimmt bei Dreilinden durch den Teltowkanal nach West-Berlin, lange muss er dabei im Wasser ausharren. Die Fluchterfahrung prägt ihn sein ganzes Leben. Bis 1972 reist Hartmut Richter als Schiffssteward durch die Welt. Als er nach West-Berlin zurückkehrt, tritt das Transitabkommen zwischen der Bundesrepublik und der DDR in Kraft. Das macht es leichter, Flüchtlinge aus der DDR in westdeutschen Fahrzeugen zu verstecken und über die Transitstrecken in den Westen zu bringen.

Im gleichen Jahr darf der „Republikflüchtling“ Hartmut Richter infolge einer Amnestie wieder in die DDR einreisen. 1973 bittet ihn ein Bekannter, für eine Freundin aus der DDR einen geeigneten Fluchthelfer zu suchen. Hartmut Richter beschließt, die Fluchthilfe selbst zu übernehmen. Sein Heimatort Glindow befindet sich unmittelbar an der Transit-Autobahn Hannover-Berlin, die fluchtwillige Frau soll ihn in einem Schuppen auf dem elterlichen Grundstück erwarten, wo er sie abholen und im Kofferraum seines Autos nach West-Berlin bringen will. Der Plan funktioniert, die Flucht gelingt. Dieser ersten Fluchthilfe folgen weitere. Bald erkennt Hartmut Richter, dass sein Auftraggeber die Fluchthilfe als Geschäft betrachtet und daran verdient.

Das findet er zwar grundsätzlich nicht anstößig, denn die Vorbereitung einer Flucht ist zeitaufwendig und das Risiko für den Fluchthelfer groß. Doch die geforderten Geldbeträge erscheinen ihm unverhältnismäßig hoch und er nimmt keine weiteren Aufträge entgegen. Stattdessen verhilft Hartmut Richter eigenständig Freunden und Bekannten zur Flucht aus der DDR. Die Flüchtlinge holt er auf die bewährte Weise in Glindow oder an einer Bushaltestelle nahe Finkenkrug ab.

Beim Versuch, seine Schwester in die Bundesrepublik zu holen, wurde er 1975 verhaftet und zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt. 1980 wurde er durch die Bundesrepublik freigekauft.

Insgesamt 33  Menschen gelangen mit seiner Hilfe in den Westen.

Richter lebt seit 1966 in Berlin. Heute engagiert er sich als Zeitzeuge für die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und führt auch durch die Gedenkstätte in Hohenschönhausen. Für seine Arbeit als Fluchthelfer erhielt er 2012 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Seit 1999 ist er Besucherreferent in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hartmut Richter – Sammlung von Bildern