Heilig Kreuz (Zürich-Altstetten)

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Heilig Kreuz-Kirche Zürich-Altstetten, Aussenansicht
Innenansicht
Erste Kirche Heilig Kreuz, Bauzustand 1937–1977
Bodenmosaik in erster Kirche

Die Kirche Heilig Kreuz ist die römisch-katholische Pfarrkirche des Stadtzürcher Quartiers Altstetten. Sie befindet sich an der Saumackerstrasse 83 in der Nähe des Lindenplatzes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pfarrei Heilig Kreuz ist eine Tochterpfarrei von St. Peter und Paul (Zürich), welche 1874 als erste römisch-katholische Kirche in der Stadt Zürich nach der Reformation im Jahr 1523 und der Abspaltung von der christkatholischen Kirche 1871 errichtet wurde. Da das Pfarrgebiet von St. Peter und Paul über die Stadtgrenzen Zürichs hinaus reichte und sehr gross war, wurden etliche Töchterpfarreien gegründet, darunter auch die Pfarrei Heilig Kreuz. Dies geschah im Jahr 1900 zeitgleich mit der Errichtung des ersten Kirchengebäudes auf dem Areal der heutigen Kirche, welches ohne Architekt von technisch erfahrenen Handwerkern erbaut wurde.

Der damalige Bischof von Chur, Johannes Fidelis Battaglia erhob im Jahr 1900 die Gemeinde von Altstetten zur Pfarrei und trennte sie von der Mutterpfarrei St. Peter und Paul ab. Damals gehörten zur Pfarrei Heilig Kreuz über Altstetten hinaus noch weitere Orte: Albisrieden, Höngg, Ober- und Unterengstringen, Weiningen, Schlieren, Urdorf, Uitikon und Birmensdorf. Ab 1924 wurden im Verlauf der nächsten vierzig Jahre diese Orte von der Pfarrei Heilig-Kreuz abgelöst und zu eigenständigen Pfarreien ernannt.

Da Altstetten nach der Eingemeindung 1934 als Zürcher Quartier eine starke Bevölkerungsentwicklung erlebte, wuchs auch die Pfarrei Heilig-Kreuz; sie ist mit 10'751 Mitgliedern (Stand 2016) die grösste römisch-katholische Pfarrei der Stadt Zürich.[1] Deshalb wurde die erste Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg zu klein und durch einen zwischen 1977 und 1979 errichteten Neubau des Architekten Dezsö Ercsi ersetzt.

Die erste Kirche Heilig Kreuz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1900 wurde die erste Kirche Heilig Kreuz in Altstetten erbaut. Es handelte sich hierbei um eine Kirche, welche in der Tradition der spätklassizistischen Baukunst erbaut worden war. Wie die Kirche Herz Jesu (Zürich-Oerlikon) lag diese Kirche in der Zeit ihrer Erbauung in einer Grünzone und wurde erst im Lauf des 20. Jahrhunderts von weiteren Gebäuden umbaut. Ein Architekt dieser ersten Kirche ist nicht bekannt, weshalb angenommen wird, dass diese Kirche ein "Teamwork anonym gebliebener Meister" sei. Diese erste Kirche Heilig-Kreuz besass zunächst einen Dachreiter, in dem sich zwei Glocken befanden. Der Innenraum bestand aus einem Saal, der von einer breiten Segmenttonne eingewölbt wurde. Das fünfseitige Chor war eingezogen.[2] Die Orgel dieser ersten Heilig-Kreuz-Kirche war eine pneumatische Orgel im spätromantischen Stil des Orgelbauers Späth aus Rapperswil SG. Im Jahr 1937 wurde nach der Errichtung des heutigen Kirchturms der Dachreiter der Kirche abgetragen. Als durch den Bauboom in Altstetten die Pfarrei stetig wuchs, wurde die in die Jahre gekommene Kirche zu klein; zudem benötigte die Pfarrei weitere Säle und Räume, sodass man sich in den 1970er Jahren entschied, diese erste Kirche abzutragen und durch einen Neubau samt Sälen und weiteren Räumlichkeiten zu ersetzen.

Kirchturm und Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neu erbauter Kirchturm um 1937
Neu erbaute Kirche nach 1979

Im Dachreiter der ersten Kirche aus dem Jahr 1900 befanden sich zwei Glocken, welche ein Geschenk des Priesterseminars St. Luzi in Chur gewesen waren.

Als im Jahr 1937 der heutige Kirchturm erstellt wurde und der Dachreiter der Kirche überflüssig geworden war, hängte man diese ersten beiden Glocken der Kirche Heilig-Kreuz in den neuen Kirchturm. Nach dem Neubau der Kirche 1979 wurde der Glockenturm saniert; dabei ersetzte man die beiden alten Glocken durch vier neue, welche von H. Rüetschi, Aarau gegossen wurden:

Nummer Gewicht Ton Widmung
1 1750 kg des1 Hl. Josef
2 930 kg f1 Muttergottes Maria
3 649 kg as1 Hl. Bruder Klaus
4 395 kg b1 Hl. Titus

Im Jahr 2001 wurde der Kirchturm erneut saniert, diesmal durch die Architektin Marianne Unternährer Pickard.[3] Im Gegensatz zum Vereinshaus, welches 1997 bis 1998 durch einen Neubau ersetzt wurde, und zum Pfarrhaus, welches 2014 einem Neubau wich, blieb der 48 Meter hohe Kirchturm stets bestehen und prägt die Aussengestaltung des Gebäude-Ensembles. Am Fuss des Kirchturms steht noch heute eine der beiden ursprünglichen Glocken.

Die Tituskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dach der neuen Kirche im Bau 1978
Innenansicht an Weihnachten

Für die Zeit zwischen dem Abbruch der ersten Kirche Heilig Kreuz und Fertigstellung der neuen Kirche Heilig Kreuz erstellte die katholische Pfarrei im Westen des Quartiers Altstetten im Gebiet Im Suteracher eine sogenannte Fastenopferkirche. Es handelte sich dabei um eine Notkirche, die baugleich wie die Kirchen Bruder Klaus Volketswil, St. Franziskus Bassersdorf sowie die grösser dimensionierte Kirche Hl. Geist Wetzikon war. Die Kirche wurde dem Hl. Titus geweiht und diente als Ausweichkirche zwischen 1977 und 1979. Im Jahr 1981 wurde sie durch die Kirche Im Suteracher der reformieren Kirchgemeinde ersetzt.

Die zweite Kirche Heilig Kreuz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in den Jahren 1977–1979 vom ungarischen Architekten Dezsö Ercsi erbaute Kirche wurde als Arche mit den von aussen gut sichtbaren Stützpfeilern konzipiert. Durch vertikale Rillen im Sichtbeton und im Kupferdach wird der vertikale Akzent verstärkt. Als Gegenbewegung wird die horizontale Linie durch die hervortretende Kirchenwand in der Mitte des Baukörpers hervorgehoben. Die eigentliche Kirche befindet sich im Obergeschoss des dezent konzipierten Baus. Im Erd- und im Untergeschoss befinden sich verschiedene Räumlichkeiten, die dem Pfarreileben dienen. Über eine breite Treppe oder über eine Wendeltreppe gelangt man in die Kirche im Obergeschoss. Der pyramidenförmige Baukörper und die Lichtführung mittels eines grossen, zentralen Lichtschachtes im Kupferdach erhält der Kirchenraum seine Atmosphäre.

Die künstlerische Innenausstattung der Kirche stammt fast ausschliesslich von Albert Wider (1910–1985)[4] aus Widnau SG und lässt sich in zwei Zeitabschnitte gliedern:

Ältere Kunstgegenstände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese wurden für die Neugestaltung der Vorgängerkirche in den Jahren 1956–1957 geschaffen. Aus der Vorgängerkirche stammen die Propheten- und Heiligenfiguren, die einst Elemente des Hauptaltars und des Kommunionbanks waren, heute aber im Kirchenraum als eigenständige Plastiken gruppiert sind; des Weiteren der Tabernakel und die Holzskulpturen, die in der alten Kirche den Haupt- und die beiden Seitenaltäre prägten (Kruzifix, Muttergottes mit Jesuskind und Hl. Josef mit dem heranwachsenden Jesus), sowie eine vierte Holzskulptur, die den Hl. Antonius mit dem Antoniusbrot darstellt. Die Kreuzwegstationen, die heute in der Werktagskapelle angebracht sind, stammen ebenfalls aus der Vorgängerkirche und sind Kopien nach Anselm Feuerbach, deren Originale in der Annakirche in München hängen.

Jüngere Kunstgegenstände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die neue Kirche von 1978 schuf Albert Wider folgende Werke aus Bronze: den Haupt- und den Seitenaltar, die Türgriffe der Kirchenportale, den Taufbrunnen in der Kirche sowie die Glasfenster im grösseren der beiden Treppenhäuser. Nach dem Tod von Albert Wider erstellte der Künstler Pablo Rossi den Ambo aus Holz. Die beiden Emailbilder „Himmlisches Jerusalem“ hinter dem Altar und die Taufplastik hinter dem Taufbrunnen wurden von Willy Charles Erismann (1920–1989), Zürich-Altstetten gestaltet. So stellt der rote Punkt die Liebe Gottes dar. Daraus fliesst Jesus Christus als lebendiges Wasser - blaue Elemente - in den Taufbrunnen - umgeben vom Heiligen Geist, den goldenen Elementen. Vom Taufbrunnen führt die goldene Strasse - am Auferstehungskreuz vorbei - zur Vollendung im himmlischen Jerusalem.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mathis-Orgel von 1981

Die dreimanualige Orgel mit 35 Registern und mechanischer Spiel- und Registertraktur wurde im Jahr 1981 von der Firma Mathis, Näfels, erbaut und am 12. April 1981 eingeweiht.

Disposition:

I Rückpositiv C–g3
Holzgedackt 8′
Praestant 4′
Spitzgedackt 4′
Principal 2′
Quinte 113
Octave 1′
Cymbel III–IV 23
Vox humana 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
Quintade 16′
Principal 8′
Rohrgedackt 8′
Gambe 8′
Voce umana 8′
Octave 4′
Spitzflöte 4′
Octave 2′
Sesquialtera II 223
Mixtur III–IV 113
Trompete 8′
III Schwellwerk C–g3
Bourdon 8′
Principal 4′
Traversflöte 4′
Nasat 223
Hohlflöte 2′
Terz 135
Mixtur IV–V 2′
Dulcian 16′
Oboe 8′
Glockenspiel
Tremulant
Pedal C–f1
Subbass 16′
Principal 8′
Pommer 8′
Octave 4′
Mixtur IV 223
Fagott 16′
Zinke 8′
  • Koppeln: III/II, I/II, I/P, II/P, III/P

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Kamer und Johann Oetiker: 50 Jahre Pfarrei Heilig-Kreuz Zürich-Altstetten. Zürich 1950.
  • Albert Boll: Chronik der Heilig-Kreuz-Kirche Zürich-Altstetten. Zürich 1979.
  • Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus des Bistums Chur. Chur 1980.
  • Henri Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. Zürich 1989.
  • Robert Schönbächler: Kirchen und Gotteshäuser der Stadt Zürich. Neujahrsblatt Industriequartier/Aussersihl, Zürich 2012.
  • Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. Zürich 2014.
  • Peter Niederhäuser: Von der Missionsstation zum Pfarreizentrum. Die Heilig Kreuz-Kirche in Zürich-Altstetten. Zürich 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heilig-Kreuz (Zürich-Altstetten) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Katholische Kirche im Kanton Zürich. Jahresbericht 2014. S. 79.
  2. Rainald Fischer: Hundert Jahre katholischer Kirchenbau., in: Guido Kolb: 100 Jahre St. Peter und Paul. Jubiläumsschrift zur Hundertjahrfeier der St. Peter und Pauls-Kirche Zürich. Zürich, 1974, S. 194.
  3. Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. Zürich 2014. S. 197.
  4. Website über den Künstler Albert Wider. Abgerufen am 6. Juni 2013.

Koordinaten: 47° 23′ 3,2″ N, 8° 29′ 18,3″ O; CH1903: 679269 / 248685