Hartmut Wegener

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Hartmut Wegener

Hartmut Wegener (* 4. Mai 1946 in Hamburg) ist ein ehemaliger Innenstaatssekretär aus dem Kabinett Heide Simonis in Kiel. Er hat in Hamburg für den Senat große Bauprojekte geleitet wie z.B. die Airbuserweiterung im Mühlenberger Loch und war bis September 2008 als Projektkoordinator des Senats für die Entwicklung und Realisierung der Elbphilharmonie zuständig.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur am Gymnasium für Jungen in Eimsbüttel im Jahr 1966 und einer zweijährigen Bundeswehrzeit studierte er in Berlin und Hamburg Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Nach seinem ersten juristischen Staatsexamen arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Wirtschaftsrecht an der Hochschule für Wirtschaft und Politik Hamburg. Nach dem 2. juristischen Staatsexamen ging er 1975 als Studiengangplaner und Justitiar an die Gesamthochschule Kassel, wo er zusammen mit Ernst-Ulrich von Weizsäcker am Aufbau der ersten integrierten Gesamthochschule mitwirkte.

1980 wechselte er in die Hamburger Senatsverwaltung, in der er 10 Jahre in unterschiedlichen Funktionen arbeitete, unter anderem im Amt Strom- und Hafenbau als Justitiar. Dabei trat zunehmend der Aspekt des Projektmanagements in den Vordergrund seiner Tätigkeit.

1990 wurde Hartmut Wegener von Vorstand und Vertreterversammlung der Landesversicherungsanstalt Schleswig-Holstein in Lübeck zum Ersten Direktor gewählt.

1995 holte die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis Hartmut Wegener als Innenstaatssekretär in ihr Kabinett nach Kiel. Seine Aufgabe bestand in der Konzeption und Umsetzung der Reform der Landesverwaltung gemeinsam mit der Staatskanzlei und dem Finanzministerium. Als Baustaatssekretär war er federführend an der Erarbeitung einer neuen Landesbauordnung beteiligt und legte erste Grundlagen für die landesübergreifende Verwaltungszusammenarbeit zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein in den Bereichen Datenverarbeitung, Statistik und Polizei.

2000 wechselte Hartmut Wegener in die Privatwirtschaft[1] und arbeitete als Projektmanager bei der Unternehmensberatung Roland Berger. Dabei begleitete er die Fusion der Landesversicherungsanstalten Baden und Württemberg, und war u.a. an der Standortanalyse für den Tiefwasserhafen Jade-Weser-Port beteiligt.

Ende 2001 wurde Hartmut Wegener vom Hamburger Wirtschaftssenator Gunnar Uldall bei Roland Berger abgeworben und ab Januar 2002 mit der Aufgabe der Airbus-Werkserweiterung für die A380 (Mühlenberger Loch) als Geschäftsführer der Realisierungsgesellschaft Finkenwerder betraut. Die Landgewinnung auf bis zu 11 m tiefem Schlick mit Setzungsgarantien und einer zeitlich-technischen Verzahnung zum Aufbau der Flugzeugproduktion der neuen A380 war ingenieursmäßiges Neuland und wurde zeit- und kostengerecht abgewickelt.[2]

Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern entwickelte Hartmut Wegener aus der reinen A380-Projektorganisation eine Managementgesellschaft, die ReGe Hamburg, die vom Hamburger Senat in der Folge neben der Startbahnverlängerung für die A380 auch mit der Planung und Realisierung des Baus des Auswanderermuseums Ballinstadt,[3] der Ortsumgehung Finkenwerder und der Vorplanung für eine Hafenquerspange betraut wurde.

Bau der Elbphilharmonie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Mai 2004 übernahm er die Aufgaben des Senatsbeauftragten für den Bau der Elbphilharmonie.[4] Er wurde dabei von einer Begleitergruppe des Senats unterstützt und bediente sich für die Wahrnehmung der Bauherrenaufgaben der ReGe Hamburg als Managementgesellschaft. Nach Projektentwicklung und Vergabe dieses Weltprojektes an das Konsortium Adamanta mit dem Generalunternehmer Hochtief wurde im April 2007 der Grundstein gelegt. Bei der Baurealisierung traten Probleme und Verzögerungen auf, die Nachtragsverhandlungen verliefen höchst kontrovers.[5] Erhebliche Kostensteigerungen und Bauzeitverlängerungen waren Mitte 2008 zu erwarten. In dieser aus Sicht des Hamburger Senats verkanteten Situation bat Bürgermeister Ole von Beust Hartmut Wegener im September 2008 seine Ämter niederzulegen.[6] Mit dem Dank der Stadt für die Betreuung der zahlreichen Projekte für die Stadt wurde Hartmut Wegener verabschiedet.[7]

Im Abschlussbericht des parlamentarischen Untersuchungsausschusses des Jahres 2014 zum Millionendesaster der Elbphilharmonie wird ihm Unfähigkeit und Selbstherrlichkeit vorgeworfen.[8] Hartmut Wegener warf demgegenüber dem Mehrheitsbericht des Untersuchungsausschusses politisch einseitige Bewertungen vor.[9] Der Ausschuß habe ihn bewusst nur als Zeugen und nicht als Betroffenen behandelt und ihm damit seine Rechte beschnitten.[10]

Weiterer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009 gründete er gemeinsam mit Heinz Giszas und Johanna Knüppel die Hartmut Wegener Projektberatung GmbH. Sein letztes großes Projekt war die Planung und Realisierung des Handelskammer InnovationsCampus am Hamburger Adolphsplatz, der im Februar 2014 eröffnet wurde und den Studenten der Hamburg School of Business Administration eine neue Bleibe bietet. [11]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hartmut Wegener ist seit 1976 Mitglied der SPD; er ist mit der Soziologin Helge Knüppel verheiratet und hat zwei Kinder.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Succes and failure factors for mega projects. A focus on the Airbus plant expansion and the Elbphilharmonie construction in the Hamburg metropolitan. In the Business Transformation Journal No. 11, August 2014, S. 55-65
  • Die Verwaltungskulturen in Hamburg und Schleswig-Holstein. In: Edzard Schmidt-Jortzig, Henning Voscherau (Hrsg.): Nordstaat : interdisziplinäre Untersuchung zu Chancen und Risiken einer künftigen Zusammenarbeit oder Neugliederung norddeutscher Bundesländer. Kiel 2006, ISBN 3-936773-28-9, S. 135ff.
  • Kommunen auf dem Weg zur Bürgerkommune. in KGST Finden, was wirkt, 2000
  • Qualitätskontrolle polizeilicher Arbeit. In: Helmut Bäumler (Hrsg.): Polizei und Datenschutz. Neuwied 1999, ISBN 3-472-03796-2.
  • Alfred Oppolzer u. a. (Hrsg.): Flexibilisierung, Deregulierung. Arbeitspolitik in der Wende. VSA-Verlag, Hamburg 1986, ISBN 3-87975-367-9.
  • Peter Faulstich, Hartmut Wegener : Gesamthochschule: Zukunftsmodell oder Reformruine? Bock & Herdener, 1981, ISBN 3-88347-077-5.
  • Beruflicher Bildungsweg und Hochschulzugang. DUZ 1978, S. 724.
  • Verbraucherschutz und Wettbewerb. Jus 1974, S. 561ff.
  • Verbraucher und Recht. Verlag Otto Schwartz, ISBN 3-509-00937-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Staatssekretär geht - Kieler Ministerium ohne Führung. Welt Online (14. März 2000).
  2. Mühlenberger Loch schon fast trockengelegt. Welt Online (11. April 2002).
  3. Schlüsselübergabe für die Ballinstadt. Welt Online (31. März 2007).
  4. Feldherr auf Hamburgs großen Baustellen. Welt Online: Porträt des Leiters der städtischen Realisierungsgesellschaft (7. Juli 2007).
  5. Das Tollhaus. Zeit Online: Die Elbphilharmonie sollte das Jahrhundertbauwerk im Hamburger Hafen werden … (3. September 2010).
  6. Elbphilharmonie: Ole von Beust zur Personalie Hartmut Wegener. Hamburg1-Interview mit Ole von Beust (17. September 2008). (Memento vom 16. Januar 2014 im Internet Archive)
  7. ReGe-Geschäftsführung abgegeben (PDF; 283 kB). Pressestelle des Senats (17. September 2008). (Memento vom 6. Dezember 2008 im Internet Archive)
  8. Hamburger Millionenprojekt: Vertraulicher Bericht nennt Schuldige des Elbphilharmonie-Desasters spiegel online (7. Januar 2014)
  9. Elbphilharmonie: Ich war der ideale Sündenbock Zeit Online (11. April 2014)
  10. Neue Regeln für PUA- Betroffene in Hamburg. In: Hamburger Abendblatt. 26. August 2016, abgerufen am 27. September 2016 (S. 13).
  11. Neues Flair auf dem Adolphsplatz hamburger wirtschaft (6/2014, S. 22/23)