Heinrich von Melk

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Heinrich von Melk war ein mittelalterlicher Autor.

Mitte (v. 453 ff.) des Todesgedenkens im Cod. 2696 der ÖNB Wien

Der Autor von „Von des tôdes gehugede“ nennt sich Heinrich und bezeichnet sich als armen kneht („Diener“) Gottes und nennt seinen Abt Erkenfried. Obwohl es im 12. Jahrhundert viele Heinriche und mehr als einen Abt Erkenfried gab, kommt wahrscheinlich nur Erkenfried von Melk (bis 1163) in Frage. Heinrich war daher ein Kleriker oder Mönch oder Laienbruder, der Mitte des 12. Jahrhunderts vermutlich im Klosterstift Melk in Niederösterreich lebte.

Seine satirisch gefärbten Werke stellen einen Höhepunkt des asketischen Schrifttums seiner Zeit dar. Überliefert sind von ihm zwei frühmittelhochdeutsche Reimdichtungen: „Von des tôdes gehugede“ (wörtlich: „Vom Denken an den Tod“; ein Versuch, das lateinische Memento mori zu übersetzen) gehört der memento-mori-Dichtung an. Der Sittenspiegel Vom Priesterleben gilt als bedeutendes kulturhistorisches Dokument. Die einzige Handschrift mit diesen Texten, der Codex Vindobonensis 2696, ist um 1300 geschrieben worden.

Zur Datierung des frühen Minnesangs benutzt werden gerne die Verse 610ff. von Von des tôdes gehugede, die an die Witwe eines Ritters gerichtet sind, die vor seiner Leiche steht:

nû sich, in wie getâner heite
diu zunge lige in sînem munde,
dâ mit er diu troutliet kunde
behagenlîchen singen

Übersetzung: „Nun sieh, auf welche Weise die Zunge in seinem Munde liegt, mit der er die Liebeslieder behaglich singen konnte“.

Da über diese Liebeslieder sonst nichts gesagt wird, als dass sie ins ewige Verderben führen können, kann kein bestimmter Minnesänger dadurch datiert werden; insbesondere nicht der Kürenberger. Es kann anonyme, volkstümliche Lyrik gemeint sein.

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich von Melk: Von des todes gehugde – Mahnrede über den Tod, mittelhochdeutsch, neuhochdeutsch, Übersetzt, kommentiert und mit einer Einführung in das Werk hrsg. von Thomas Bein, (= Reclams Universal-Bibliothek; Band 8907), Stuttgart 1994 ISBN 3-15-008907-7

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]