Heilig-Kreuz-Kapelle (Blieskastel)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Heilig-Kreuz-Kapelle, Blickrichtung zur Stadt hin
Gnadenbild „Unsere Liebe Frau mit den Pfeilen“
Wallfahrtsandenken von 1920, mit Darstellung der Pfeilemadonna und der Kapelle von der Chorseite

Die Heilig-Kreuz-Kapelle oder auch Gnadenkapelle liegt am Han („Hain“) oberhalb von Blieskastel im Saarland. Es gehört als Wallfahrtsort zu dem 1929 erbauten Kloster Blieskastel (Minoritenkloster) und wird jährlich von etwa 80.000 Pilgern besucht. Die Kapelle entstand als Verehrungsort einer Kreuzreliquie, steht aber heute in engem Kontext zu der aus dem 14. Jahrhundert stammenden PietàUnsere Liebe Frau mit den Pfeilen“. In der Denkmalliste des Saarlandes ist die Kapelle als Einzeldenkmal im Ensemble Klosteranlage „Auf dem Han“ aufgeführt[1].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kapelle, die einen kleineren Vorgängerbau ersetzte, wurde vermutlich in den Jahren 1682 bis 1683 nach Plänen des Baumeisters Thomas Gampfer bzw. Camper errichtet.[2][3][4] Die Bauaufsicht oblag Amtmann Johann Simon Rosinus.[3][4]

Die Bauherren waren die Freiherren Carl Caspar und Damian Adolph von der Leyen[3], die wenige Jahre zuvor ihre Residenz von Blieskastel nach Koblenz verlagert hatten. Laut Widmungsinschrift sollte das Kirchlein „Zur vermehrten Einpflanzung christlich-katholischer Andacht der Untertanen“ dienen.[3] Die Kapelle besaß eine Kreuzreliquie, zu der Wallfahrten stattfanden und die auch Namensgeber der Kapelle ist. Lange bevor die ursprünglich aus dem Kloster Gräfinthal stammende „Pfeilemadonna“ hierher kam, war die Hl.-Kreuz-Kapelle schon eine regional bedeutsame Wallfahrtsstätte. Der Priester und königliche Visitator Carl Desiderius de Royer, Reorganisator des katholischen Lebens im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, publizierte 1692 ein Büchlein zu dieser Kreuz-Wallfahrt.[5]

Im Zuge der Französischen Revolution wurde das Gotteshaus 1793 profaniert, die Wallfahrt kam zum Erliegen. Den neuen Eigentümern diente es zeitweise als Wachlokal und Pulvermagazin. 1804 wurde die Kapelle wieder geweiht, und Gottesdienste wurden wieder regelmäßig gehalten. 1829 kam das berühmte Gnadenbild „Unsere Liebe Frau mit den Pfeilen“ hierher, das aber in Vergessenheit geriet.[3]

Im Jahr 1913 wurde die Wallfahrt wiederbelebt, die sich nun jedoch auf die wiederentdeckte und neu restaurierte Pfeilenmadonna bezog.[3] Seitdem zählt das Kirchlein zu den bekanntesten Wallfahrtsstätten des zuständigen Bistums Speyer.[6]

1958 erfolgte eine erste Restaurierung, in deren Zuge das Kreuzrippengewölbe gefunden wurde, das in den Jahren 1965–66 freigelegt und in seinen Originalfarben gestrichen wurde.[4] In den Jahren 2008–09 erfolgte die Restaurierung des Daches[4], weitere Baumaßnahmen waren dringend geboten.[7]

Die bis 2005 hier wirkenden Kapuziner wurden von den Franziskaner-Minoriten abgelöst, die nach Gründung einer Klosterstiftung Mieter im Klosterkomplex sind. Um die Erhaltung des Gebäudezustandes kümmert sich der im Dezember 2007 gegründete Katholische Kreuzkapellenverein, der als gemeinnützig anerkannt ist.[7]

Am 16. Mai 2013 begann die Innenrenovierung der Kapelle.[8] Die feierliche Wiederindienststellung der Kapelle, die durch den Speyrer Weihbischof Otto Georgens vorgenommen wurde, erfolgte am 1. Dezember 2013.[9]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Ecke neben dem Eingang steht die Orgel der Kapelle, die 1972 durch die Orgelbaufirma Hugo Mayer (Heusweiler) gebaut wurde. Das Instrument hat 5 Register. Die Windladen sind mechanische Schleifladen. Sie besitzt einen freistehenden Spieltisch[10].

I Manual C–g3
1. Gedackt 8′
2. Rohrflöte 4′
3. Principal 2′
4. Scharff II 1′
Pedal C–f1
5. Subbaß 16′

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard H. Bonkhoff: Die Kirchen im Saar-Pfalz-Kreis. Saarbrücker Druck und Verlag, Saarbrücken 1987, ISBN 3-9250-3615-6.
  • Nikolaus Lauer, Clemens Jöckle: Wallfahrt zu Unserer Lieben Frau mit den Pfeilen, Blieskastel. Wallfahrt Blieskastel (= Kleine Kunstführer. Bd. 816, ZDB-ID 51387-8). 6., neubearbeitete Auflage. Schnell & Steiner, München u. a. 1991.
  • Thomas Strauch: Der Mythos um das Vesperbild von Blieskastel. In: Bergmannskalender. 2008, ZDB-ID 1460592-2, S. 177–182.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Heilig-Kreuz-Kapelle (Blieskastel) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmalliste des Saarlandes, Teildenkmalliste Saarpfalz-Kreis (Memento vom 5. Mai 2014 im Internet Archive) (PDF), abgerufen am 19. März 2015
  2. Erbauung der Kreuzkapelle (Memento vom 3. April 2015 im Internet Archive) Auf: www.wallfahrtskloster-blieskastel.de. Abgerufen am 19. März 2015
  3. a b c d e f Das Wallfahrtskloster und die Heilig-Kreuz-Kapelle Auf: www.blieskastel.de. Abgerufen am 19. März 2015
  4. a b c d Informationen zur Kapelle Heilig Kreuz Auf: www.kunstlexikonsaar.de. Abgerufen am 19. März 2015
  5. Quelle zur ursprünglichen Kreuz Wallfahrt und zum Wallfahrtsbüchlein von Desiderius de Royer
  6. Wallfahrtsseite vom Webportal des Bistums Speyer (Memento vom 27. Januar 2016 im Internet Archive)
  7. a b Informationsprospekt des Katholischen Kreuzkapellenvereins Blieskastel (Memento vom 3. April 2015 im Internet Archive) (PDF) Auf: www.wallfahrtskloster-blieskastel.de. Abgerufen am 19. März 2015
  8. Innenrenovierung der Kreuzkapelle hat begonnen (Memento vom 11. Juni 2013 im Internet Archive) Auf: www.wallfahrtskloster-blieskastel.de. Abgerufen am 14. Juni 2013
  9. Kreuzkapelle ist wieder in den Dienst gestellt (Memento vom 3. April 2015 im Internet Archive) Auf: www.wallfahrtskloster-blieskastel.de. Abgerufen am 15. Dezember 2013
  10. Orgel der Gnadenkapelle „Unserer lieben Frau mit den Pfeilen“ (kath.) (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive) Infoseite des Webangebots Orgeln im Saarland. Abgerufen am 2. Juni 2012

Koordinaten: 49° 14′ 27″ N, 7° 15′ 31,6″ O