Heidekraut-Wühlmäuse

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Heidekraut-Wühlmäuse
Schädel und Füße verschiedener Phenacomys-Arten aus der Erstbeschreibung von Merriam 1889

Schädel und Füße verschiedener Phenacomys-Arten aus der Erstbeschreibung von Merriam 1889

Systematik
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Wühlmäuse (Arvicolinae)
incertae sedis
Gattung: Heidekraut-Wühlmäuse
Wissenschaftlicher Name
Phenacomys
Merriam, 1889

Die Heidekraut-Wühlmäuse (Phenacomys) sind eine Gattung aus der Unterfamilie der Wühlmäuse (Arvicolinae) mit zwei Arten, die in Nordamerika vorkommen.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im allgemeinen Körperbau ähneln die Arten anderen Wühlmäusen wie Feldmäusen (Microtus) oder Rötelmäusen (Myodes). Sie erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 9 bis 12 cm und eine Schwanzlänge von 2,6 bis 4,1 cm. Das Gewicht liegt zwischen 25 und 40 g. Die Grundfarben des Fells sind graubraun auf der Oberseite und silbergrau an der Unterseite. Es gibt jedoch große Variationen zwischen den einzelnen Exemplaren. Die Backenzähne der Heidekraut-Wühlmäuse besitzen eine Zahnwurzel, womit sie sich von Feldmäusen unterscheiden. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu den Rötelmäusen ist die abweichende Konstruktion der Zahnkrone der unteren Mahlzähne.[1]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie der Name andeutet halten sich diese Wühlmäuse vorwiegend in offenen Habitaten mit Heidekrautgewächsen und vereinzelten Bäumen oder Büschen auf. Sie kommen auch auf Wiesen und in der alpinen Tundra vor.[1]

Heidekraut-Wühlmäuse graben im Sommer Tunnelsysteme, die zu einer Wohnkammer in 10 bis 25 cm Tiefe führen. Vor dem Winter bauen sie oberirdische Nester aus Zweigen, Gras und Flechten, die dann vom Schnee bedeckt sind. Diese Wühlmäuse halten keinen Winterschlaf.[1]

Als Nahrung dienen unterschiedliche Pflanzenteile wie Samen, Beeren, Kräuter, Rinde oder junge Triebe. Die Fortpflanzung erfolgt zwischen Mai und August, wobei Weibchen mehr als einen Wurf pro Jahr aufziehen können. Nach 19 bis 24 Tagen Trächtigkeit werden 2 bis 8 Junge geboren. Diese sind von Geburt bis etwa zu Beginn der zweiten Lebenswoche blind. Schon nach 17 bis 21 Tagen endet die Säuglingszeit. Weibchen erreichen die Geschlechtsreife nach vier bis sechs Wochen, wogegen sich Männchen nicht vor dem ersten Winter paaren.[1]

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den verschieden zoologischen Abhandlungen wurden die Heidekraut-Wühlmäuse zu einer Art zusammengefasst oder in bis zu drei Arten aufgeteilt. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte 1889 durch Clinton Hart Merriam, der dieser Gattung vier ebenfalls neu beschriebene Arten zuordnete.[2]

In neueren Werken wie Mammal Species of the World (2005) und bei der Weltnaturschutzunion (IUCN) sind zwei Arten gelistet:[3][4]

Status[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Heidekraut-Wühlmäuse sind keine nennenswerten Beeinträchtigungen bekannt. Beide Arten werden von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) gelistet.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Band 2. 6. Auflage. 1999, S. 1466 ff. ISBN 0-8018-5789-9
  2. Clinton Hart Merriam: Description of a new genus (Phenacomys) and four new species of Arvicolinae. North American Fauna 2, 1889; S. 24–53. (Volltext)
  3. Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 3. Auflage. 2 Bände. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4 (englisch, Phenacomys).
  4. a b Phenacomys in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2012. Abgerufen am 19. Juni 2014.